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Kultur

Viele Hürden verhindern bürgerschaftliches Engagement

23 Millionen Menschen in Deutschland sind bürgerschaftlich engagiert. Unter ihnen sind auch viele Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund. Ihr Zugang zu deutschen Vereinen ist aber nicht einfach.

Bei ehrenamtlicher Arbeit verläuft die Integration von Migranten noch schleppend, Quelle: AP

Bei ehrenamtlicher Arbeit verläuft die Integration von Migranten noch schleppend

Stolz ist die türkischstämmige Selma Öfkeli über ihr bürgerschaftliches Engagement. Seit über zwei Jahren besucht sie regelmäßig eine querschnittsgelähmte 82-jährige Seniorin. Damit gehört sie zu denjenigen Menschen mit Migrationshintergrund, die sich bürgerschaftlich engagieren. Davon gibt es nicht viele. Ein Grund: Ehrenamtliches Engagement wird aus Unwissenheit ignoriert und diejenigen, die ihre Freizeit opfern, werden nicht positiv angesehen, erklärt Öfkeli: "Eine fremde Person besucht man nicht, heißt es. Wieso soll ich sie besuchen? Was kann ich ihr anbieten? Ich sage, fang erst einmal an: Dann werdet ihr sehen wie toll das ist, wie es erst einmal selber gut tut."

Nicht nur Sprachprobleme

Dass bürgerschaftliches Engagement wenig Beachtung unter Menschen mit Migrationshintergrund findet, hat unter anderem mit dem Verständnis des ehrenamtlichen Engagements zu tun. Arif Ünal im Gesundheitszentrum im Köln kennt die Bedenken. Er nennt die mangelnden Sprachkenntnisse, die sich als Hindernis erweisen. Zudem sei bürgerschaftliches Engagement bei den Menschen mit Migrationshintergrund kein Thema, weil sie von ihren Heimatländern an diese Arbeitsweise nicht gewöhnt sind.

Einer Umfrage des Bundesbildungsministeriums zufolge sind die meisten Ehrenamtlichen in religiösen und kulturellen Bereichen aktiv, gefolgt von der Jugendarbeit oder als Interessenvertretung. Dass Religion und Kultur den größten Teil ausmachen, liegt vor allem daran, dass sie dort andere Formen der gegenseitigen Hilfeleistung haben.

Schwerer Zugang zu deutschen Vereinen

Auch für Emine Sen war ihre Religion ausschlaggebend, als sie sich dafür entschied, in der Moschee ehrenamtlich aktiv zu sein. Dort kümmert sie sich fast täglich um die Belange der Frauen. Zu deutschen Vereinen hatte sie keinen Zugang, erklärt sie. "Vieles wissen wir nicht. Wo sind die Vereine, wo ist der Anlaufpunkt, wo kann ich hingehen, wen kann ich fragen? Das sind Dinge, wo man Hilfestellung geben müsste."

Anders sieht es bei Cengiz Iyirli aus, der ebenfalls ehrenamtlich tätig ist. Er ist in der Türkei in einem Volkshaus aufgewachsen und hat dort Tanz, Musik, Literatur und Malerei gelernt. "Das habe ich unserem Vorstand vorgestellt. Das haben die akzeptiert, dann haben wir eine Kulturabteilung gegründet." Seit mehr als 40 Jahren lebt Iyirli in Deutschland, und genauso lang ist er ehrenamtlich aktiv. Täglich ist der 74-Jährige mehrere Stunden bei der Arbeiterwohlfahrt. Das sind viele Stunden Arbeit, unbezahlte Arbeit.

Schon 40 Jahre aktiv

Migranten-Organisationen sind seit mehr als 40 Jahren Bestandteil der deutschen Bürgergesellschaft. Die freiwillige Tätigkeit aber erfordere von deutschen Einrichtungen bessere Angebote für Migranten, sagt Birgit Yakusch, Mitglied im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. Zwar seien Angebote vorhanden, aber die Frauen und Männer mit Migrationshintergrund könnten die Inhalte nicht ausreichend mitbestimmen. "Es besteht ein Defizit darin, dass sie sich wirklich an den Interessen der Menschen orientieren." Yakusch zufolge verhindern unzählige Hürden die Aktivität der Migranten - am Willen, sich bürgerschaftlich zu engagieren, mangele es aber nicht.

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