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Asien

Verzweifelte Suche nach Eheglück im Ausland

Im Ausland leben, Armut und Entbehrungen hinter sich lassen: Für viele pakistanische und indische Frauen ist das ein großer Traum. Sie suchen nach einem passenden Ehemann im Ausland - und erleben oft böse Überraschungen.

ARCHIV - Eine Braut nimmt am 11.11.2005 in Calcutta (Indien) an einer Massenhochzeit mit insgesamt 40 Paaren teil. In keinem Land der Welt kaufen die Menschen so viel Goldschmuck wie in Indien, und jedes Jahr beflügelt eine alte Tradition die Spekulation an den Goldmärkten. In den Monaten September bis November wird auf dem Subkontinent geheiratet. Dann ist die Zeit der üppigen Goldgeschenke an die Brautleute. Foto: EPA/PIYAL ADHIKARY (zu dpa «Indisches Brautgold reizt Anlegerfantasie» vom 07.09.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Schlagworte Rohstoffe, Gold, Gold, Braut, Goldpreis, Goldmarkt

Indien Braut Frau Hochzeit

Großbritannien, Australien oder die USA: Wer dort lebt, hat es geschafft. Ein Ehemann indischer oder pakistanischer Herkunft, der im Westen lebt, ist für viele pakistanische und indische Frauen ein guter Fang. Durch ihn steigt das Ansehen in der Gesellschaft und damit auch der Status. Ein Leben praktisch wie im Märchen: Davon träumen Zigtausende südasiatische Frauen. Sie wollen den gewohnten Alltag hinter sich lassen, wollen in einem anderen Land noch einmal ganz von vorn anfangen. Doch oft platzt dieser Traum wie eine Seifenblase. Und die Frauen zahlen einen hohen Preis. Denn ihre Sehnsucht, gepaart mit geringer Bildung und Unerfahrenheit, wird oft skrupellos ausgenutzt. Die 24-jährige Sabah hat genau dies erlebt.

Vom Traum zum Alptraum

Sabah war voller Hoffnung, als sie über eine Vermittlungsagentur im pakistanischen Lahore in Kontakt mit ihrem Mann und dessen Familie kam. Diese lebte schon seit langem in Großbritannien. "Sie schienen sehr nett zu sein. Mein Mann und ich haben uns schon bald verlobt. Sechs Monate später kamen er und seine Familie zurück nach Pakistan und wir heirateten. Im selben Monat wurde ich schwanger", erzählt Sabah im Gespräch mit der Deutschen Welle. Da die Visumsformalitäten viel Zeit in Anspruch nahmen, vergingen sieben Monate, bis Sabah nach der Hochzeit hochschwanger zu ihrem Mann nach London reisen durfte.

Blick vom London Eye-Riesenrad über die Themse und die Westminster Brücke auf die Houses of Parliament im Westminster Palast und den Uhrenturm Big Ben

Für Sabah ging der Traum in London nicht in Erfüllung

Doch schon wenige Tage nach der Ankunft begannen Sabahs Schwiegereltern und ihr Mann, sie zu erpressen, erzählt Sabah. Schnell fühlte sie sich wie eine Gefangene. Ihre Schwiegereltern drangsalierten sie und forderten immer wieder mehr Mitgift. Jeder Anruf, den sie tätigte, auch Telefonate mit ihren Eltern, wurden überwacht. Sie wurde missbraucht und behandelt wie eine Putzfrau, sagt Sabah. Sie wurde gezwungen, sämtliche Haushaltspflichten zu übernehmen - obwohl sie hochschwanger war. "Mein Mann hat mich nicht mal für Untersuchungen ins Krankenhaus begleitet. Er war auch nicht dabei, als unser Kind zur Welt kam."

Kurz nach der Geburt ihres Sohnes überredeten die Schwiegereltern Sabah, nach Pakistan zu fliegen, um den Sohn der Verwandtschaft vorzustellen. Dort angekommen, drängte ihr Mann sie, das Kind für einen Tagesausflug zu Verwandten nach Karachi mitnehmen zu dürfen. An diesem Tag wurde ihr Sohn entführt und zurück nach London gebracht.

Leider kein Einzelfall

Hunderte von Frauen wie Sabah sind dem gleichen Betrugsschema zum Opfer gefallen. Sabah selbst gab nie auf und trug einen harten juristischen Kampf aus, um ihren Sohn wiederzubekommen. Und am Ende gewann sie. Mittlerweile ist sie geschieden und lebt gemeinsam mit ihrem Jungen in einer Ein-Zimmer-Wohnung in London. Um Unterhalt für das Kind von ihrem Ex-Mann kämpft sie allerdings noch immer.

