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Fokus Osteuropa

Verteidigungsminister Struck im Kosovo: "Statusfrage schnell klären"

Ein Jahr nach den Unruhen zwischen Serben und Albanern hat Bundesverteidigungsminister Peter Struck das Kosovo besucht. In Pristina führte er politische Gespräche. Anschließend besuchte er ein Kloster bei Prizren.

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Struck beim deutschen Kontingent der KFOR-Truppe in Prizren

Vor einem Jahr haben schwere Unruhen zwischen Albanern und Serben das Kosovo erschüttert. Während der Ausschreitungen, bei denen 19 Menschen ums Leben kamen, wurden zahlreiche serbische Kirchen und Klöster zerstört. Darunter auch das Erzengel-Kloster in der Nähe von Prizren, das zum Verantwortungsbereich des deutschen KFOR-Kontingents gehört. Weil die Bundeswehrsoldaten vor einem Jahr die Zerstörung nicht verhindern konnten, haben sie ihr Einsatzkonzept überarbeitet. Wie die Situation ein Jahr nach den Unruhen ist, wollte Verteidigungsminister Peter Struck am Dienstag (22.3.) wissen, als er während seiner Kosovo-Reise auch das Erzengel-Kloster besuchte.

Mönchsleben im Schatten von Wachtürmen und Scharfschützen

Die serbischen Mönche des Erzengel-Klosters leben seit einem Jahr hinter dickem Stacheldraht, bewacht von 20 deutschen KFOR-Soldaten. Scharfschützen, postiert auf den umliegenden Hügeln, lassen das Kloster in der Nähe von Prizren im Süden des Kosovo keine Sekunde aus den Augen. Denn es soll sich auf keinen Fall das wiederholen, was sich im März 2004 hier abgespielt hat.

"Vor einem Jahr kam es hier zu Unruhen. Es kamen gewaltbereite Demonstranten aus dem Bereich Prizren hier zum Erzengel-Kloster heraus, sind gewalttätig in das Kloster eingedrungen und haben das Hauptgebäude niedergebrannt." Gegen 250 gewalttätige Kosovo-Albaner konnten die zehn deutschen Soldaten wenig ausrichten, erzählt Hauptmann Hagen Ruppelt. Also brachten sie die Mönche in Sicherheit und suchten dann selbst das Weite, das serbisch-orthodoxe Kloster ging in Flammen auf.

Ein Kloster als Festung

Inzwischen sind einige Wohnräume wieder repariert und eine Handvoll Mönche zurückgekehrt. In ihren schlichten schwarzen Gewändern laufen sie Verteidigungsminister Peter Struck entgegen, zeigen ihm die ausgebrannte Kapelle. Dass die Bundeswehr nach den Unruhen aus ihrem Kloster eine gut bewachte Festung gemacht hat, beruhigt sie zwar. Aber völlig sicher fühlt sich Mönch Jovan auch im Schatten der neugebauten Wachtürme nicht. "Ohne die Soldaten könnten wir hier nicht einen Tag bleiben."

Struck: "Situation ist labil"

Die Soldaten haben aus ihren Fehlern vom vergangenen Jahr gelernt: Die serbische Minderheit wird umfangreicher geschützt als je zuvor. Außerdem haben die Soldaten Unterricht bekommen im Umgang mit randalierenden Menschenmengen und die entsprechende Ausrüstung: Schutzschilde, Schlagstöcke, spezielle Helme, Pfefferspray. All das wird Peter Struck vorgeführt, der aber mutmaßt, dass auch die beste Ausrüstung nur begrenzt helfen kann. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es hier eine labile Situation gibt. Dass die Oberfläche ruhig ist, dass aber die Tatsache, dass wir hier sechs Mönche mit diesem Aufwand schützen müssen, ein Beweis dafür ist, dass man nach wie vor mit Unruhen rechen muss, die ganz schnell wieder aufbrechen können."

Rasche Klärung der Status-Frage notwendig

Für die insgesamt 19.000 Soldaten der KFOR heißt das: Ihr Einsatz ist auch fast sechs Jahre nach dem Ende des Krieges unverzichtbar. Auch Deutschland werde weiterhin mit über 3.000 Soldaten präsent sein, sagt Peter Struck. Aber trotzdem müsse endlich über den Status der Provinz gesprochen werden, die völkerrechtlich zu Serbien gehört, aber nicht gehören will. "Es ist entscheidend, dass baldmöglichst eine Entscheidung über die Statusfrage getroffen wird, damit Ruhe in diesem Land einkehren kann und wir dann nach und nach unsere Truppenpräsenz reduzieren können." Eine völlige Unabhängigkeit hält Struck nicht für eine realistische Option - diese Forderung hatte Präsident Ibrahim Rugova nach seinem Gespräch mit dem Verteidigungsminister formuliert.

Peter Struck wirft noch einen Blick auf das martialisch geschützte Kloster, wobei ihm das Entsetzen deutlich ins Gesicht geschrieben steht. Die Mönche wenden sich wieder dem Gebet zu, während die Scharfschützen der Bundeswehr die Straße nach Prizren beobachten - Alltag im deutschen Einsatzgebiet im Kosovo ein Jahr nach den Unruhen.

Nina Werkhäuser
DW-RADIO, 23.3.2005, Fokus Ost-Südost

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