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Europa

Viel Holz vor der lettischen Hütte

Lettland besteht zur Hälfte aus Wald – das will sich das Land im Baltikum zu Nutze machen. Um unabhängig zu werden von den Energielieferungen großer Nachbarn, setzt Lettland zunehmend auf Holzpellets.

Lettische Schweiz, Quelle: transit

Wälder im Gauja Nationalpark - auch Lettische Schweiz genannt

Mitten im Wald hat Maris Kiezis sein Sägewerk aufgebaut, ganz in der Nähe der lettischen Kleinstadt Tukums. Vor der großen Lagerhalle wartet ein Laster auf seine Ladung. Neben den Stapeln frisch gesägter Bretter steht einer der vielen Häcksler, der Baumrinden und Äste zu Holzchips schreddert. Aus diesem Rohstoff werden bei Maris Kiezis tonnenweise Holzpellets gepresst. "Früher war das Abfall, den wir einfach im Wald gesammelt und verbrannt haben. Aber heute ist das bares Geld wert, denn ich kann die Holzpellets an unser Wärmekraftwerk und ins Ausland verkaufen", sagt Maris Kiezis.

Billigere Energie

Eine gute halbe Autostunde von der Sägerei entfernt liegt das große Wärmekraftwerk von Tukums. Es wurde im Sozialismus gegründet und versorgt noch heute 10 000 Haushalte der Region mit Heizungsenergie und Warmwasser. Damals sei hier allerdings nur Erdöl aus Russland verbrannt worden, erzählt der Leiter Juris Kanzans.

Ein Mitarbeiter des Sägewerks Dold in Buchenbach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) hält Holzpellets in seinen Händen (Archivfoto 2005), Quelle: picture-alliance, dpa-Bildfunk

Holzpellets aus gepressten Holzabfällen - bei steigenden Ölpreisen wird das Heizen mit Holz immer beliebter

Vor fünf Jahren habe er endlich den Bau eines neuen Brennofens für Holzpellets durchgesetzt. "Es geht um Energiesicherheit. Die Weltmarktpreise für Rohöl können plötzlich steigen oder Lieferungen werden aus politischen Gründen gestoppt", so Juris Kanzans. Egal ob das Öl aus Russland oder aus anderen Staaten bezogen werde, es sei zu gefährlich, nur von einem Rohstoff abhängig zu sein. "Jetzt können wir auch Holzpellets verbrennen. Und weil diese viel billiger sind, haben wir sogar unsere Preise für die Wärmeversorgung gesenkt", erläutert Juris Kanzans.

Lettland will nicht mehr erpressbar sein

Seit Lettland 1991 Moskau den Rücken gekehrt hat, will sich das baltische Land auch von der Abhängigkeit vom russischen Erdöl und Erdgas befreien, um nicht politisch erpressbar zu sein. Deshalb regte die lettische Regierung den Ausbau der kleinen Wasserkraftwerke an und bot für jede produzierte Kilowattstunde den doppelten Vergütungstarif. Mittlerweile sind 149 Kraftwerke in Betrieb, die zwei Prozent des lettischen Strombedarfs decken. Nicht genug, meint der Umweltexperte Valdis Bisters. Die "Kleine Wasserkraft" sei völlig überschätzt worden, weil man scharfe Umweltauflagen wie Fischwege nicht bedacht hatte.

Valdis Bisters entwirft im lettischen Umweltministerium Strategien für eine rentable Energiepolitik: "Mit moderner Technologie könnten wir die Produktivität der kleinen Wasserkraftwerke noch um 20 Prozent erhöhen, aber wir sehen unser großes Potential eher in der Biomasse, Holzchips und Palletts." Brüssel verlange jetzt, dass Lettland 40 Prozent seines Endverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewinne. "Da spielen plötzlich die Wärmekraftwerke eine große Rolle. Wir könnten überall in der Provinz Biomasse einsetzen, das würde auch Arbeitsplätze schaffen und uns Energiesicherheit garantieren", sagt Bisters.

Blick auf die lettische Hauptstadt Riga vom Fluss Daugava, Archivbild 2004, Quelle: AP

Der Fluss Daugava in der Hauptstadt Riga - auch Wasserkraft ist in Lettland beliebt

Große Nachfrage sorgt für Engpässe

Wer große Mengen Holz verbrennen will, der muss aber auch wissen, was mit den Rückständen geschieht. Deshalb wird am lettischen Forstinstitut untersucht, wie Pflanzen und Grundwasser reagieren, wenn Asche auf dem Waldboden verstreut wird. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Biomasse eine große Zukunft in Lettland hat. Deshalb zahlt die Regierung jetzt sogar höhere Tarife für Strom und Wärmegewinnung aus erneuerbarer Energie.

Trotzdem sieht sich der Leiter des Heizkraftwerkes in Tukums noch mit Problemen konfrontiert. Obwohl überall in den Wäldern rund um die Kleinstadt Holzpelletts hergestellt werden, hat Juris Kanzans auch schon Engpässe erlebt: "Die Holzpellets werden vor allem nach Schweden, Deutschland und bis Süditalien exportiert, weil die Preise dort doppelt so hoch sind wie in Lettland. Deshalb arbeite ich jetzt mit meinen Lieferanten nur noch auf Vertragsbasis."

Finanzielle Unterstützung aus Brüssel

Allerdings hätten soeben erste Papierfabriken aus Schweden die Holzbestellungen storniert, weil sie ihre Papierproduktion nach Südamerika verlegt hätten. Gute Gelegenheit für weitere Wärmekraftwerke und Privathaushalte in Lettland, auch auf Holzpellets umzustellen, frohlocken Umweltschützer.

Der Sägewerkbetreiber Maris Kiezis ist froh, weil er so oder so die richtige Entscheidung getroffen hat, seine Tischlerei aufzugeben und sich voll auf die Herstellung von Holzpellets zu konzentrieren: "Sogar meine Kredite für die teure Technik sind längst getilgt, weil Brüssel mir aus europäischen Strukturfonds die Hälfte zurückgegeben hat."

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