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Kultur

Vesper: Ein Moment des Aufatmens

Ein kooperativer Führungsstil, Wunden heilen und die Menschen wieder zusammenzuführen - das sind die Herausforderungen des "Apostolischen Administrators" im Bistum Limburg.

DW: Herr Vesper, Papst Franziskus hat entschieden, dass der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht in sein Limburger Bistum zurückkehren darf. Gut oder schlecht?

Stefan Vesper: Ich bin, wie viele andere auch, erleichtert. Es ist ein Moment des Aufatmens. Der Schaden für uns als Kirche war ganz groß. Ich freue mich vor allem für das Bistum Limburg. Dort können jetzt alle aufatmen, die Laien und die Priester, und jetzt nach vorne schauen, um einen Neuanfang zu beginnen.

Der Papst begründet seine Entscheidung dem Vernehmen nach nicht in erster Linie mit den hohen Kosten für den Neubau des Limburger Bischofssitzes, sondern vor allem mit dem verlorenen Vertrauen der Gläubigen vor Ort. Ist dieses Vertrauen tatsächlich zerstört?

Man konnte ja überall sehen, dass der Bischof mit allen Führungsgremien, mit allen Führungskreisen zerstritten war. Er hat wirklich so agiert, dass das Vertrauen der Priester, des Priesterrats, des Diözesanrats und der anderen Gremien so sehr beschädigt war, dass eine Zukunft mit ihm nicht möglich war. Auch darum finde ich es gut, dass es jetzt einen Neuanfang gibt. Qualifizierte Gremienarbeit ist für die Kirche sehr wichtig und ein Bischof kann, glaube ich, nur mit seinen Gläubigen ein guter Bischof sein.

Wie fühlen sich denn die Gläubigen an der Basis?

Die wollen ernst genommen werden. Jeder, der sich in der Kirche engagiert, ist ja auch in der Welt aktiv, ist in Vereinen, ist im Beruf oder ist in anderen Konstellationen. Und genauso, wie er dort Respekt erwartet oder dann einfach weggeht, erwartet er diesen Respekt auch in der Kirche. Ein kooperativer Führungsstil ist auch in der Kirche wichtig, gerade beim Bischof, gerade beim Pfarrer. Früher sagte Martin Luther: "Hier stehe ich und kann nicht anders." Heute sagen die Menschen: "Hier stehe ich, ich kann auch anders. Wenn man mich nicht ernst nimmt, wenn man mir keinen Respekt und keine Wertschätzung entgegenbringt, dann gehe ich." Das ist für die Kirche ganz schlimm.

Was sind jetzt die drängenden Aufgaben, um die Laien im Bistum Limburg wieder aufzurichten, zu motivieren?

Den Weihbischof Manfred Grothe als "Apostolischen Administrator" einzusetzen, ist eine kluge Entscheidung des Papstes. Er wird zusammenführend agieren. Er ist ein Mann mit ganz großer Erfahrung und er wird jetzt mit Aufrichtigkeit und Barmherzigkeit einen gemeinsamen Weg suchen, er wird sicher mit vielen Menschen sprechen. Er wird schauen, wo Verletzungen sind, die er heilen kann. Ganz wichtig ist aber, die Menschen zusammenzuführen und zusammenzubringen. Das Bistum Limburg ist ein starkes Bistum. Von ihm sind in der Vergangenheit viele Impulse für die Kirche in ganz Deutschland ausgegangen. Und die Menschen im Bistum Limburg haben allen Grund dazu, mit Anerkennung auf sich selbst zu schauen und ihren Beitrag für die Kirche in Deutschland selbst mit Wertschätzung und Respekt zu sehen."

Haben Sie Mitleid mit Bischof Tebartz-van Elst?

Dem Bischof Tebartz ist sicher immer wieder auch Unrecht getan worden – ich kenne ihn persönlich. Ich muss aber auch sagen, dass viele Menschen durch sein Wirken auf der Strecke geblieben sind, den Job verloren haben und anderes, weil sie manchmal widersprochen haben. Er hat anderen sehr viel geschadet - ich glaube, er muss auch für sich einen Neuanfang finden. Aber natürlich gebührt dem Menschen Franz-Peter Tebartz-van Elst auch das Recht auf Barmherzigkeit, auf Versöhnung und auf Verzeihung."

Dr. Stefan Vesper ist Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), des Dachverbandes katholischer Laienorganisationen.