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Politik

"Vertuscht und verschwiegen": US-Armee prüft Todesberichte

Die US-Armee will den Wahrheitsgehalt ihrer Todesberichte prüfen. In einigen Fällen hatte die Armee gegenüber den Angehörigen vertuscht, dass die Soldaten von den eigenen Truppen getötet worden waren.

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Begräbnis eines im Irak-Krieg gefallenen Soldaten auf dem Nationalfriedhof Arlington

USA Soldat Pat Tillman gefallen in Afghanistan

Von Kameraden getötet: Der bekannte Footballer Pat Tillman

Er war der bekannteste Freiwillige der US-Armee. Der American-Football-Star Pat Tillman hängte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seine Sport-Karriere an den Nagel, um als Stabsgefreiter des 75. Ranger-Regimentes in Afghanistan zu kämpfen. Dort kam er im April 2004 um. Die Armee gab an, er sei durch einen Bombenanschlag getötet worden und ehrte ihn mit einem Orden.

Erst Wochen später gab die Army zu, dass Tillman aus Versehen von eigenen Kameraden getötet worden war. Tillmans Mutter Mary übte scharfe Kritik an der Army: "Man hat von Anfang an Dinge vertuscht und uns die Wahrheit verschwiegen. Das Verhalten ist ungeheuerlich und skandalös."

Von Untergebenen ermordet

Tillmans Tod ist nur einer von zahlreichen Fällen, in denen die Familien der Opfer den Verdacht hatten, falsch über die Todesursache informiert worden zu sein. Im Fall von Andre Tyson and Patrick McCaffrey, zwei kalifornischen Angehörigen der Nationalgarde, dauerte es sogar zwei Jahre, bis die Familien die Wahrheit erfuhren. Zunächst hatte es geheißen, die Männer seinen durch einen Hinterhalt getötet worden. Später räumte die Armee ein, dass sie im Juni 2004 von den irakischen Soldaten, die sie ausbildeten, ermordet worden waren.

Auf die Beschwerden reagiert die Armee nun mit einer Untersuchung von Todesfällen, die sie seit 2001 in Afghanistan, im Irak und anderen Ländern verzeichnete. Dies betreffe mehrere hundert Fälle, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf hohe Militärvertreter. Bei der Untersuchung sollen die ursprünglichen Berichte mit den Ergebnissen von neuen Ermittlungen verglichen und auf Unstimmigkeiten geprüft werden.

Friendly Fire

In den kommenden Wochen werde die Armee eine entsprechende Richtlinie herausgeben, erklärten die Armeevertreter. Der amerikanische Brigadegeneral Anthony Cucolo sagte, die Überprüfung der Todesberichte sei nicht neu, sondern eine "strenge und routinemäßige Überprüfung aktueller Todesfälle". Die Mutter von Pat Tillman nannte die Untersuchung einen positiven Schritt, betonte jedoch, die Armee müsse den Hinterbliebenen alle neuen Informationen mitteilen. "Die Menschen werden mit der Wahrheit klarkommen", sagte sie. "Aber wenn man einmal belogen wird, bleibt man misstrauisch."

Der Armee zufolge sind in Afghanistan und im Irak vergleichsweise wenige Soldaten von eigenen Kameraden getötet worden. Den offiziellen Angaben nach starben dort in vier Jahren 17 Soldaten des Heeres durch "friendly fire", rund ein Prozent der im Untersuchungszeitraum gefallenen 1575 Soldaten. Im Golfkrieg von 1991 sei der Anteil mit 17 Prozent deutlich größer gewesen. (stu)

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