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Aktuell Deutschland

Vertraulicher BKA-Bericht: Flüchtlinge begehen weniger Straftaten

Oft fällt der Verdacht bei Kriminaldelikten in Deutschland sofort auf Ausländer oder Asylbewerber. Eine Einschätzung des Bundeskriminalamts rückt da vieles zurecht und entlarvt so manches Vorurteil.

Schon Meldungen oder Spekulationen über eine zunehmende Kriminalität durch die neu angekommenen Flüchtlinge sind laut diesem Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) nicht haltbar. Die Zahl der Straftaten, bei denen Zuwanderer Täter oder Tatverdächtige sind, sei im Laufe dieses Jahres gesunken, zitiert ein Rechercheteam von NDR und "Süddeutscher Zeitung" aus dem ihm vorliegenden vertraulichen Papier der Behörde für die ersten drei Quartale 2016.

Ein Viertel weniger Straftaten 

Im dritten Quartal lag die Zahl dieser Straftaten demnach um knapp ein Viertel (23 Prozent) unter der des ersten Quartals. Erfasst wurden nach diesen Angaben Taten der allgemeinen Kriminalität, die Asylbewerbern, Asylberechtigten oder sich in Deutschland unerlaubt aufhaltenden Personen zugeordnet wurden. Verstöße gegen das Asylrecht flossen nicht ein. Eine BKA-Sprecherin wollte lediglich die Existenz des Berichts bestätigen. Das Bundesinnenministerium will die Daten in der kommenden Woche vorstellen.

Für den Gesamtzeitraum gibt das BKA 214.600 Straftaten durch Zuwanderer an, also einige Tausend mehr als 2015. Im gleichen Zeitraum haben sich in Deutschland allerdings 213.000 zusätzliche Asylbewerber registriert. Die Daten stammen aus laufenden Fallbearbeitungen von Bund und Ländern, oft ist der Ausgang offen.  

Schwarzfahrer und Diebe

Das Papier zeigt nach diesem Recherchen auch, dass ein Großteil der Straftaten als Bagatelldelikte einzuschätzen sind. Allein 17 Prozent der Straftaten resultierten demnach aus sogenannter "Beförderungserschleichung", also Schwarzfahren. Gut ein Viertel der Fälle waren Diebstähle und etwa ebenso viele sogenannte Rohheitsdelikte, also zum Beispiel Körperverletzungen.

Ein überwiegender Teil der Körperverletzungen resultierte aus Konflikten unter Zuwanderern; bei etwa sechs Prozent der erfassten Straftaten ging es um die Verletzung eines Nicht-Zuwanderers. 1,3 Prozent der Taten waren nach diesen Angaben versuchte oder vollendete Sexualdelikte. Insgesamt waren vor allem Diebstahls-, Vermögens- und Fälschungsdelikte zuletzt stark rückläufig.

Zuwanderer vom Balkan und aus dem Maghreb im Visier 

Wie schon in früheren Erhebungen des BKA ergibt sich bei den Tätern oder Tatverdächtigen ein deutlicher Unterschied zwischen den Nationalitäten und den Herkunftsländern. Demnach geraten Syrer, Iraker und Afghanen - alle an der Spitze der Asylstatistiken - relativ selten in den Fokus der Ermittler (Anteil zwei Drittel an allen Zuwanderern; Anteil ein Drittel an den Verdächtigten bzw. Tätern). Deutlich häufiger verdächtigt oder überführt wurden Zuwanderer vom Balkan (11 Prozent der Einwanderer, 19 Prozent der Taten), aus den Maghreb-Staaten (2 und 22 Prozent), aus Gambia, Nigeria und Somalia (zusammen drei bzw. acht Prozent).  

Im Bereich der politisch motivierten Straftaten ist die Bilanz wesentlich negativer. Laut BKA-Analysen gab es bis Mitte November 457 Hinweise auf islamistische Kämpfer oder Sympathisanten, die sich in der Bundesrepublik aufhalten sollen. Es laufen 90 Ermittlungsverfahren, in 19 Fällen geht es auch um Kriegsverbrechen, die von Zuwanderern in Syrien oder im Irak begangen worden sein sollen. 

SC/myk (dpa, SZ, ARD)