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Politik & Gesellschaft

Viele Erwartungen an Franziskus

Hoffnung nach Papstwahl: Deutsche Politiker und Kirchenvertreter sehen ein starkes Signal für Hinwendung zu Armen und Schwachen. Lateinamerikas Katholizismus rückt ins Blickfeld der Deutschen.

Besonders große Freude löste die Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio an einer Jesuitenhochschule in Frankfurt am Main aus. Der neue Papst ist der Hochschule Sankt Georgen seit einem Forschungsaufenthalt vor rund 30 Jahren verbunden. "Wir waren total verblüfft", sagt Wendelin Köster, Rektor des Kollegs. Als früherer Provinzial der argentinischen Jesuitenprovinz war Bergoglio 1985 drei Monate Gast an der Hochschule.

Von deutschen Politikern und Kirchenvertretern wird die Wahl eines Lateinamerikaners zum Papst als positiver Impuls für die Weltkirche bewertet. Bundeskanzlerin Angela Merkel teilte mit, sie freue sich mit den Christen in Lateinamerika. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen sieht als gläubiger Katholik "ein starkes Signal, dass die katholische Kirche Weltkirche ist und die südliche Halbkugel stärker in den Blick rückt". Auch das Verhältnis des bisherigen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zu den Armen und seine Namenswahl lösten erfreute Reaktionen aus. Bundespräsident Joachim Gauck hebt in seinen Glückwünschen hervor, Franziskus sei durch seine "Hinwendung zu den Armen und Schwachen Vorbild für viele".

"Kirche kann von Südamerikanern lernen"

Franziskus-Fresko von Cimabue Foto: Alessandro di Meo (EPA)

Franz von Assisi: Na­mens­pa­t­ron des Papstes

Der Chef der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, erhofft sich als Protestant ökumenische Offenheit. Und selbst Linkspartei-Chef Bernd Riexinger befand über Twitter, die Namenswahl Franziskus sei ein "mutiger Bezug" und eine Botschaft im Kampf gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, indem sich der neue Papst nach dem heiligen Franziskus benennt, mache er deutlich, dass er nah bei den einfachen Menschen sein wolle. "Das ist auch ein programmatisches Zeichen für die gesamte Kirche, dass es ihr nicht um Macht, sondern um die Kraft des Glaubens geht", so Zollitsch. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen spricht sogar von einer "wunderbaren Wahl" und meint: "Es ist genau der Papst, den die Kirche heute braucht".

Unter vielen deutschen Christen weckt die Wahl des Argentiniers Hoffnungen auf Veränderungen in der Kirche. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte, offenbar hätten die im Vatikan versammelten Kardinäle erheblichen Veränderungsbedarf gesehen, sonst wäre die Wahl auf einen Kardinal aus dem Kreise der Favoriten gefallen. Er erhoffe sich von einem Papst, der nicht aus der Zentrale komme, eine neue Aufgabenverteilung zwischen Rom und den Ortskirchen. Der Chef des größten außerkirchlichen Zusammenschlusses deutscher Katholiken betonte außerdem, von der Praxis in Südamerika könne die katholische Weltkirche viel lernen, dort spielten die Laien in der Seelsorge eine wichtige Rolle.

"Missstände konsequent aufarbeiten"

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, Bundespräsident Joachim Gauck und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Grüne) Foto: Uwe Anspach (dpa)

Deutsche Gratulanten: Glück, Gauck und Kretschmann beim Katholikentag 2012 in Mannheim

Manche Erwartungen richten sich auch auf Modernisierungen wie die Einführung der Diakonenweihe für Frauen oder die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten.

Der Chef der Freien Demokraten (FDP), Philipp Rösler, sandte dem neuen Papst Glückwünsche über Twitter und schrieb, er hoffe sehr, dass die katholische Kirche die Stärke finde, um Missstände konsequent aufzuarbeiten. Rösler ist selbst engagierter Katholik.

In deutschen Zeitungen wird die Wahl des Argentiniers als "überraschend" bis "sensationell" kommentiert. Positiv bewertet werden Franziskus' Bescheidenheit und sein Engagement für die Armen. Es wird auch erwähnt, dass die Rolle Bergoglios in der Zeit der argentinischen Militärdiktatur nicht ganz geklärt sei. Von manchen werde ihm "eine gewisse Nähe zu den damaligen Machthabern" nachgesagt, heißt es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, unterstrich dagegen, Kardinal Bergoglio sei "engagiert die Aussöhnung zwischen allen gesellschaftlichen Gruppierungen Argentiniens nach den Verbrechen der Diktatur angegangen".

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