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Deutschlehrer-Info

Verträge für DaF-Lehrer illegal?

Das Goethe-Institut hat nach Meinung der Deutschen Rentenversicherung möglicherweise zu Unrecht Lehrkräfte als freie Mitarbeiter beschäftigt. Diese Einschätzung könnte Folgen haben auch für andere Kursträger.

Lehrkräfte für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache unterrichten in Deutschland oft freiberuflich. Das heißt, sie erhalten ein Honorar pro Unterrichtstunde – im Integrationskurs sind das 35 Euro – und müssen ihre Kosten für Krankenversicherung oder Altersvorsorge selbst tragen. Sie bekommen weder Urlaubsgeld noch sind sie im Falle der Arbeitslosigkeit abgesichert. Allerdings haben sie häufig nur einen Auftraggeber, sind zum Teil weisungsgebunden und haben einen festen Arbeitsplatz sowie feste Arbeitszeiten – alles Kriterien, die einer selbständigen Beschäftigung eigentlich widersprechen.

Aus diesem Grund ist die Deutsche Rentenversicherung (DRV) jetzt zu der Einschätzung gelangt, dass die Honorarverträge des Goethe-Instituts im Inland, womöglich nicht rechtmäßig sind. Die Versicherung prüft nun, ob eine sogenannte Scheinselbständigkeit vorliegt und das Goethe-Institut Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen muss. 

Die Sprecherin des Goethe-Instituts, Gabriele Stiller-Kern, erklärte, dass das Goethe-Institut die Auffassung des DRV nicht teile. Allerdings würden wegen des Rechtsstreits derzeit keine neuen Verträge mit den bisherigen Honorarlehrern geschlossen. Dies könne auch dazu führen, dass Sprachkurse abgesagt werden müssten. „Wir bemühen uns, soweit wie möglich die Kurse aufrecht zu halten", sagt die Sprecherin.

Nach Informationen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) arbeiten etwa 80 Prozent der Sprachlehrkräfte an Goethe-Instituten freiberuflich auf Honorarbasis. Sie erhalten Verträge jeweils nur für die Dauer eines Sprachkurses. Das Goethe-Institut ist mit dieser Praxis jedoch nicht alleine. Derartige Arbeitsverhältnisse seien im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache die Regel, nicht die Ausnahme, betont Monika Strauß-Rolke vomBündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte.

Das Bündnis sieht weitreichende Folgen auch für andere Kursträger, sofern die DRV tatsächlich eine Scheinselbständigkeit feststellt. „Sollte die Rentenversicherung konsequent der Linie folgen, die beim Goethe-Institut angelegt wird, geraten auch die Integrationskurse in Bedrängnis", sagt Strauß-Rolke. Offen bleibt jedoch, ob eine Festanstellung die prekäre Situation von DaF-Dozenten grundsätzlich verbessern würde: Bislang zahlen Kursträger ihren wenigen festangestellten Lehrkräften oft nicht mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. 

(mit AFP/dpa)

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