1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Seenotrettung

Viele Flüchtlingskinder erreichen Italien

Auf Sizilien ist erneut ein Rettungsschiff mit Flüchtlingen aus Libyen angekommen. An Bord waren ungewöhnlich viele Kinder - das jüngste erst eine Woche alt. Derweil wächst die Kritik an Libyens Umgang mit Migranten.

Von den mehr als 600 Geretteten seien 40 Prozent Kinder und Jugendliche, teilte die Hilfsorganisation SOS Mediterranee mit. Als erstes wurde ein sechs Tage altes Baby im Hafen von Palermo von Bord geholt, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR twitterte.

Auf dem Boot waren 178 Minderjährige ohne erwachsene Begleitung und Familien aus Syrien. Auch elf Schwangere gehörten zu den Geretteten. Laut SOS Mediterranee berichteten die meisten Migranten von schweren Misshandlungen in Libyen. Frauen erzählten von wiederholter sexueller Gewalt und mehreren Monaten Gefangenschaft in dem Bürgerkriegsland. Viele wiesen zudem Symptome von Mangelernährung auf. Ein Jugendlicher hatte Schusswaffen- und Schnittverletzungen.

Helfer von SOS Mediterranee hatten die Menschen in sieben Einsätzen während der vergangenen 36 Stunden an Bord ihres Schiffes "Aquarius" genommen. In Videos war unter anderem zu sehen, wie Kinder auf dem Rettungsschiff Bilder von Gewalt und Folter, die sie während der Flucht erlitten, gemalt hatten. Warum so viele Kinder auf dem Schiff waren, konnte eine SOS-Sprecherin nicht sagen. Ungewöhnlich sei auch, dass verhältnismäßig viele Syrer auf der Route unterwegs waren.

Ankunft von 600 Flüchtlingen in Palermo (Foto: picture-alliance/AP Photo/Ansa/Igor Petyx)

Die Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff flohen auch vor schweren Misshandlungen in Libyen

In letzter Zeit waren in Italien wesentlich weniger Migranten aus Libyen angekommen. Grund dafür ist ein umstrittenes Abkommen der Regierung in Rom mit der libyschen Küstenwache, die Migranten in dem Bürgerkriegsland halten soll.

Heftige Vorwürfe gegen libysche Behörden

Derweil kritisierte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Rad al-Hussein, den Umgang Libyens mit Flüchtlingen. Nach seinem Besuch diese Woche in dem nordafrikanischen Land mahnte er an, die von den UN unterstützte Regierung solle die Führung übernehmen und müsse vor allem andere Lösungen als willkürliche Verhaftungen von Migranten finden.

Zuletzt strandeten 10.000 Flüchtlinge wegen schwerer Kämpfe in der Nähe von Sabratha rund 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf berichtete. Kinder hätten ihre Eltern verloren und viele Menschen hätten keine Schuhe oder Kleidung mehr. Sie kampierten unter freiem Himmel. Ärzte haben Krätze, Durchfall und Asthma festgestellt und die Menschen seien schwer traumatisiert.

Libyen ist seit dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 im Bürgerkriegschaos versunken.

vk/ww (kna, dpa)

Die Redaktion empfiehlt