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Politik

Berlin bestätigt den Tod der Geisel

27. Februar 2017

Die letzten Zweifel sind beseitigt: Der deutsche Segler Jürgen Kantner ist nach Erkenntnissen der Bundesregierung von seinen philippinischen Geiselnehmern getötet worden. Die Kanzlerin zeigt sich erschüttert.

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Filipino soldiers recover abandoned yacht
Die Yacht "Rockall" des entführten deutschen Skippers wird vom philippinischen Militär gesichertBild: picture alliance/dpa/Wesmincom

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "abscheulichen Tat", die zeige, "wie gewissenlos und unmenschlich diese Terroristen vorgehen". Zuvor war ein Video aufgetaucht, das die Enthauptung der Geisel zeigt.

Jürgen Kantner war zusammen mit seiner Lebensgefährtin auf einer Segeltour im November von der philippinischen Islamistengruppe Abu Sayyaf überfallen und verschleppt worden. Die 59 Jahre alte Frau wurde bereits bei dem Überfall getötet.

Der 70 Jahre alte Skipper sei "von terroristischen Entführern auf den Philippinen barbarisch ermordet worden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Nach "Wochen der Sorge" bestehe nun "traurige Gewissheit". Zuerst hatte ein Berater des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte Berichte über die Enthauptung einer deutschen Geisel erhalten.

Kantner war auf der Insel Jolo im Süden des Inselstaats gefangen gehalten worden. Abu Sayyaf hatte mit seiner Ermordung gedroht, falls nicht bis Sonntag 8 Uhr MEZ ein Lösegeld gezahlt werde. Die Extremisten hatten eine Summe in Höhe von 30 Millionen Pesos gefordert, umgerechnet 566.000 Euro.

Luftangriffe auf Abu Sayyaf

Am Samstag hatte das philippinische Militär Luftangriffe auf ein mutmaßliches Versteck der Abu Sayyaf angegriffen. Die Luftangriffe seien in der südlichen Inselprovinz Sulu geflogen, berichtete das Nachrichtenportal "Phil Star". Zudem bereiteten die Streitkräfte weitere Offensiven gegen die Geiselnehmer vor.

Nach seiner Entführung hatte der deutsche Segler mehrfach in Video- und Audiobotschaften um Hilfe gefleht, zuletzt Mitte Februar. Außerdem sollen sich ein Niederländer, ein Koreaner sowie mehrere Indonesier, Malaysier, Vietnamesen und Philippiner in den Händen der Terroristen befinden.

Zwei Kanadier ermordet

Im vergangenen Jahr ermordete die Extremistengruppe zwei Kanadier, nachdem die Fristen für Lösegeldzahlungen verstrichen waren. Bereits im April 2014 hatte die Abu Sayyaf ein deutsches Seglerpaar entführt. Die beiden waren ein halbes Jahr später wieder auf freiem Fuß, nachdem die Terrororganisation nach eigenen Angaben ein Lösegeld von umgerechnet rund 4,4 Millionen Euro erhalten hatte. Im Jahr 2000 war die Göttinger Familie Wallert verschleppt worden.

Der Abu Sayyaf gehören nur einige Hundert bewaffnete Kämpfer an. Offiziell fordern die Extremisten, die der arabischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Gefolgschaft geschworen haben, einen islamistischen Staat auf den Südphilippinen. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die Gruppierung durch ihr Bekenntnis zum IS hauptsächlich Lösegelder in die Höhe treiben will.

rb/kle/jj (afp, epd, dpa, rtr)