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Asien

"Viel größeres Interesse der Europäer"

Im Mittelpunkt der Europareise vom Irans Präsident Hassan Rohani steht die Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen nach der Aufhebung der Sanktionen. Europas Interesse daran sei noch größer, sagt Mehrdad Emadi.

Deutsche Welle: Präsident Rohani spricht von einem jährlichen Investitionsbedarf nach dem Ende der Sanktionen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar. Kann dieser Bedarf von der EU gedeckt werden?

Mehrdad Emadi: Unsere ursprüngliche Erwartung war, dass sich das Handelsvolumen zwischen dem Iran und der EU innerhalb von vier Jahren vervierfachen würde. Aber eine Woche nach dem "Implementation Day" (Aufhebung der auf das Atomprogramm bezogenen Sanktionen, Anm. d. Red.) und mit Rückblick auf alle Gespräche, die der Iran mit Ländern der Europäischen Union geführt hat, sieht die Situation ziemlich anders aus.

Es wurde uns klar, dass es ein viel größeres Interesse seitens der Europäer an Geschäften mit dem Iran gibt, als wir noch vor einer Woche geschätzt hatten. Wir erwarten sogar ein sechs Mal so hohes Handelsvolumen in den nächsten vier Jahren. Um zu ihrer Frage zurückzukommen: Wir haben deutliche Signale von Ländern der Europäischen Union bekommen und sind ziemlich sicher, dass wir 50 Milliarden Dollar an Investitionen jährlich erreichen können.

Wirtschaftsexperte Mehrdad Emadi (Foto: chera gheazadi)

Wirtschaftsexperte Mehrdad Emadi

Iran will sowohl seine Öl- und Gas-Produktion als auch seine sonstige industrielle Produktion wiederbeleben. Andererseits wird die Instabilität in der Region als Hindernis für langfristige Investitionsplanungen genannt. Deshalb würden EU-Länder eher versuchen, mehr Konsumgütern in den Iran zu exportieren.

Das stimmt. Für die iranische Wirtschaft besteht die Gefahr, von Importen abhängig zu werden, wenn diese Verträge zustande kommen sollten. Ich würde aber gerne zwei Punkte hervorheben. Erstens, die Ölförderung bleibt national. Das Land ist in der Lage, das Öl zu fördern, aber für die Veredelung fehlt uns der Zugang zu neuen Technologien. Deshalb ist der Iran für europäische Investitionen in diesem Sektor offen.

Zweitens, bei Investitionen in Branchen wie Werkzeuge oder Maschinen halten die Europäer sich stark zurück. In Großbritannien bereiten die iranisch-saudischen Beziehungen große Sorgen. Deutsche und spanische Unternehmen zeigen nach unserer Einschätzung mehr Bereitschaft zu solchen Investitionen. Aber es stimmt: Wenn die Unsicherheit in der Region größer wird und wenn sich die regionalen Spannungen verstärken, wird es solche Verträge nicht geben.

Am Samstag war der chinesische Präsident Xi Jinping im Iran. China ist der größte Konkurrent der EU auf dem iranischen Markt. China war in den vergangenen sechs Jahren der größte Handelspartner des Irans. Wie beeinflusst die chinesische Präsenz die Geschäftsbeziehungen der europäischen Länder mit dem Iran?

Eine Raffinerie im Iran (Foto: AP)

Eine Raffinerie im Iran

Wir haben vor mehr als zehn Jahren Verträge im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar mit China unterschrieben. Wir dürfen natürlich nicht aus diesen Verträgen aussteigen. Eine Sache, die wir außerdem nicht ignorieren können, ist, dass China, trotz abflauendem Wachstum, die zweitgrößte Wirtschaftswirtschaft der Welt ist. Die größte Nachfrage für Irans Bodenschätze kommt weiterhin aus China. Solange transparente Verträge im fairen Wettbewerb mit anderen Akteuren auf dem Markt geschlossen werden, gibt es aus meiner Sicht kein Problem.

Bei meinen Gesprächen mit Delegationen aus China wurde mir klar, dass die Chinesen vor allem verstärkt mit Konsumgütern auf den iranischen Markt kommen wollen. Das macht mir Sorgen, weil die Qualität der chinesischen Produkte, die in den Iran exportiert werden, sehr schlecht ist. Nehmen Sie zum Beispiel Küchenregale. China hat mit Produkten, die halb so teuer sind wie die im Iran hergestellten, den Markt überflutet. Obwohl diese Produkte keine fortschrittlichen Technologien beinhalten, haben Beschwerden und Reklamationen in den vergangenen drei Jahren sprunghaft zugenommen.

Die Rolle, die China auf dem iranischen Markt spielt, ist zu dominant. Das ist für den Iran nicht gut. Wir wollen, dass China im Wettbewerb mit anderen Akteuren die gleiche Qualität in den Iran liefert wie nach Europa. Das haben wir bisher nicht geschafft.

Was soll die EU machen, um den an China verlorenen Platz zurückzugewinnen?

Iran braucht dringend Kredite. Die EU-Länder beziehungsweise ihre Zentralbanken können diesen Prozess beschleunigen. Zum Beispiel kann eine Kreditzusage in Deutschland bis zu vier Monaten dauern. Man kann diese Frist auch halbieren. Das ist ein Teil der Aufgaben der EU, weil der Start von Projekten und die Unterzeichnung von Verträgen von diesen Krediten abhängig sind. Schnellere Reaktionen der Europäer können auch im Wettbewerb mit China von Vorteil sein.

Chinas Präsident besuchte den Iran am vergangenen Samstag. (Foto: IRNA)

Chinas Präsident besuchte den Iran am vergangenen Samstag

Außerdem müssen sich die EU-Länder auf einheitliche Standards einigen und diese bei Geschäften mit dem Iran einhalten. Wir hatten in der Vergangenheit zum Beispiel schlechte Erfahrungen mit Lieferungen aus Italien, die europäische Standards nicht eingehalten haben. Es wird damit viel schwieriger, die Angebote zu vergleichen. Wir brauchen einheitliche Standards, damit wir schneller zum Abschluss kommen können - für Europa und für den Iran.

Der iranstämmige Ökonom Mehrdad Emadi arbeitet in London für die Beratungsfirma Betamatrix. Der promovierte Wirtschaftsexperte berät auch die EU-Kommission.

Das Interview führte Mitra Shodjaie in der persischen Sprache. Aus dem Persischen ins Deutsche: Shora Azarnoush.

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