Mit Henna bemalte Hände

Das Vertrauen der Frauen wird meist enttäuscht

Schätzungsweise 50.000 Frauen allein im zentral-indischen Bundesstaat Punjab befinden sich in der gleichen Zwangslage. Bei wie vielen dieser Fälle auch Kinder beteiligt sind, ist nicht bekannt, erklärt Rani Bilkhu, Direktor der britischen Frauenorganisation "Jeena International", gegenüber der  Deutschen Welle. "Bei unseren Recherchen in Indien hat sich herausgestellt, dass sehr viele  britische und kanadische Männer ihre indischen Frauen verlassen, vor allem im Punjab", sagt Bilkhu. "Diese Frauen sind mit einem Ehegatten-Visum ins Ausland gereist. Sobald der Mann entscheidet, dass er nicht mehr verheiratet sein möchte, wird das Visum der Frau widerrufen."

In ihrem Heimatland werden die Frauen dann sozial ausgegrenzt. "Die Frauen werden stigmatisiert, weil sie eine Schande für die Ehre der Familie sind. Aber sie glauben fest daran, dass die Ehemänner irgendwann zurückkehren werden."

Hilfe gestaltet sich schwierig

Die britische Botschaft in Islamabad und das britische Konsulat in Mirpur, Kaschmir, sind Anlaufstellen für Frauen, die nach Großbritannien zurückkehren wollen. Die Diplomaten helfen den Frauen, versorgen sie mit Informationen zu Unterkünften und zu den nötigen Reisedokumenten und vermitteln Kontakt zu Hilfsorganisationen.

Indische Braut mit Goldschmuck

Sabahs Geschichte ist bei weitem kein Einzelschicksal

Aber auch, wenn es rein theoretisch Hilfsangebote gibt - viele Frauen können sie nicht nutzen, erklärt die britische Anwältin Anne-Marie Hutchinson, die in der Vergangenheit immer wieder vergleichbare Fälle bearbeitet hat. "Das Hohe Gericht in Großbritannien hat das Problem erkannt und wird entsprechend urteilen." Aber da die Opfer Tausende Kilometer entfernt lebten, sei es in der Praxis schwer, ihnen rechtliche Unterstützung zukommen zu lassen. "Dazu kommt noch, dass viele aus sehr abgeschiedenen Regionen stammen und arm sind."

Als Junggeselle in die Heimat, als Ehemann zurück

Es ist ein Teufelskreis, aus dem es für die Frauen oft kein Entrinnen gibt, so Hutchinson weiter. "Die Ehegattin aus dem Ausland ist in der Regel komplett abhängig von ihrem Mann und seiner Familie - auch was ihren aufenthaltsrechtlichen Status angeht." Die Frauen hätten letztendlich keinerlei eigene Kontrolle mehr über ihr Leben und die Art, wie sie behandelt würden. "Sie ertragen Missbrauch aus Angst, deportiert zu werden."

Auf der anderen Seite werden junge, im Ausland lebende asiatische Männer oft von ihren Familien gezwungen, in der Heimat eine Landsfrau zu heiraten. Das geschieht oft während einer Urlaubsreise. Diese auch als "Urlaubs-Bräutigam" bezeichneten Männer sind meist in einem westlichen Umfeld aufgewachsen und haben eigentlich gar kein Interesse daran, eine sehr traditionelle Frau zu heiraten. Sie tun es nur, um die Wünsche ihrer Eltern zu erfüllen. Viele dieser Männer nehmen ihre Ehefrauen nach dem Urlaub aber gar nicht mit in ihre westliche Heimat.

Hoffnung durch neue Gesetze?

Symbolbild Visum

Das Visum der Frauen hängt von der Familie des Mannes ab

Immer wieder versuchen Männer in Großbritannien, Sozialleistungen für ihre Ehefrauen zu beantragen - obwohl sie diese längst verlassen haben. Und damit nicht genug: "Manche Männer haben sogar mehrere Frauen", klagt die Politikerin Shreela Flather. "Die Frauen sind aber in verschiedenen Haushalten registriert, so dass der Ehemann für jede einzeln Geld abkassiert."

In Indien sind nun zwei Gesetze eingeführt worden, bei denen es explizit um das Problem der Vielehe und um verstoßene Frauen geht. Der sogenannte "Compulsory Registration Act of Marriage for Non-Resident Indians" ist nach Ansicht des Informationsministers im Bundesstaat Punjab ein bedeutsamer Schritt. "Erstmals gibt es damit in Indien ein Gesetz, um Scheinehen den Riegel vorzuschieben", erklärt Bikram Majithia. Kernstück des Gesetzes: Auch im Ausland lebende indische Staatsbürger sind künftig verpflichtet, ihre Eheschließungen registrieren zu lassen und sämtliche Details über ihr Leben im Ausland sowie ihre Adressen in Indien zu hinterlegen.

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