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Deutschlandtour

Viel Berlin für wenig Geld

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die deutsche Hauptstadt zu erleben. Das muss gar nicht teuer sein. Unser Reporter hat sich auf den Weg gemacht.

Am Bahnhof Zoologischer Garten steige ich mit Backpackern und Rentnern in den Bus der Linie 100. Beim Fahrer löse ich mein Ticket. Ich zahle 2,60 Euro. Vor mir liegt die günstigste Stadtrundfahrt durch Berlins Zentrum: in 30 Minuten von der City West zum Alexanderplatz. Ich setze mich in die obere Etage des gelben Doppelstockbusses nach hinten. Die übrigen Fahrgäste haben sich fast ausnahmslos vor der Frontscheibe positioniert. Beste Aussichten. Vor den großen Fenstern gleiten Tiergarten, Siegessäule und schließlich Schloss Bellevue vorbei. Am Amtssitz des Bundespräsidenten sind Flaggen gehisst - unser Staatsoberhaupt hat offiziellen Besuch.

Der 100er Bus ist auch unter Touristen längst kein Geheimtipp mehr. Am Brandenburger Tor drängelt sich eine französische Schulklasse in die Reihen vor mir. Daneben zwei Chinesen mit ihrer deutschen Reiseführerin. Zu mir setzt sich ein Herr, der sich über den Mittelgang mit seinen Begleitern auf Arabisch unterhält. Er ist mit seinen Freunden aus dem Libanon ein paar Tage in Berlin. Den 100er Bus haben ihm Bekannte empfohlen, die schon ein Mal in Berlin waren. Draußen der Berliner Dom, dann steige ich mit Touristen aus aller Welt an der Endhaltestelle aus: Berlin Alexanderplatz. Sightseeing macht bekanntermaßen hungrig. Ich könnte hier einen Snack essen, aber ich habe heute Größeres vor: Ich will ein Spezialitätenrestaurant testen. Selbstverständlich für wenig Geld.

Mittagessen aus dem norwegischen Fjord

Berlin Restaurant Munch’s Hus

Fusion-Küche: Skreifilet trifft Curry

Abends teuer soll es mittags in Munchs‘ Hus guten Fisch zu günstigen Preisen geben. Als Spezialitäten gelten Schellfischkuchen und Elchbraten. In der Bülowstraße im Stadtteil Schöneberg nehme ich am schön gedeckten Holztisch Platz. An den Wänden Kopien der Gemälde des berühmten norwegischen Malers Edvard Munch und natürlich ein Foto von Kronprinz Haakon. Wirt Kenneth Gjerrud behauptet von sich, das erste und einzige norwegische Restaurant Deutschlands zu führen. Wie sein Landsmann Edvard Munch hat auch Gjerrud in Berlin seine zweite Heimat gefunden.

Der täglich wechselnde Mittagstisch zeigt seinen Mix der Kulturen: Ich wähle zwischen Skrei, also Kabeljaufilet, und Rinderrouladen Ersteres. Wortlos nimmt die Bedienung meine Bestellung auf. Die nordische Zurückhaltung gehört wohl zum Konzept des Lokals, denke ich mir. Nichtsdestotrotz, das Restaurant ist gut gefüllt und scheint vor allem bei Geschäftsleuten sehr beliebt zu sein. Innerhalb weniger Minuten steht vor mir ein Teller dampfendes Gemüsecurry mit Reis, darauf der appetitlich angerichtete Weißfisch. Sein Fleisch ist fest und fein, die Größe der Portion sättigt. Für den Preis von 7,50 Euro ist das eine Empfehlung wert.

PS-Träume in Moabit

Außenansicht von der Berliner Classic Remise

Werkstattgeruch: Restaurierung von Oldtimern in der Classic Remise

Wer gut gegessen hat, sollte sich auch sonst noch ein bißchen Luxus gönnen, finde ich. Und mache mich auf den Weg zu einem Geheimtipp für Autoliebhaber. Das Oldtimerzentrum Classic Remise befindet sich in einem ruhigen Industrieviertel in Moabit. Vor einigen Jahren spazierte ich hier lang und stieß so zufällig auf das Backsteingebäude mit der eleganten Glasfront. Das frühere Straßenbahndepot mit Industriecharme beherbergt heute einen Showroom mit über 300 wechselnden Sammlerstücken: aufgereiht und auf Hochglanz poliert, klassischer und neuerer Bauart. Ein Großteil der Autos steht zum Verkauf, einige werden restauriert.

Anschauen kostet nichts. Also schlendere ich entlang der Glasboxenreihen, die über zwei Etagen reichen. In den wohltemperierten gläsernen Kuben stehen Autos privater Sammler. Außer einem älteren Ehepaar und mir sind noch zwei junge Männer in den Hallen unterwegs. Sie bleiben bei einem 82er Morgan Roadster stehen. Der offene Sportwagen in Signalrot hat es ihnen sichtlich angetan. Während die beiden den Wagen bestaunen, röhrt etwas entfernt ein V8-Motor auf. Ein Mechaniker fährt den Ferrari langsam auf die Hebebühne, um daran zu arbeiten. Rund 30 Werkstätten, Händler und Autoclubs sind in der Classic Remise untergebracht.

Auf dem Weg nach draußen bleibe ich bei einem “Exponat“ hängen. Der silberne Mercedes SL aus den 70er Jahren ist mit 30.000 Euro das günstigste Angebot, das ich hier gesehen habe. Leisten kann ich ihn mir trotzdem nicht, dafür aber kurz innehalten und träumen.

Jam-Session nach Mitternacht

Berlin Jazzclub A-Trane

Seit über 20 Jahren eine Jazz-Institution in Berlin: das A-Trane

Dass es Berlin nicht an Kultur mangelt, ist bekannt. Jede Menge davon ist kostenlos. Sogar richtig hochwertige: “Einen wunderschönen guten Abend und herzlich willkommen zur heutigen Jam-Session hier im A-Trane“, begrüßt der Mann am Bass das Publikum. Er ist der Frontmann des Oliver Lutz Quartett, die heute in dem bekannten Charlottenburger Jazzclub dem Publikum vor der Jam-Session einheizen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag findet hier die Jam-Session statt, ab 0 Uhr ist Einlass für das kostenlose Highlight der Woche.

Als ich kurz nach Mitternacht eintrete, sind alle Plätze an den runden Tischen vor der Bühne bereits belegt. Das Publikum ist bunt gemischt. Von Studenten bis hin zu Rentnern. Als der Bandleader seine Ansprache beendet hat, legt das Quartett los. An den Tischen unterhalten sich die Leute angeregt, während sich der kleine Club weiter füllt. Es wird warm. Ich bestelle ein Bier. Nach drei Stücken beendet das Quartett sein Programm. Applaus. “Die Jam-Session ist hiermit eröffnet.“ Ich bleibe noch eine Weile und sehe den Musikern bei ihren Vorbereitungen zu. Gitarren und Trompeten werden ausgepackt, hier eine Klarinette, da ein Paar Drumsticks. Die Jazzer spielen sich schon mal warm. Es verspricht eine lange Nacht werden.

Und während von draußen immer noch Nachtschwärmer in den Club strömen, schiebe ich mich an Saxofon- und Gitarrenkoffern vorbei durch die Tür hinaus in die Charlottenburger Nacht. Satt, zufrieden und mit einem Drumbeat im Ohr.

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