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Aktuell Deutschland

Viel Frust über De Maizières Reformen

Verteidigungsminister De Maizière wollte die Bundeswehrreform unspektakulär und in aller Ruhe umsetzen. Doch eine aufschlussreiche Umfrage enthüllt: Die Offiziere sind von der Neuausrichtung der Armee eher entmutigt.

"Die Enttäuschung ist riesig", so fasst der Chef des Bundeswehrverbands, Ulrich Kirsch, die Stimmung in der Truppe zusammen. "Jetzt muss dringend mit den Soldaten gesprochen werden", forderte er im Ersten Deutschen Fernsehen (ARD), denn: Die Bundeswehrreform und die damit verbundenen Standortschließungen stoßen in den Kasernen auf breite Ablehnung.

Nach der Umfrage des Verbands unter Führungskräften der Armee glauben neun von zehn Befragten (genau 88 Prozent), dass die Reform von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) einer baldigen Korrektur bedarf und nicht von Dauer sein wird. Dies berichtete die ARD. Demnach nehmen rund drei Viertel diese Reform nicht als gemeinsames Projekt der Bundesregierung wahr.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere mit zwei hohen Offizieren (foto: dpa)

Minister De Maiziere soll seine Reform vor Ort besser erklären, fordert der Bundeswehrverband

Oberst Kirsch sieht Nachbesserungsbedarf vor allem bei sogenannten weichen Faktoren: So lasse die Vereinbarkeit von Dienst in der Armee und Familienleben immer noch sehr zu wünschen übrig. Dies bestätige auch die Befragung.

Verunsicherung durch Personalabbau

Ein Sprecher des Verteidigungsministerium erklärte in Berlin, das Egebnis der Umfrage decke sich grundsätzlich mit dem eigenen Bild der aktuellen Situation. Eine interne Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr komme ui vergleichbaren Resultaten. Bei der Reform bleibe "kein Stein auf dem anderen. Deshalb sei es verständlich, dass bei Mitarbeitern, Soldaten und deren Familien ein Gefühl der Unsicherheit herrsche.

Der Studie zufolge betrachtet die Mehrheit der Bundeswehrangehörigenn die Neuausrichtung als unumkehrbaren Reformprozess, dessen Umsetzung aber nicht erfolgreich verlaufe. Sogar ein Viertel der befragten Führungskräfte fühlt sich schlecht über die reform informiert.. Der Sprecher kündigte an, die Bundeswehrangehörigen bei den weitern Reformschritten besser einzubinden.

Zu der 2010 noch vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf den Weg gebrachten Reform gehört die Aussetzung der Wehrpflicht Mitte 2011, die durch einen freiwilligen Wehrdienst ersetzt wurde. Zudem soll bis 2017 ein Personalabbau auf 170.000 Soldaten und bis zu 15.000 freiwillig Wehrdienst Leistende vollzogen werden. Etwa 30 Standorte sollen geschlossen werden, mit schweren Folgen für Truppe und zivile Angestellte. 2010 hatte die Bundeswehr noch 250.000 Soldaten.

Der Bundeswehrverband hat die Umfrage gemeinsam mit der TU Chemnitz durchgeführt. 4000 Fragebögen wurden an Kompaniechefs, Spieße und Kommandeure verschickt, rund die Hälfte kam ausgefüllt zurück.

SC/rb (dpa, dapd)