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Aktuell Europa

Vertrauen nahe dem Nullpunkt

Wie tief kann ein Staatschef in der Gunst seiner Wähler noch sinken? Frankreichs unglücklicher Präsident lotet jedenfalls neue Tiefen aus. Inzwischen wären 85 Prozent der Franzosen recht froh, ihn los zu sein.

Das ergab jedenfalls eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop im Auftrag der Sonntagszeitung "Le Journal Du Dimanche". Nur 15 Prozent der Befragten würden eine zweite Amtszeit von Frankreichs Staatspräsidenten François Hollande nicht ablehnen. 85 Prozent möchten nicht, dass der Sozialist bei der Präsidentenwahl 2017 erneut antritt.

Dem 60-jährigen werden vor allem mangelnde Erfolge bei der Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit angelastet. Wegen des innerparteilichen Widerstands gegen seinen Sparkurs, der schließlich in eine Regierungskrise mündete, hatte Hollande zuletzt sein Kabinett umgebildet. Wenig schmeichelhaften Passagen in einem Buch seiner früheren Lebensgefährtin Valérie Trierweiler kosteten den Staatschef weiteres Ansehen in der Öffentlichkeit.

Die Rechtsextremen gewinnen hinzu

Nach Ansicht der unabhängigen französischen Tageszeitung "Le Monde" ist die persönliche Legitimität des Präsidenten "zerschlissen, seine politische Legitimität ruiniert, und das Vertrauen der Franzosen in ihn nahe dem Nullpunkt".

So verhilft die Schwäche des sozialistischen Präsidenten dem äußerst rechten politischen Lager zu einem gewaltigen Aufschwung. Laut einer Ifop-Umfrage für den "Figaro" könnte die Vorsitzende der rechtsextremen Partei Front National, Marine Le Pen, derzeit mit 32 Prozent der Stimmen rechnen. Anschließend könnte sie sogar die Stichwahl für sich entscheiden.

Premierminister Manuel Valls sieht den Front National deshalb vor den "Toren der Macht" angekommen. "Als Mann der Linken werde ich mich niemals damit abfinden können, weil die Schwächsten als erste darunter leiden", sagte der Sozialist beim jährlichen Sommertreffen der europäischen Sozialdemokraten im italienischen Bologna. In ganz Europa müsse die Linke "anders handeln und anders reden", um bei den Wählern anzukommen. Frankreich sei da ein warnendes Beispiel für den ganzen Kontinent.

rb/kle (afp, dpa, rtr)