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Aktuell Europa

Verwirrung in Nikosia

Die zyprische Regierung will nun doch alle Banken des Landes bis Donnerstag geschlossen halten. Dies teilte die Zentralbank überraschend am späten Montagabend mit.

Das Finanzministerium habe die weitere Schließung angeordnet, so die Begründung. Zuvor hatte es noch geheißen, alle Banken bis auf die zwei großen Institute - die Bank of Cyprus und die Laiki-Bank - sollten an diesem Dienstag wieder ihre Schalter öffnen. Dagegen hätten jedoch die kleinen Geldhäuser heftig protestiert, da sie einen massiven Ansturm der Kunden befürchteten, hieß es aus dem Finanzministerium. Die Banken sind seit dem 16. März geschlossen.

Geldtransfers ins Ausland sollen überprüft werden

Parlamentspräsident Ginnakis Omirou will jetzt Informationen über ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland und Abhebungen von Bargeld in den Wochen und Tagen vor der Schließung der Banken nachgehen. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Parlamentarier in Nikosia meldet, hat Omirou von den Banken eine Liste sämtlicher Überweisungen ins Ausland der vergangenen Wochen gefordert. Er will prüfen ob hohe Beamte, die in den Entscheidungszentren der Zentralbank oder auch im Präsidialgebäude sitzen und von den bevorstehenden Entscheidung zur Schließung der Banken wussten, Teile ihres Vermögens ins Ausland geschafft haben.

Video ansehen 01:28

Zypern erlebt schwarze Tage

Rettung in letzter Minute

Der drohende Staatsbankrott Zyperns war in einer stundenlangen Nachtsitzung gerade noch abgewendet worden. Am frühen Montagmorgen hatten die Finanzminister der Eurozone in Brüssel sich darauf verständigt, dem Mittelmeerstaat Finanzhilfen von bis zu zehn Milliarden Euro zu gewähren.

Im Gegenzug soll Zyperns Bankensektor umstrukturiert werden, auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus ist ein Abschlag in Höhe von 30 Prozent vorgesehen. Anders als bei den Hilfen für Irland und Portugal sollen reiche Kontoinhaber damit an der Rettung beteiligt werden.

Milliarden von ESM und IWF

Die Milliardenhilfen kommen aus dem Eurorettungsfonds ESM und vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die zweitgrößte zyprische Bank, die Popular oder Laiki-Bank, soll zerschlagen werden. Faule Papiere werden in einer Bad Bank angesiedelt, die abgewickelt werden soll.

Nikos Anastasiades (Foto: Reuters)

Zypern kommt wieder auf die Beine, versichert Präsident Anastasiades

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades bezeichnete die vereinbarten Maßnahmen in einer vom Fernsehen übertragenen Rede an die Nation als "schmerzhaft". Sein Land werde aber "wieder auf die Beine kommen." Zugleich kündigte er Einschränkungen des Kapitalverkehrs an. Damit wolle die Zentralbank das Bankensystem der Inselrepublik schützen.

Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen. Das Limit für Geldautomaten war zuletzt je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Die Börse bleibt skeptisch

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, sprach von einem "vollständigen und glaubhaften Plan", um die wirtschaftlichen Probleme Zyperns anzugehen. In der Finanzwelt scheinen allerdings noch nicht alle Zweifel überwunden und ein rasches Enmde der Zypern-Krise doch fraglich. Tatsache ist jedenfalls: Die Börsen reagierten nach der Verkündung des Rettungsplans zwar zunächst positiv, endeten dann aber im Minus. Der Euro erreichte dabei ein Viermonatstief.

haz/wa (rtr, ap, dpa)

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