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Kultur

Viel im Angebot – das Kulturjahr 2012

Kinofans warten auf den neuen James Bond, Kunstfreunde pilgern zur 13. Documenta, Leseratten freuen sich auf literarischen Nachschub. Das Kulturjahr 2012 hält viele Höhepunkte bereit.

Friedrich der Große, der "Alte Fritz", fand, dass jeder nach seiner Facon selig werden solle. Der Geburtstag des Preußenkönigs, der neben der Politik und dem militärischen Drill vor allem seine Querflöte liebte, jährt sich zum 300. Mal – gefeiert wird im Bundesland Brandenburg das ganze Jahr. Auch ein anderer berühmt-berüchtigter Zeitgenosse kommt zu neuen Ehren. Er saß allerdings wegen Hochstapelei mehrere Jahre hinter Gittern: der Schriftsteller Karl May, ein phantasievoller Mann – aber: Hat er nun seine Geschichten selbst erlebt, wie er behauptete, oder nicht? Das spielt eigentlich keine Rolle. Mit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern ist der Vater von "Winnetou" und "Old Shatterhand" der meistgelesene Schriftsteller deutscher Sprache. Sein Todestag jährt sich zum 100. Mal – für manch einen vielleicht Gelegenheit, ihm im Karl-May-Museum Radebeul posthum seine Aufwartung zu machen.

Zeitgenössische Kunst und Investment

Das erste Kunstwerk der documenta 13 (Foto: dpa)

Das erste Kunstwerk der documenta 13

In Kassel öffnet nach fünf Jahren die Documenta wieder ihre Pforten. Zum 13. Mal zeigt die Ausstellung, die als die bedeutendste Schau für zeitgenössische Kunst gilt, Objekte, Installationen und Performances von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Das diesjährige Motto: "Zusammenbruch und Wiederaufbau". 100 Künstler sind eingeladen, ihre Namen werden, so will es die Tradition, geheim gehalten. Drei allerdings sind dennoch bekannt geworden: dabei sind der Italiener Giuseppe Penone, der schon in früheren Jahren mit Exponaten in Kassel vertreten war, der US-amerikanische Bildhauer und Stadtplaner Theaster Gates und der Südafrikaner William Kentridge, der in Johannesburg lebt.

Ein undatiertes Foto zeigt das Gemälde 'Gudrun' (1987) des deutschen Künstlers Gerhard Richter (Foto: dapd)

Das Gemälde "Gudrun" von Gerhard Richter wurde für 54 Millionen Euro ersteigert

Das wachsende Interesse an moderner Kunst treibt allerdings auch die Preise in die Höhe. "So absurd wie die Bankenkrise" findet sogar der Künstler Gerhard Richter die Summen, die seine eigenen Bilder erzielen. Millionenbeträge im zweistelligen Bereich sind derzeit durchaus üblich, wenn ein "Richter" auf Auktionen den Besitzer wechselt. Solche Beträge stünden eigentlich in keinem Verhältnis mehr zu einem Stück Leinwand, sondern seien ein Beleg für Spekulationen, so der Künstler, der im Februar seinen achtzigsten Geburtstag feiert. "Die Werke werden nicht mehr ausgestellt, sondern gehen ins Lager – als sichere Kapitalanlage, ähnlich einer Rolex-Uhr oder einem Porsche", erläutert Markus Eisenbeis, Inhaber eines Kölner Auktionshauses. Der Boom für zeitgenössische Kunst auf dem Markt ist ungebrochen – und die Jagd nach "frischer Ware" öffnet einer anderen Branche Tür und Tor: Kunstfälscherskandale haben nicht nur für riesige Blamagen der Kunstwelt, sondern vor allem auch für horrende Schäden gesorgt – und ständig geraten neue Werke unbekannter Herkunft ins Visier von Ermittlern.

Oscarfavoriten und Fortsetzungskönige

George Clooney (Foto: dapd)

George Clooney

Filmische Großereignisse werden auch 2012 wieder Zuschauer in Scharen ins Kino locken. Den Auftakt macht die Berlinale im Februar. Dann folgen neue Großprojekte, allen voran "Der Hobbit", das neue Projekt von Oscar-Preisträger Peter Jackson, in dem er wohl ähnlich wie in seiner Trilogie "Der Herr der Ringe" Spannung und Dramatik mit spektakulären Effekten bieten wird. Dazu kommen "The Descendants" mit George Clooney und ein neuer "Spiderman". Auch James-Bond-Fans kommen auf ihre Kosten: "Skyfall" heißt der neue Film, natürlich wieder mit Daniel Craig als 007. Und auch deutsche Filmemacher arbeiten an interessanten Stoffen: Regisseur Helmut Dietl dreht mit Michael Herbig "Zettl", eine Nachfolgeproduktion der erfolgreichen Serie "Kir Royal". Matthias Schweighöfer, einer der bekanntesten jüngeren Schauspieler, übernimmt die Titelrolle in der Verfilmung eines Erfolgsromans: Er spielt in "Russendisko" von Bestsellerautor Wladimir Kaminer einen Russen, der kurz nach dem Mauerfall nach Berlin kommt und dort ein neues Leben beginnt.

