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Fokus Osteuropa

Veteranen in Moldova – "Verräter oder Helden?"

In Moldova leben Weltkriegs-Veteranen, die in der rumänischen oder sowjetischen Armee kämpften. Der moldauische Staat gewährt ihnen die gleichen Rechte. In der Gesellschaft des Landes ist dies nicht unumstritten.

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Auch in der Republik Moldova streitet man über den Umgang mit Veteranen

In Moldova leben etwa 15 000 Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Das sind nicht nur diejenigen, die auf der Seite der Roten Armee kämpften, sondern auch deren ehemalige Gegner, die 1941 und 1942 in die Armee des Königreichs Rumänien eingezogen wurden und zu Beginn des Krieges auf der Seite von Hitler-Deutschland kämpften. Aber am 9. Mai gedenken sie meist gemeinsam der gefallenen Kameraden.

Kampf auf beiden Seiten

Die Geschichte Moldovas im 20. Jahrhunderts ist schwierig. Im Sommer 1940 wurde das Land zwischen Pruth und Dnjestr Teil der Sowjetunion. Schon ein Jahr später, im Sommer 1941, rückten dort die Truppen des Königreichs Rumänien ein, die auf der Seite Hitler-Deutschlands kämpften. Tausende junge moldauische Männer wurden zum Krieg gegen die Sowjetunion mobilisiert. Ein Einwohner Chisinaus, Dimitru Balan, berichtet, sein Vater sei wie durch ein Wunder der Mobilisierung in die rumänische Armee entkommen, weil laut einem königlichen Erlass Männer, die 1921, also im selben Jahr wie der Sohn des Königs, Mihai, geboren wurden, nicht eingezogen wurden. Dimitru Balans Vater wurde aber in Moldova 1946 in die Rote Armee eingezogen, in der er dann auf der Seite der Sowjetunion kämpfte. 1946 setzte der damals junge rumänische König Mihai Marschall Antonescu ab und ließ seine Armee schließlich gegen Hitler kämpfen, wofür er einen sowjetischen Siegesorden erhielt.

Streit unter Nachfahren

Wie soll man die Veteranen in Moldova, die auf der Seite des Königreichs Rumänien kämpften, betrachten. Sind sie Verräter oder Helden, fragt Dimitru Balan. Obwohl die Veteranen beider Armeen in Moldova seit 1993 die gleichen Rechte genießen, ist diese Frage immer noch umstritten. Vor allem jetzt anlässlich des 60. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkriegs, erscheinen in der moldauischen Presse zahlreiche Leserbriefe empörter Bürger des Landes, deren Eltern im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Die Nachfahren betrachten es als ungerecht, dass die ehemaligen Soldaten der rumänischen Armee die gleichen Vergünstigungen genießen, wie die aus ihrer Sicht sowjetischen Befreier. Die ältere Generation, die den Krieg noch miterlebt hatte, verhält sich in dieser Frage meist nicht so kategorisch.

Julija Semjonowa, Chisinau
DW-RADIO/Russisch, 7.5.2005, Fokus Ost-Südost