1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Vertrauenssache

Gottvertrauen besitzen wenige, Selbstvertrauen schon einige mehr. Wer Vertrauen schenkt, muss nicht vertrauensselig sein. Vertraulichkeit wahrt nicht jeder. Ein Vertrauensverlust wiegt meist schwer.

Ein Gemälde mit einer Sonne

Leben =lieben = vertrauen

Jeder Mensch macht in seinem Leben mit diesem Wort Bekanntschaft: dem Vertrauen – und auch mit seinem Gegenteil, dem Misstrauen. Schon das Baby entwickelt in der Regel ein Urvertrauen, ein Grundgefühl, wem und in welchen Situationen es vertrauen kann. Dieses Gefühl hat der Dichter Kahlil Gibran so formuliert: "Vertrauen ist eine Oase des Herzens, die von der Karawane des Denkens nicht erreicht wird." Hat man dieses Urvertrauen nicht gewonnen, fällt es einem im späteren Leben schwer, zu entscheiden, ob man jemandem trauen kann oder nicht. Fehlt das Urvertrauen ganz, sprechen Psychologen sogar vom Urmisstrauen, das heißt, dass ein Mensch überhaupt niemandem traut.

Vom Trauen und Nichttrauen

Ein Baby auf dem Arm der Mutter

Wichtig für das Urvertrauen

Trauen: Etymologisch ist das Verb die Basis von vertrauen. Im 9. Jahrhundert taucht es im Althochdeutschen auf als (gi)trūwen – in den Bedeutungen fest, sicher sein, glauben, hoffen, aber auch wagen. Traut sich ein Paar, vor den Traualtar zu treten, um sich trauen zu lassen, dann ist es sich sicher, den Lebensweg gemeinsam fortsetzen zu wollen. Es traut sich zu, auch Schwierigkeiten gemeinsam zu überwinden und sich dem anderen immer anzuvertrauen, alles zu erzählen.

Das Präfix ver-, aus dem Lateinischen per-, verstärkt das trauen: Man glaubt jemandem voll und ganz. Das Präfix macht zudem aus dem intransitiven ein transitives Verb mit einer Dativ-Ergänzung: Ich vertraue jemandem.

Von Vertrauensvorschuss und -beweis

Liebesschlösser

Wir vertrauen auf die ewige Liebe

Ob und wie ich einer anderen Person vertraue, hängt davon ab, ob sie mir vertrauenswürdig erscheint. Oft sind dafür erst einige Vertrauensbeweise notwendig, bevor sie zu einer Vertrauensperson oder der Person meines Vertrauens wird, zu der ich ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickle oder der ich sogar blind vertrauen kann. Manche Menschen haben per se schon einen Vertrauensvorschuss: Ihnen glaubt man auch ohne Vertrauensbeweise.

Dafür muss man nicht vertrauensselig, also leichtgläubig oder gar naiv sein. Manchen Leuten vertraut man auch gefühlsmäßig, weil sie einfach eine vertrauensvolle Ausstrahlung haben oder ein vertrauenerweckendes Verhalten an den Tag legen. Mancher erweckt großes Vertrauen durch Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. An so jemanden wendet man sich vertrauensvoll, wenn einen der Schuh drückt und man eine Person braucht, die man ins Vertrauen ziehen, mit der man offen und direkt reden kann. Dann werden schon mal Dinge im Vertrauen gesagt, die nur für diese Person bestimmt sind und auch vertraulich behandelt werden müssen.

Von Vertrauensverlust und Selbstvertrauen

Eine Frau an einem Seil mit Karabinerhaken

Misstrauen oder blindes Vertrauen in die Technik?

Wird Vertraulichkeit gewahrt, kann jemand im Arbeitsleben auch mit einer Vertrauensstellung betraut werden, egal ob als Vertrauensarzt oder Vertrauenslehrer. Die ersten Wochen sind aber auch für Vertrauensleute nicht einfach: Sie müssen sich erst einmal mit der Arbeit und den Kollegen und Kolleginnen vertraut machen, sich informieren.

Missbraucht jemand seine Vertrauensstellung, kommt es schnell zum Vertrauensbruch. Und aus der Vertrauenskrise wird dann ein Vertrauensverlust. Passiert so etwas zum Beispiel einem Regierungsoberhaupt, kann es dem Parlament die Vertrauensfrage stellen. Die Abgeordneten werden dann gefragt, ihm das Vertrauen auszusprechen. Scheitert die Vertrauensfrage, kann das Parlament aufgelöst werden. Wer in einer solchen Situation großes Selbstvertrauen besitzt, übersteht eine derartige persönliche Vertrauenskrise souverän.

Vertrauensvolle und ...

Symbolbild Trauriger Mann in einem leeren Zimmer

Düstere Stimmung nach einem Vertrauensbruch

Mancher gerät aber auch ohne eigenes Verschulden in eine Vertrauenskrise. Nämlich derjenige, der einer bestimmten Person sehr Vertrauliches im Vertrauen erzählt hat und dann seinen Augen nicht traut, wenn diese Person haarklein alles weitererzählt.

Deshalb heißt es nicht umsonst, dass die beste Informationsquelle diejenigen sind, die besonders betont versprechen, das Vertrauliche nicht weiterzuerzählen. Gerade sie sind oft die größten Plaudertaschen! Man sollte daher nach dem Sprichwort handeln: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Es geht übrigens auf den sowjetischen Staatsgründer Lenin zurück.

... misstrauische Persönlichkeiten

Ein gesundes Maß an Misstrauen kann also nicht schaden, selbst wenn jemand wie Mahatma Gandhi der Meinung gewesen sein soll, dass "Misstrauen ein Zeichen von Schwäche" sei. Menschen, die grundsätzlich nur misstrauisch sind, die immer das Schlechte und Negative sehen, verhindern von vornherein vertrauensvolle Beziehungen zu ihren Mitmenschen.

Vertrauen gegen Vertrauen

Also, Vertrauen ist eine Vertrauenssache. Wer nach dem Motto Vertrauen gegen Vertrauen handelt, braucht keine vertrauensbildenden Maßnahmen. Nur, jeder sollte den Spruch Otto von Bismarcks beherzigen: "Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Ist es zerstört, so kommt es so bald nicht wieder."


Fragen zum Text

Hat jemand Angst, etwas zu tun, kann man nicht sagen: …
1. Trau' dich!
2. Betrau' mich!
3. Vertrau' auf dich!

Jemand, der anderen Menschen generell ohne Misstrauen begegnet, ist …
1. vertrauensvoll.
2. vertrauensselig.
3. vertrauenswürdig.

Otto von Bismarcks Spruch bedeutet, dass bei einem Vertrauensbruch …
1. überhaupt kein Vertrauensverhältnis mehr möglich ist.
2. ein Vertrauensverhältnis irgendwann wieder aufgebaut werden kann.
3. die Vertrauensfrage gestellt werden muss.


Arbeitsauftrag
Im Deutschen gibt es sehr viele Sprichwörter und Redewendungen zu verschiedenen Begriffen. Das Wort Vertrauen gehört nicht dazu. Begründen Sie schriftlich, warum das so sein könnte. Diskutieren Sie anschließend in der Gruppe über Ihre Ansichten.

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: Raphaela Häuser

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema