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Europa

Viele Hürden für Nabucco

Erdgas vom Kaspischen Meer für Europa; in einer Pipeline, die nicht von Russland kontrolliert wird: Das ist die Idee hinter "Nabucco". Ob das Projekt leisten kann, was es verspricht, ist noch sehr fraglich.

Kart von Süd-Ost-Europa (Quelle: ap)

Der Verlauf der geplanten "Nabucco"-Pipeline

Der Besuch der Wiener Staatsoper an einem Abend im Oktober 2002 brachte die Vertreter von fünf Energieunternehmen auf einen wohlklingenden Namen für das Gas-Pipeline-Projekt, das sie tagsüber konzipiert hatten. Wenn auch Giuseppe Verdis Titelheld "Nabucco", also Nebukadnezar II, der König von Babylon, vor 2600 Jahren noch nichts von den Schätzen im Boden seines Reichs wusste, für die sich heutige Generationen so brennend interessieren.

Neben den Gründungsmitgliedern und Namensgebern von "Nabucco"; OMV (Österreich), MOL (Ungarn), Transgaz (Rumänien), BEH (Bulgarien) und Botas (Türkei) gehört mittlerweile auch RWE aus Deutschland mit zum Konsortium.

Multinationales Großprojekt

40 km von Wien entfernt liegt Baumgarten. In der gigantischen Gas-Verteilerstation, wo bislang schon die Leitungen aus Russland ankommen, soll auch die neue "Nabucco"-Pipeline enden. Der Baubeginn ist für 2011 vorgesehen; die geplante Route führt durch Ungarn, Rumänien, Bulgarien in die Türkei, in der ersten Ausbaustufe erst einmal bis Ankara. Ab 2014 könnte das erste Gas strömen. In der zweiten Phase 2014 bis 2015 soll "Nabucco" dann Richtung Osten verlängert werden: Mit einem nördlichen Ausläufer nach Georgien und einem Strang Richtung Iran. Die endgültige Gesamtlänge: 3300 Kilometer. Die Zahl der benötigten Röhren: 200.000. Die Kosten: 7,9 Milliarden Euro.

Versorgungssicherheit für Europa?

Symbolbild Gasstreit mit Putin und Juschteschenko (Foto-Montage: ap)

Leidiges Dauerthema: Gasstreit auf Europas Kosten

Und was bietet "Nabucco" für das viele Geld? Mehr strategische Unabhängigkeit und eine Steigerung der Versorgungssicherheit; für die beteiligten Transitländer und für Europa als Ganzes, sagen die Befürworter. Im Klartext: Die neue Pipeline würde im Gegensatz zu allen anderen Gasleitungen nicht über Russland bzw. über die ehemaligen Sowjetrepubliken Weißrussland und Ukraine laufen.

Aber woher soll eigentlich das Gas kommen, fragen die Kritiker: Noch gibt es nämlich überhaupt keine festen Lieferverträge.

Die potenziellen Lieferanten: Alles Wackelkandidaten

Aus dem Irak vielleicht, aber dort streitet sich die kurdische Autonomieregierung im Norden mit der Zentralregierung in Bagdad, wer der Ansprechpartner und Lieferant für "Nabucco" sein soll. Ohnehin ist die Sicherheitslage im Irak weiterhin wenig stabil, das bedeutet ein hohes Risiko für Infrastruktur und Personal.

Iran verfügt über riesige Reserven, trotzdem führt das Land momentan mehr Erdgas ein als aus: Es fehlen Investitionen zur Erschließung neuer Erdgasfelder. In der derzeitigen politischen Situation erscheint ein nachhaltiges Engagement westlicher Firmen dort ebenso utopisch wie eine Rolle Irans als verlässlicher Gaslieferant.

Streckenführung durch Russlands "Vorgarten"

Bohrinsel aus Vogelperspektive (Quelle: dpa)

Eine Region reich an Erdgas und Erdöl: Die kasachische Bohrinsel Astra im Kaspischen Meer

Die nördliche Anbindung der "Nabucco"-Pipeline zielt auf die kaspische Region. Die Strecke führt durch Georgien. Dass Russland hier notfalls seine machtpolitischen Interessen sehr effektiv wahrnehmen kann, wurde im Kurzkrieg im letzten Jahr mehr als deutlich. Aber von militärischen Optionen im Krisenfall einmal ganz abgesehen; natürlich führt auch Moskau intensive wirtschaftliche Verhandlungen mit den möglichen Gaslieferanten am kaspischen Meer, alles ehemalige Sowjetrepubliken: Mit Aserbaidschan wurde gerade ein neuer Liefervertrag abgeschlossen, Kasachstan und Turkmenistan schauen sich die Angebote in Ruhe an, auch die aus China übrigens.

Russlands Transport-Alternative: "Southstream"

Für den Transport von Erdgas aus der kaspischen Region nach Europa hat Russland auch seine eigenen Pläne: Die sogenannte "Southstream"-Pipeline wird durch das Schwarze Meer nach Bulgarien verlaufen, mit einem Strang weiter nach Österreich, und einem zweiten über Griechenland nach Italien. Und wahrscheinlich wird sie auch noch früher fertiggestellt sein als "Nabucco".

Autor: Michael Gessat
Redaktion: Martin Schrader

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