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Politik

Viele Fragen auf den Andamanen und Nikobaren

Auf den Andamanen und Nikobaren kämpfen Tausende ums Überleben. Die zu Indien gehörenden Inseln in der Bucht von Bengalen gehören zu den abgelegensten Regionen der Welt. Und haben ganz eigene Probleme.

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Vergessen im Golf von Bengalen?


"Sie sind der erste, der herkommt und nach uns fragt." Mit diesen Worten begrüßte der 50-jährige Reisbauer Abdul Hamza am Neujahrstag 2005 den indischen Oppositionspolitiker Jaswant Singh auf der Insel Bambooflat.

Warum kommt keiner?

Obwohl die Insel nur 20 Schiffsminuten von Port Blair, der Hauptstadt der Andamanen und Nikobaren, entfernt ist, fühlen sich ihre Bewohner nach der Flutkatastrophe im Stich gelassen. "Niemand hat sich um unsere Versorgung gekümmert", klagte Hamza. Mit wachsendem Ärger warten die 2000 Familien auf Bambooflat auf das Eintreffen von Hilfe. "Es gibt keine Nahrungsmittel, kein Kerosin, keine Streichhölzer", klagt der Reisbauer J.L. Tak. "Alles ist weg, und wir bekommen nichts von der Regierung."

Wo ist das medizinische Personal?

Inzwischen suchen die Bewohner verzweifelt nach ihren Ärzten und Krankenschwestern. Hunderte von ihnen sind seit den Tsunamis verschwunden. Die Inselverwaltung forderte am Sonntag alle medizinischen Angestellten auf "sich unverzüglich an ihrem Arbeitsplatz zu melden". Die Regierung geht davon aus, dass die Mehrheit der Ärzte und Krankenschwestern nicht ums Leben kamen, sondern sich zu Hause verkrochen haben. Größte Sorge bereitet den Behörden der mögliche Ausbruch von Seuchen, da unter den Trümmern immer noch viele Leichen liegen.

Viele der Schwestern, Notärzte, Wissenschaftler, Pathologen, Anästhesisten und Hebammen flüchteten sich wegen der Flutwellen vermutlich von den vielen kleineren Inseln in die Haupstadt Port Blair, viele waren ohnehin für die Feiertage aufs Festland gereist und kamen nach den Tsunamis gar nicht erst wieder. Das Chaos, das nach der Katastrophe auf den Inseln herrschte, dürfte sie auch nicht ermutigt haben, ihre Zufluchtsorte zu verlassen. Die Behörden wollen das medizinische Personal jetzt mit Flugzeugen der Luftwaffe an ihre Arbeitsplätze zurückfliegen. "Hier sind hunderte wenn nicht tausende Menschen, die dringend ins Krankenhaus müssen - aber niemand hilft ihnen", sagt ein Flüchtling.

Wo sind die Hilfsgüter?

Die Behörden in Neu-Delhi schickten nach Angaben des Innenministeriums zwar große Mengen Nahrungsmittel, Trinkwasser und Medizin auf die Inseln. Aber die Hilfsgüter kommen kaum über Port Blair hinaus. Dort wurden für die obdachlos gewordenen Inselbewohner acht Auffanglager eingerichtet. Auf anderen Inseln bangen die Bewohner um ihr Überleben.

"Es gibt nichts zu essen. Es gibt kein Wasser. In wenigen Tagen werden die Leute anfangen zu verhungern", sagt Anup Ghatak von der Insel Campbell Bay, der ebenfalls in Port Blair Zuflucht gesucht hat. Viele der Überlebenden, die es bis in eines der Lager geschafft haben, legten lange Fußwege durch dichte Wälder zurück, bis sie zu einem Flugplatz gelangten. "Die Leute hatten mindestens fünf Tage weder Nahrungsmittel noch Wasser", sagt der andamanische Abgeordnete im Parlament von Neu-Delhi, Manoranjan Bhakta. "Es wird eine Epidemie geben."

Wer ist zuständig?

In Port Blair harren an die 12.000 Flüchtlinge von den vielen kleineren Inseln in notdürftigen Lagern dringend benötigter Hilfe. Sie brauchen Nahrung, Trinkwasser und medizinische Versorgung. Einer von ihnen ist Biplab Das aus Nikobar: "Ich bin Diabetiker und meine Insulin-Ampullen sind alle in der Flutwelle verschwunden. Nachdem ich nach Port Blair evakuiert wurde, habe ich drei Tage nach meinen Medikamenten gesucht", berichtet der Flüchtling. Doch die Krankenhäuser sind völlig überlastet: "Wenn die Krankenschwestern und Ärzte nicht bald hier auftauchen, gibt es eine Katastrophe", fürchtet der Helfer Pankaj Vaidya. Die Seuchengefahr ist besonders groß, weil die Insulaner über nur wenig Abwehrkräfte verfügen.

Die internationale Hilfsorganisationen Oxfam und Ärzte ohne Grenzen warten noch auf eine Antwort der Regierung zu ihrem Antrag auf Einreiseerlaubnis. Zu tun gäbe es genug. Amateurfunker Sharath Babu hat von der Insel Car Nicobar gehört, dass die Bewohner noch keine Unterstützung erhalten hätten und Hunger litten. "In den südlichen Gebieten herrscht großes Leid", sagt Tarak Banerjee von der Voluntary Health Association of India. "Überall herrscht Wassermangel." Die indischen Behörden hoffen, dass die traditionelle Lebensweise der Insulaner vielen das Leben rettet. Möglicherweise habe sich ein Großteil der Vermissten in Kokosnuss-Haine retten können, erklärt Chefminister V.V. Bhat. Mit dem Kern und dem Wasser der Kokosnuss könnten sie sich am Leben halten. (arn)

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