Geschichten aus der Gegenwart

Jörg Kachelmann (Foto: dapd)

Jörg Kachelmann

"Der Alltag spielt wieder eine große Rolle", verrät Andreas Erb, Literaturwissenschaftler an der Uni Duisburg, über das Literaturjahr 2012. Je komplexer die Realität, desto größer sei die Sehnsucht nach Geschichten, die man begreifen könne. In den Mittelpunkt rücken die Probleme unserer Zeit: die Schuldenkrise, die Occupy-Bewegung oder die Castor-Proteste. "Es gibt eine Tendenz zur Schilderung des Moments", sagt Tanja Postpischil vom Suhrkamp-Verlag, da sei viel "Jetziges" dabei. Am besten verkaufen sich immer noch Bücher von berühmten Zeitgenossen - Politikern und Promis. Der ehemalige Wettermoderator Jörg Kachelmann, der wegen einer angeblichen Vergewaltigung vor Gericht stand und seinen Prozess gewann, will seine im Gefängnis niedergeschriebenen Erlebnisse Anfang des Jahres in seinem Buch "Mannheim" veröffentlichen. Und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ist in ihrem Buch der Ansicht: "Danke, emanzipiert sind wir selber."

Denkmal Friedrich der Große (Foto: Fotolia)

Friedrich der Große

Jubiläen und Gedenktage sind der Anlass für neue Biografien – Friedrich der Große ist auch hier der Renner. Und weil der Brite Charles Dickens jetzt 200 Jahre alt würde, gibt es Neuauflagen seiner Werke. Im März dann ist literarischer Aufgalopp bei der Leipziger Buchmesse. Ein Lesefest, bei dem man auch mit einem neu konzipierten Bereich zum Thema Bildung punkten will. Die Frankfurter Buchmesse hat im Oktober Neuseeland zu Gast. Der Ehrengast stellt sich unter dem Motto vor: "Bevor es bei Euch hell wird."

Querdenker hinter den Kulissen

Festspielhaus in Bayreuth (Foto: dapd)

Festspielhaus in Bayreuth

Turbulenzen sind auf dem Grünen Hügel in Bayreuth ja nichts Neues. Aber dass man gerade jetzt – im Vorfeld des Jubiläumsjahres 2013, in dem der 200. Geburtstag von Richard Wagner gebührend gefeiert werden soll – Besuch vom Staatsanwalt erhält und der Bundesrechnungshof Schwierigkeiten macht, ist dann doch unerfreulich. Der Grund: die Kartenvergabe wird heftig kritisiert. Angeblich gelangen zu wenige Tickets in den freien Verkauf, zu viele Karten werden entweder als Freikarten oder feste Kontingente an Sponsoren und Prominente vergeben – und das, obwohl fast die Hälfte der Festspielfinanzierung aus Bundes- und Landesmitteln stammt. Und: Die für 2013 geplante Neuinszenierung der "Ring"-Tetralogie erweist sich als schwierig. Der hoch gehandelte Filmregisseur Wim Wenders hat abgesagt. Jetzt hat man sich für den Intendanten der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, entschieden – ein Querdenker und Provokateur ohne Opernerfahrung. Das beim Publikum erfolgreiche Public Viewing – die öffentliche Übertragung der Vorstellungen - ist unterdessen in Frage gestellt. Hauptsponsor Siemens hat sein Engagement beendet. Wolken über Bayreuth.

Gebläsehalle Landschaftspark Duisburg-Nord (Foto: Annette Jonak / Anne Lochmann)

Gebläsehalle Landschaftspark Duisburg-Nord

Erfreulicher sieht es da in Salzburg aus. Länger und exklusiver sollen die Festspiele in der ersten Saison unter dem neuen Intendanten Alexander Pereira werden. Ein neuer Schwerpunkt ist der geistlichen Musik gewidmet. Und bei der Ruhrtriennale, dem internationalen Fest für Musik, Theater, Literatur und Tanz, steht ein Intendantenwechsel an, der Innovation und spannende Projekte verspricht: Der Komponist und Theatermacher Heiner Goebbels übernimmt die Leitung des Festivals. Im Zentrum stehen Produktionen im Dialog mit den besonderen Spielstätten der Region: Man spielt in ehemaligen Maschinenhallen und Kokereien des Ruhrgebiets.

Autorin: Gudrun Stegen
Redaktion: Cornelia Rabitz / Ba