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Kultur

Verwackelter Aufbruch ins UMTS-Zeitalter

Mit millionenschweren Werbeetats versuchen die Mobilfunkbetreiber, dem Kampf um das Weihnachtsgeschäft mit Multimediahandys für sich zu entscheiden. Auch mit Blick auf UMTS.

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Unscharfe Fotos vom Handy

Die Kunden sind kaum zu bewegen, mehr zu telefonieren. Deshalb hoffen die Netzanbieter T-Mobile, Vodafone, e-plus und O2 auf klingelnde Kassen mit dem Spaßfaktor: ein Schnappschuss von den ersten Gehversuchen der Enkeltochter, ein kleiner Videoclip von der Party oder Nachrichten aus aller Welt. Zum Schock bei der ersten Rechnung kommt schon mal der Frust über technische Probleme.

Klappt's oder klappt's nicht?

"Die Technik ist noch nicht ausgereift", sagt Henning Withöft von der Stiftung Warentest. Körnige Bilder, Übertragungsstörungen, schlechte Bedienungsanleitungen - "das mindert das Vergnügen erheblich", so Withöft nach ausgiebigen Tests. Die Hersteller und ihre Lobby wollen das nicht auf sich sitzen lassen. Die Anfangsprobleme seien längst behoben, sagt Peter Broß, Geschäftsführer des Branchenverbandes BITKOM.

Natürlich sei die Kamera im Telefon nicht mit einer normalen Digitalkamera vergleichbar. "Hier geht es eher um das schnelle Foto zwischendurch", sagt Broß. Für die Akzeptanz der Kunden spreche, dass inzwischen mehr Kamera-Handys verkauft würden als normale Digitalkameras. Für die Mobilfunkbetreiber ist die eingebaute Kamera angesichts des bevorstehenden Starts der neuen UMTS-Netze gleichzeitig ein erster Schritt, die Verbraucher daran zu gewöhnen, dass mit dem Handy mehr möglich ist als nur Telefonieren.

UMTS mit Anlaufschwierigkeiten

Nach mehrmaligen Startverzögerungen wird es für vier Mobilfunkbetreiber in Deutschland 2004 ernst: UMTS soll mobiles Surfen, Datenübertragung und Multimedia über das Handy bald noch bequemer und schneller machen. Ob Sprache, Daten, Musik oder Film - das Handy in der Jackentasche sollzum kleinen Alleskönner werden. Gleichzeitig hoffen die Betreiber auf sprudelnde Einnahmen und satte Gewinne. Schließlich müssen die Milliarden-Ausgaben für Lizenzen und Netzaufbau wieder eingespielt werden. Doch die Euphorie an den Börsen und die Goldgräberstimmung im Markt ist längst verflogen.

Keiner weiß, wie das Abenteuer UMTS jemals enden wird. "Bis die Betreiber nennenswerte Umsätze mit UMTS erzielen und Kunden haben, werden Jahre vergehen", prophezeit Axel Burkert, Chefredakteur des Mobilfunk-Verbraucherberaters Xonio.com. So steht zunächst die Entwicklung von neuen Diensten im Brennpunkt der vier Anbieter T-Mobile, Vodafone D2, E-Plus und O2. Es gehe darum, beim Kunden Bedürfnisse und Interesse zu wecken, meint Burkert. "Aber erst zum Weihnachtsgeschäft 2004 werden die Mobiltelefone für den Verbraucher zu erwerben sein", glaubt der Kommunikationschef von O2, Stefan Zuber.

Keine Erfolgsstory bislang

Wie schwierig das UMTS-Geschäft ist, zeigt das Beispiel Hutchison Whampoa. Als Frühstarter blieben dem Mobilfunknovizen in Italien und Großbritannien die erhofften Kundenzahlen aus. Hinzu kamen Probleme mit fehlerhaften Endgeräten. Negative Schlagzeilen treffen dabei die ganze Branche. Zuber von O2 spricht von Sippenhaft.

Doch für Hutchison war es die einzige Chance, den etablierten Betreibern Paroli zu bieten. Auch in Japan läuft nicht alles nach Maß. Der UMTS-Vorreiter NTT DoCoMo hat zwar bereits mehr als eine Million Kunden, ging aber dem technischen Problem der Übergabe von Verbindungen vom UMTS- ins herkömmliche Mobilfunknetz aus dem Weg. So müssen Japaner derzeit noch zwei Handys mit sich führen, um mobil erreichbar zu bleiben. (arn)

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