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Europa

Vertrauen in Griechenland bröckelt

Die Risikozuschläge für griechische Staatsanleihen sind auf den Finanzmärkten so hoch wie nie zuvor - trotz der Garantien, die die EU für Griechenland abgegeben hat. EU-Ratspräsident Van Rompuy erneuerte das Versprechen.

Symbolbild Euro Griechenland Finanzkrise Geld Euro-Münze Eine Wasserpumpenzange hält am 11.03.2010 in Frankfurt am Main eine griechische Ein-Euro-Münze, im Hintergrund sind Euro-Scheine zu erkennen (Illustration). Foto: Tobias Kleinschmidt dpa

Unter Druck: Griechenland muss neue Schulden teuer bezahlen

Der ständige Ratspräsident der Europäischen Union, Herman Van Rompuy, sagte am Mittwoch (07.04.2010) vor dem Europäischen Parlament in Brüssel, dass die EU uneingeschränkt zu ihren Zusagen stehe, Griechenland notfalls mit bilateralen Krediten aus der Patsche zu helfen.

(AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)

EU-Präsident: Griechenland wird geholfen

Die Staats- und Regierungschefs hatten sich bei ihrem Gipfeltreffen Ende März 2010 dazu verpflichtet, Griechenland im Falle einer drohenden Zahlungsunfähigkeit mit Krediten und Bürgschaften in Milliardenhöhe zu helfen. Außerdem soll auch der Internationale Währungsfonds (IWF) eingebunden werden.

Doch dieses Beistandsversprechen überzeugte die internationalen Finanzmärkte nach der Osterpause nicht mehr. Am Mittwoch (07.04.2010) verlangten Anleger so hohe Risikoprämien wie nie zuvor. Der Abstand zwischen zehnjährigen Staatsanleihen aus Deutschland und Griechenland kletterte auf 412 Basispunkte. Auch die Versicherungen für mögliche Kreditausfälle wurden deutlich teurer. Damit muss Griechenland mehr Geld aufwenden, um sich frisches Kapital auf den Finanzmärkten zu besorgen. Das Sanierungskonzept für den griechischen Haushalt könnte ins Wanken geraten, befürchten Finanzexperten.

Bundesregierung gibt sich zuversichtlich

Für die Bundesregierung erklärte ein Sprecher in Berlin, dass Deutschland Vertrauen in die beschlossenen Maßnahmen habe. Man glaube, dass die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung trotz der Unsicherheit auf den Finanzmärkten am Ende die erwünschte Wirkung haben würden, so Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. Experten des Internationalen Währungsfonds prüfen derzeit in Griechenland die Finanzlage. Angeblich fürchtet sich die griechische Regierung vor harten Auflagen des IWF. Das hatte eine Finanzagentur berichtet. Die griechische Regierung wies diese Darstellung zurück. Sie wolle das mit der EU ausgehandelte Rettungskonzept, in dem auf deutschen Druck hin auch der IWF eine große Rolle spielt, nicht verändern.

(AP Photo/Petros Giannakouris)

Griechen protestierten im März gegen harte Sparmaßnahmen

Griechische Banken brauchen frisches Geld

Die vier größten Banken Griechenlands haben sich nach unbestätigen Angaben aus Finanzkreisen an die Regierung in Athen gewandt. Finanzminister George Papakonstantinou sagte am Mittwoch, dass belastete Institute insgesamt weitere 17 Milliarden Euro aus dem griechischen Rettungsfonds beantragt hätten. Dabei handelt es sich um staatliche Bürgschaften. Der Finanzminister wollte die Namen der Banken aber nicht nennen. Regierung und Notenbank in Athen beraten nun, wer wie viel Geld bekommen soll. Viele Anleger haben bereits griechische Bankaktien verkauft. Den Banken fällt es schwerer, sich selber mit Krediten zu versorgen.

Ende der kommenden Woche werden die EU-Finanzminister bei einer informellen Tagung in Madrid erneut über die Schuldenkrise beraten. Umstritten ist in der EU, wie hoch die Zinsen sein müssten, die EU-Staaten von Griechenland für bilaterale Krediten verlangen sollten. Wären sie auf dem Niveau des normalen Finanzmarkts, würden sie Griechenland kaum entlasten. Wären sie billiger, könnten die Finanzspritzen als unzulässige Subvention gewertet werden.

Autor: Bernd Riegert, Reuters, dpa
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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