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Politik & Gesellschaft

Viel heiße Luft um 3D-Fernsehen

Es war das Thema des vergangenen Jahres auf der IFA: 3D-Fernsehen. Der Hype hat sich etwas abgeflaut. Es fehlt vor allem noch an Inhalten. Dafür geht jetzt ohne Internet im Fernsehen nichts mehr.

3D-Fernseher, Bildschirm mit Blume (Foto: Arne Lichtenberg/DW)

3D gucken, mit oder ohne Brille

Wenn sich der Zuschauer auf dem Sofa zurücklehnt und den Fernseher anschaltet, dann hat er schon die Qual der Wahl. Nicht nur, dass er zwischen vielen Fernsehkanälen wählen kann, heute ist der Fernseher längst auch online. In den nächsten Jahren sollen 50 Prozent der Fernseher in Deutschland internetfähig sein. Schnell die Börsenkurse abrufen, die Verkehrslage auf den Straßen überprüfen und mal sehen, wie das Wetter ist, für viele ist das schon jetzt keine Utopie mehr. Doch für die meisten sind das nette Spielereien. Interessanter sind vor allem die Mediatheken vieler TV-Sender, die online auf dem Bildschirm abrufbar sind - verpasste Sendungen können so noch einmal zeitversetzt angeschaut werden.

Nicht jeden neuen Trend mitgehen

Dr. Norbert Kotzbauer (Foto: Arne Lichtenberg/DW)

Nobert Kotzbauer: "3D braucht noch ein paar Jahre"

Metz, ein traditionsbewusster Fernsehhersteller aus Franken, der ausschließlich in Deutschland produziert, geht nicht jeden neuen Trend mit, hat aber auch in diesem Jahr sein Metz Media System eingeführt, mit dem der Fernseher ans Internet angeschlossen ist. Allerdings wolle man eher die Dienste umsetzen, die auch schon von den Sendern angeboten werden, wie die Mediatheken. Den Pizzadienst via Internet auf dem Fernseher bestellen? "Ich glaube, dafür kann man auch sehr schnell noch zum Telefon greifen", sagt Norbert Kotzbauer, Geschäftsführer von Metz und lacht auf.

Auf den 3D-Zug ist sein Unternehmen in diesem Jahr dann doch aufgesprungen, nachdem es von Kritikern schon gescholten wurde, zu spät zu reagieren. Aber auch bei dieser Technologie bleibt man noch etwas skeptisch. Man müsse 3D noch ein, zwei Jahre Zeit geben, erklärt der Franke. "Es fehlt noch teilweise an Content. 3D wird mit Sicherheit dann ein Hype werden, wenn lineares Fernsehen auch über 3D möglich ist. Aber das wissen wir alle, das wird Zeit brauchen".

Sport als Zugpferd

Smart TV - der Fernseher als Multimedia-Station(Foto: Arne Lichtenberg/DW)

Smart TV - der Fernseher verschmilzt zur Multimedia-Station

Beim japanischen Hersteller Sharp wirft schon die Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr ihren Schatten voraus. Mit extra großen Fernsehern und toller Bildqualität will man den Zuschauern das Stadionerlebnis in die eigenen vier Wände bringen, wohl auch wissend, dass große Sportereignisse immer einen Absatzschub für die Branche bedeuten können. Das Thema 3D sieht man allerdings auch im Hause Sharp noch vorsichtig optimistisch. Zwar wollen viele Konsumenten schon 3D-fähige Fernseher haben, aber es gebe halt noch kein regelmäßiges Nutzen, betont Philipp Schmidt, Produktmanager von Sharp. Auch mit den Brillen sei das noch immer etwas ungewohnt für den Zuschauer. "Wie viele Inhalte gibt es schon in 3D? Man kann nicht einfach den Fernseher anschalten und dann mal 3D schauen. Man muss schon einen gewissen Aufwand betreiben", sagt Schmidt.

Doch nicht nur die noch fehlenden Inhalte sieht der Produktmanager als Hemmnis für die Nutzung von 3D-Fernsehern - sondern eben auch die bislang erforderlichen Brillen. "Konkurrenten zeigen ja schon 3D ohne Brille, obwohl sie genau wissen, dass das nicht marktfähig ist oder viel zu teuer". Auch qualitativ sei der Fernsehgenuss ohne Brille noch zu schlecht, entgegnet Schmidt. "Ich glaube, das verunsichert auch die Konsumenten".

Toshiba will Vorreiter sein

Eine Frau vor dem Toshiba ZL2 (Foto: Arne Lichtenberg/DW)

Toshiba präsentiert den ZL2: 3D ohne Brille

Mit seiner Kritik zielt Schmidt vor allem auf Toshiba ab. Die Konkurrenten - ebenfalls aus Japan - präsentierten auf der IFA ihre Weltneuheit: Den ersten 3D-Fernseher, der ohne Brille funktioniert. Er wird schon zum 1. Dezember in den Läden stehen. "Sie können ganz sicher sein, dass Toshiba niemals ein Produkt in den Markt bringen würde, was keine gute Qualität hat", wehrt Sascha Lange, der Marketingleiter von Toshiba, jegliche Kritik ab. Zwar hätte es einige Hürden zu überwinden gegeben, aber das hätte man geschafft, sagt Lange.

Der Fernseher soll die stolze Summe von 8000 Euro kosten. Eine mutige Investition für den Verbraucher, wenn es derzeit nur so wenige Filme mit 3D-Inhalten auf dem Markt gibt. Die große 3D-Revolution scheint in deutschen Wohnzimmern wohl erst einmal vertagt zu werden.

Fernsehen auf dem Smartphone weiterschauen

Smart-View-App (Foto: Arne Lichtenberg/DW)

Smart-View-App - Fernsehen überall

Dafür könnte eine andere Revolution kommen. Um den Kampf um die Fernbedienung in den Familien zu vermeiden, hat der koreanische Hersteller Samsung auf der IFA seine Smart-View-App präsentiert. Die Zuschauer können dann mit Hilfe der App ihr Fernsehprogramm auf ihrem Smartphone oder Tablet-PC weiterschauen und damit in die Küche oder auf den Balkon entschwinden. Und auf dem Fernseher kann jemand anderes sein gewünschtes Programm wählen – ohne Streit und Zwist.

Das alles wird aber nicht dreidimensional zu sehen sein. Egal ob mit Brille oder nicht.

Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Pia Gram

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