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Bücher

Viele Austritte aus dem russischen PEN-Klub

Bekannte Schriftsteller wie Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, Dichter und Journalisten haben aus Protest das russische PEN-Zentrum verlassen. Erfüllt die Organisation noch ihre Aufgabe?

Auf dem Papier ist das russische PEN-Zentrum eine unabhängige Nichtregierungsorganisation. Aber wegen der tatsächlichen Aktivitäten der Schriftstellervereinigung in den vergangenen Jahren sind die Mitglieder des Zentrums inzwischen vom Gegenteil überzeugt. Für viele der Grund für ihren Austritt. Die Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch erklärte, nach dem Willen des PEN-Klubs sollten "Schriftsteller still sein und schreiben" und "die Stiefel der Staatsmacht lecken". Lange habe man sie gebeten, den Klub nicht zu verlassen. Sie sei der Organisation treu geblieben, in der Hoffnung, "in diesem Kampf standhalten zu können", und dass die "dunkle Seite" nicht siegen wird. "Aber das ist nicht gelungen", so Alexijewitsch.

Ausschluss von Sergej Parchomenko durch den PEN-Klub

Sergej Parchomenko in Moskau im November 2014 (Foto: imago/ITAR-TASS)

Sergej Parchomenko (2014)

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war für Alexijewitsch und viele ihrer Kollegen der jüngste Ausschluss des Journalisten Sergej Parchomenko aus dem russischen PEN-Zentrum Ende Dezember 2016. Parchomenko hat das Netzwerk "Dissernet" mitbegründet, dem russische, aber auch ausländische Wissenschaftler verschiedener Bereiche sowie Journalisten, Aktivisten der Zivilgesellschaft und Freiwillige angehören. "Dissernet" begutachtet Dissertationen, die an russischen Bildungseinrichtungen geschrieben wurden. Die Entscheidung, Parchomenko aus dem PEN-Klub zu werfen, hatte der Vorstand getroffen, mit der Begründung, Parchomenko habe mit "provokanten Aktionen und Äußerungen die Ehre und Würde der Organisation verletzt".

Parchomenko selbst schrieb auf seiner Facebook-Seite, Grund für den Rausschmiss sei in Wirklichkeit ein anderer. Er habe dem russischen PEN-Zentrum öffentlich vorgeworfen, sich blamiert zu haben, als dessen Leitung sich von Aktionen distanziert habe, mit denen der in Russland inhaftierte ukrainische Regisseur Oleg Senzow unterstützt werden sollte.

PEN-Mitglieder unterstützen inhaftierten Regisseur Oleg Senzow

Mitglieder des russischen PEN-Zentrums hatten Ende Dezember 2016 an den russischen Präsidenten Wladimir Putin appelliert, Senzow zu begnadigen. Er wurde im Jahr 2014 auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen und im August 2015 wegen der "Bildung einer terroristischen Vereinigung auf der Krim" zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Zuvor hatte Senzow die Krim-Annexion kritisiert. Mehr als 60 Personen unterzeichneten den Appell an Putin.

Die Pressestelle des PEN-Zentrums teilte daraufhin mit, der Appell sei lediglich eine Aktion "liberaler Oppositioneller", die mit dem Vorstand und dem Präsidenten der Organisation in Konflikt stünden: "Wir haben Wladimir Putin nichts geschrieben. Der Vorstand und der Präsident des PEN-Zentrums sind daran nicht beteiligt. Das geht nicht auf unsere Initiative zurück." Für eine Freilassung Senzows setzten sich inzwischen auch der bekannte russische Regisseur und Drehbuchautor Alexander Sokurow, der US-amerikanische Schauspieler Johnny Depp und der spanische Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor Pedro Almodóvar ein.

Vorwürfe gegen den Vorstand

Gleich nach dem Rausschmiss Parchomenkos verließen auch die russischen Schriftsteller Boris Akunin und Alexander Ilitschewski sowie der russische Dichter, Schriftsteller und Essayist Lew Rubinstein den PEN-Klub. In einer Erklärung an den Vorstand und die Mitglieder der Organisation, stellt Rubinstein fest, dass es innerhalb des PEN-Zentrums zu einer Spaltung gekommen ist.

Der russische Schriftsteller Lew Rubinstein (Foto: DW/E.Ibragimova)

Lew Rubinstein

"Aufgabe des PEN-Zentrums ist eigentlich, Kollegen zu unterstützen, die wegen ihrer Äußerungen verfolgt werden. Ich bin dem PEN-Zentrum ungefähr 1992 beigetreten. In den 90er Jahren war es sehr aktiv. Das PEN-Zentrum half ständig Menschen vor Gericht, egal welcher politischer Überzeugung", sagte Rubinstein im Gespräch mit der DW. Doch später habe sich das geändert. Der PEN-Klub habe sich nicht mehr den Herausforderungen der Zeit gestellt. "Ich kam immer wieder zum PEN-Klub und sagte: Schaut, da ist jemand verhaftet worden, da läuft gegen jemanden ein Verfahren. Wir müssen etwas unternehmen", berichtete Rubinstein. Doch als Antwort habe er immer bekommen, man müsse darüber "nachdenken".

PEN-Zentrum: Keine Spaltung

Der Präsident des russischen PEN-Zentrums, Schriftsteller Jewgeni Popow, sagte der Agentur Interfax: "In der Organisation gibt es keine Spaltung". Das russische PEN-Zentrum habe selbst nach den einzelnen Austritten über 400 Mitglieder, und dem Journalisten Parchomenko ginge es bei der ganzen Aktion mit Oleg Senzow nur um eigene PR-Ziele. "Wir vertreten die Interessen aller, die unseren Schutz brauchen, unabhängig von deren politischen Meinungen, Nationalitäten. Parchomenko ist kein Schriftsteller. Ein Schriftsteller hätte keine Zeit, sich mit Skandalen zu beschäftigen", meint Jewgeni Popow.

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