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Deutschland

Viel Schnee, kein Retter

Das Berliner Schneechaos vom letzten Winter wiederholt sich und Bürgermeister Klaus Wowereit macht wieder keine gute Figur. Dabei hätte der Schnee vielleicht sogar sein Wahlkampfhelfer sein können.

Fernschreiber Beröin (Grafik: DW)

Seit Ende November liegt Berlin unter einer weißen Schneedecke, die immer mal wieder aufgefrischt wurde, zuletzt aber ins Schmutzige tendiert. Auf den Gehwegen sorgten Eis und Matsch wie im letzten Jahr für drollige Stolper- und Rutscheinlagen der Passanten. Die Räumfirmen räumten nicht, sondern stritten mit dem Senat über die Bezahlung. Die S-Bahn fuhr verspätet oder gar nicht oder mit weniger Wagen, wodurch sich immerhin kurz vor Weihnachten viele Fahrgäste näher kamen.

Bernd Gräßler (Foto: DW)

Bernd Gräßler, Hauptstadtstudio Berlin

Ein paar Flöckchen mehr könnten Berlins Regierenden Bürgermeister Wowereit im bevorstehenden Wahlkampf nützen, hatte zu Beginn der weißen Pracht ein Hamburger Nachrichtenmagazin noch vermutet: Schließlich kämen erfolgreiche Krisenmanager beim Wähler gut an.

Doch mit großer Fairness hat Klaus Wowereit der Versuchung widerstanden, sich im Flockenwirbel allzu sehr in den Vordergrund zu spielen. Man könnte sogar sagen: Er ist in selbigem abgetaucht. Die wenigen Eindrücke, die der Regierende Bürgermeister wahrscheinlich im Fond seines Dienstwagens sammelte und in Interviews wiedergab, lassen sich so zusammenfassen: Eigentlich läuft es doch ganz gut, naja, ein paar Schwierigkeiten gibt es schon. Aber irgendwann wird ja wieder Frühling.

Schon im Vorjahr, als sich Hunderte Berliner und Gäste auf vereisten Gehwegen die Knochen brachen, reagierte Wowereit auf die Frage, ob man nicht das Technische Hilfswerk um Hilfe bitten sollte, mit dem legendären Ausspruch: "Wir sind hier schließlich nicht auf Haiti." Wobei er sich immerhin den Nachsatz "Und das ist auch gut so" verkniff.

Wowereits schnoddrige Gelassenheit - der Ausdruck "Abgestumpftheit" verbietet sich angesichts der zeitweise spiegelglatten Gehwege - wird im kommenden Wahlkampf allerdings auf eine harte Probe gestellt werden. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, deren Partei in Umfragen beinahe gleichauf mit den Sozialdemokraten liegt, gilt als Energiebündel. Gut vorstellbar, dass eine Regierende Bürgermeisterin Künast, statt bloß mehr Bürgersinn beim Schneeräumen zu fordern, selbst zur Schaufel greifen würde, um mit leuchtendem Beispiel voranzugehen. Während Klaus Wowereit - Spitzname "Regierender Partymeister" - wieder viel mehr Zeit für die angenehmen Seiten des Lebens hätte.

Autor: Bernd Gräßler
Redaktion: Kay-Alexander Scholz