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Welt

Video belastet US-Soldaten in Afghanistan

Peinlicher Skandal am Hindukusch: Ein Video mit einer mutmaßlichen Leichenschändung durch US-Marineinfanteristen in Afghanistan sorgt für großen Ärger. Die Bilder könnten die Bemühungen um einen Friedenspakt sabotieren.

Soldaten einer US-Infanterie-Einheit in der Provinz Kandahar auf Patrouille (Foto: AP)

Soldaten einer US-Infanterie-Einheit in der Provinz Kandahar auf Patrouille

Auf den Aufnahmen, die im Internet kursieren, sind vier Männer in US-Militäruniformen zu sehen, die offenbar bei einem Einsatz in Afghanistan über drei blutverschmierten Leichen urinieren. Einer der Soldaten sagt "Schönen Tag noch, Kumpel", während er sich offenbar darüber im Klaren ist, gefilmt zu werden. Eine Video-Unterschrift beschreibt die Urinierenden als Mitglieder eines Sniper-Teams aus Camp Lejeune im US-Staat North Carolina, die Toten als Taliban.

Das US-Marinekorps nahm umgehend Ermittlungen auf. Die Herkunft und Echtheit des Amateurvideos seien noch ungeklärt, erklärte die US-Elitetruppe. Derartige Taten stünden jedoch nicht im Einklang mit den Werten der Marineinfanterie. Der Pentagon-Sprecher John Kirby wird mit der Aussage zitiert, die Aufnahmen hätten ihm "den Magen umgedreht". Egal unter welchen Umständen das Video entstanden und wer die Personen darin seien, handele es sich um ein "abstoßendes, monströses und inakzeptables Verhalten für jede Person in Uniform".

"Ekelhaftes Video"

Bewaffnete Taliban-Kämpfer in der Provinz Helmand (Foto: EPA)

Bewaffnete Taliban-Kämpfer in der afghanischen Provinz Helmand

Die internationale Schutztruppe ISAF erklärte, das Video sei in höchstem Maße verwerflich und ekelhaft. Die muslimische US-Bürgerrechtsvereinigung Council on American-Islamic Relations (CAIR) verurteilte die mutmaßliche Leichenschändung. Sollte sich das Video als echt herausstellen, könne es "andere Soldaten und Zivilisten" gefährden, hieß es in einer Erklärung.

In Afghanistan sind derzeit rund 20.000 Marines stationiert, die meisten in den Regionen Kandahar im Süden und Helmand im Südwesten. Insgesamt sind rund 130.000 US- und NATO-Soldaten in Afghanistan im Kampf gegen Taliban-Kämpfer im Einsatz.

Friedensgespräche gefährdet?

Ein Vertreter des Hohen Friedensrates in Afghanistan erklärte am Donnerstag, wegen derartiger Aufnahmen könnten die Taliban leicht junge Menschen für sich gewinnen. "Solche Taten haben einen sehr, sehr schlechten Einfluss auf die Friedensbemühungen", sagte Arsala Rahmani.

Ein Sprecher der afghanischen Taliban erklärte dagegen: "Das ist kein politischer Vorgang." Das Video werde die Gespräche oder den geplanten Gefangenenaustausch nicht beeinflussen. Die Taliban erklärten sich dazu bereit, Friedensgespräche aufzunehmen, wollen die Regierung in Kabul aber weiter bekämpfen. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid schrieb am Donnerstag in einer E-Mail, die Gruppe habe ihre Bemühungen verstärkt, Kontakte zur internationalen Gemeinschaft aufzubauen, um Frieden in Afghanistan zu schaffen. Dies bedeute jedoch keine Abkehr vom Dschihad oder eine Anerkennung der "Marionettenregierung" von Präsident Hamid Karsai.

Skyline der katarischen Hauptstadt Doha (Foto: dapd)

Beherbergt die katarische Hauptstadt Doha bald ein Taliban-Büro?

Nach einem mehr als zehnjährigen Krieg versuchen die USA und die afghanische Regierung derzeit, mit den Taliban Frieden zu schließen. So wollen die Taliban im Golfstaat Katar ein Verbindungsbüro eröffnen. Ein Unterhändler von US-Präsident Barack Obama soll am Wochenende in die Region reisen und unter anderen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und Vertretern der Türkei, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate sprechen. Karsai wurde nach Angaben seines Sprechers kurz vor der Bonner Afghanistan-Konferenz im Dezember darüber informiert, dass es bereits mehrere Gespräche zwischen der US-Regierung und den Taliban gegeben hatte.

Autor: Reinhard Kleber (rtr, dapd, afp, dpa)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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