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Welt

Viel Ananas in Costa Rica, wenig Fair Trade

Ananas aus Costa Rica ist ein Exportschlager. Doch für die Kleinbauern ist es schwer, sich gegen die Konkurrenz großer Firmen durchzusetzen. Fair Trade ist da eine Nische, doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ananas in einem Container (Foto: Eva Usi)

Ein Container voller fair gehandelter Bio-Ananas

Die Ananas, die Orlando Rojas auf einem Teil seiner Finca kultiviert, sind fair gehandelt. Auf über sieben Hektar baut der 53-Jährige in Pital de San Carlos im Norden von Costa Rica Ananas an - angelockt vom damals guten Verkaufspreis. Diese Stauden gedeihen ohne Kunstdünger und ohne Pestizide. Mit seinen fairen Bio-Ananas ist er aber noch die Ausnahme. "Wir haben uns für den Anbau von Bio-Ananas entschieden, um unser Land zu schützen. Es ist die Zukunft meiner Kinder, wie könnte ich es vergiften?", sagt er.

Viele Ananas für Europa

Orlando Rojas sitzt auf einer Bank im Schatten (Foto: Eva Usi)

Orlando Rojas pflanzt aus Überzeugung Bio-Ananas

Viele Produzenten sehen das anders als Rojas: Auf den herkömmlichen Plantagen werden 15-mal mehr Pestizide verwendet als bei anderen Agrarprodukten. Die chemischen Substanzen verschmutzen den Boden und das Grundwasser.

Costa Rica exportiert seit 2007 weltweit die meisten Ananas. Die Branche ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen: Waldgebiete und Anbauflächen anderer Agrarprodukte mussten der Ananas weichen. Den größten Absatz findet die costaricanische Ananas auf den europäischen Märkten. 75 Prozent der dort verkauften Früchte kommen aus Costa Rica. Ihr Verkauf brachte im vergangenen Jahr rund 600 Millionen Dollar ein.

Plastikplanen statt Pestizide gegen Unkraut

Plastikplanen liegen auf einem Feld, drei Männer stehen daneben (Foto: Eva Usi)

Plastikplanen sollen vor Schädlingen schützen

Rojas gehört der Kooperative AgroNorte an - eine von zwei Vereinigungen in Costa Rica, die das Fair-Trade-Siegel haben. Auf seinen Plantagen decken nicaraguanische Einwanderer die Felder mit Plastikplanen ab, um sie vor Unkraut zu schützen. Rojas darf keine Pestizide benutzen. Nach etwa zwei Jahre hat eine Plantage ausgedient und muss von Pflanzenresten befreit werden. Die Plastikplanen zu entfernen kostet den Bauern rund 600 US-Dollar pro Hektar. Eine Alternative wären biologisch abbaubare Kunststoffe - aber die gibt es in Costa Rica nicht. Der ökologische Anbau von Ananas ist mühsam.

Orlando Rojas lebt von dem Gewinn aus der ersten Ernte. Für den Agrarsektor gibt es keine finanzielle Unterstützung. Wenn er einen Kredit aufnehmen würde, läge die Zinsrate bei 17 Prozent. "Wenn man keine Rückzahlungen leisten kann, nehmen sie einem die Finca weg. Viele Kleinbauern verlieren ihre Ländereien und sehen keinen anderen Ausweg, als in die äußeren Stadtbezirke zu ziehen. Es ist eine schreckliche Situation", erzählt der Ananasbauer.

Keine Rückzahlung = keine Finca

Eine Hand hält eine kleine Ananas (Foto: Eva Usi)

Der Exportschlager Costa Ricas sind Ananas

Jesús Baraona ist in diese Schuldenfalle getappt. Der Bauer hat mit dem Versprechen, dass ihm 60 Cent pro Kilo gezahlt würden, angefangen, Bio-Ananas anzubauen. Der Preis wurde noch vor der ersten Ernte gesenkt. "Ich bin kurz davor meine Finca zu verlieren", sagt er. Baraona hatte sich Geld von einer Organisation geliehen, die der Vorläufer von AgroNorte war. Er schuldet ihr umgerechnet über 35.000 Euro und zahlt dieses Geld immer noch zurück - bei einem Zinssatz von 16 Prozent.

Diesen verschuldeten Bauern will Yiorely Villalobos, Geschäftsführerin bei AgroNorte, helfen. Die junge Frau kann ihnen einen festen Preis für ihre Ananas zusichern - dank Fair Trade. Und die Bauern brauchen dieses Geld, weiß sie. "Im Moment beschäftigen die Erzeuger vor allem die Kosten für landwirtschaftliche Produktionsmittel wie importierte Düngemittel. Sie sind enorm hoch. Es gibt Preisunterschiede von bis zu 48 Prozent", sagt Villalobos.

Yiorely Villalobos und Basilio Rodriguez stehen auf einer Ananasplantage (Foto: Eva Usi)

Yiorely Villalobos und Basilio Rodriguez von AgroNorte

Basilio Rodríguez, Präsident der AgroNorte, macht noch ein anderes Problem Sorgen: Ein großes transnationales Unternehmen, das US-amerikanische Corsicana, wurde mit dem Fair-Trade-Siegel ausgezeichnet. Und damit gebe die Zertifizierungsstelle Fair Labelling Organizations International (FLO) Großplantagen Zutritt zu einem Markt, zu dem bislang nur Kleinbauern und mittelständische Erzeuger Zugang gehabt hätten.

Autorin: Eva Usi
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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