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Wirtschaft

Viel Kohle fällig für den Koks

Lange Jahre war Kohle auf dem Weltmarkt billig und im Übermaß zu haben. Doch inzwischen haben sich Angebot und Nachfrage stark verschoben: Kokskohle ist knapp und teuer geworden.

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Kohleabbau in China statt Europa

Ohne Koks gibt es kein Eisen, ohne Eisen keinen Stahl. Und ohne Stahl ist eine moderne Volkswirtschaft nicht denkbar. Stahl ist eine der unerlässlichen Grundlagen der Industrialisierung. In Zeiten eines starken Wachstums der Weltwirtschaft werden Koks und Stahl fast zwangsläufig zur Mangelware. "Wir haben zur Zeit ein weltwirtschaftliches Wachstum, was so hoch wie schon lange nicht mehr ist", sagt Gernot Klepper, Rohstoffexperte vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. "Das führt dazu, dass kurz- und mittelfristig die Rohstoffpreise steigen."

Dumm gelaufen

Der weltweit größte Koks-Lieferant, China, exportiert den wichtigen Rohstoff immer weniger, sondern setzt immer mehr davon zur Steigerung der eigenen Stahlproduktion ein. Da trotz weltweit steigendem Bedarf in Europa seit Jahren eine Kokerei nach der anderen geschlossen wird, herrscht Mangel. Die Stahlerzeugung bleibt ebenfalls hinter dem Bedarf zurück. Deshalb ist der Stahlpreis innerhalb eines Jahres um bis zu 50 Prozent gestiegen.

1998 beschloss die deutsche Stahlindustrie, die jährliche Prämie für die Versorgungssicherheit von 500 Millionen Euro einzusparen und sich auf Importe zu verlassen. Die eigenen Kapazitäten wurden abgebaut - darunter die einst modernste Kokerei Europas, die Kokerei Kaiserstuhl in Dortmund. Sie wurde pikanterweise nach China verkauft. Allein der Ruhrkohle-Konzern hat eine Kokereikapazität von 3,5 Millionen Tonnen pro Jahr stillgelegt: Das ist genau die Menge, die heute von den deutschen Stahlkonzernen importiert wird.

Kostenexplosion

Kostete die Tonne Importkoks vor zwei Jahren noch 70 Dollar, so müssen die Stahlkonzerne dafür mittlerweile bis zu 500 Dollar zahlen - wenn sie denn überhaupt Koks in der geforderten Qualität und im nötigen Umfang ergattern können. Doch nicht nur die Stahlwerke haben bei ihrem wichtigen Brennstoff Koks Nachschubprobleme, auch die Kokskohle, der Rohstoff der Kokereien, ist knapp und teuer geworden. Allein im letzten Halbjahr hat sich der Preis für Kokskohle im internationalen Handel auf 120 Dollar pro Tonne verdoppelt. Denn um seinen ungeheuren Energiebedarf zu decken, hat China nicht nur die Koksexporte gedrosselt, sondern tritt in zunehmendem Maße als Konkurrent beim Kauf von Kokskohle auf.

Heimischer Koks billiger

Der heimische Koks aus den verbliebenen Kokereien ist aufgrund langfristiger Lieferverträge nach wie vor billig. Doch außerhalb langfristiger Bindungen liefern auch die deutschen Kokereien nur zum teuren Spotmarktpreis - und machen damit glänzende Geschäfte. Kein Wunder, dass im Ruhrgebiet bereits erwogen wird, in einem Gemeinschaftsprojekt der Kohle- und Stahlindustrie eine neue Kokerei zu bauen. Dass bereits geschlossene Zechen im Ruhrgebiet wieder die Förderung aufnehmen werden, ist dagegen eher unwahrscheinlich. "Wir haben riesige Kohlevorkommen in der ganzen Welt, die leichter abbaubar sind, als die deutschen Vorkommen", so Gernot Klepper, Rohstoffexperte vom Institut für Weltwirtschaft.

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