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Nahost

Vertane Chancen?

Das erste Mal seit 20 Jahren lädt die Fatah zum Parteitag. Ein positives Zeichen, glauben viele Zeitungskommentatoren, doch die Palästinenser hätten auch große Chancen vertan: Die internationale Presseschau:

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Auf dem ersten Parteitag seit 20 Jahren hatte Mahmud Abbas das Streben nach einer umfassenden Friedensregelung mit Israel bekräftigt. Gleichzeitig betonte der 74-Jährige das "Recht auf Widerstand" gegen die israelische Besatzung. Für die Salzburger Nachrichten ist das eine enttäuschende Einschränkung:

"Der Parteitag in Bethlehem ist eine Gelegenheit, eine neue Richtung einzuschlagen. Die Fatah könnte dem Krieg ein für alle Mal entsagen, sich vor den Augen der gesamten Welt für einen friedlichen Unabhängigkeitskampf entscheiden und so Israel diplomatisch in die

Defensive drängen. Aber wer die Fatah hört, muss befürchten, dass diese Gelegenheit erneut verpasst wird. Die Fatah will Stimmen zurückgewinnen, indem sie Hassparolen der Hamas kopiert. Das ist tragisch für den Westen, dem der einzige Gesprächspartner bei den Palästinensern verlorengehen könnte."

Und auch die Süddeutsche Zeitung ist überzeugt, dass die Fatah mit dieser Aussage Abbas ' eine Chance vertan hat:

"Gerade jetzt müssten die Palästinenser Netanjahus rechte Regierung zu Friedensgesprächen zwingen. Internationale Hilfe wäre ihnen gewiss. So aber vergeben sie die Chance, indem sie auf Gewalt schwören und Arafat glorifizieren. Anstatt alle paar Tage in die Hauptstädte der Welt zu fliegen, sollte Abbas sich darum kümmern, den Bruderkampf zwischen seiner Fatah und der Hamas beizulegen."

Thema des Fatah-Parteitages war auch die innere Reform, denn die Partei ist zerstritten und von Korruption durchsetzt. Und ohne einen tiefgreifenden Wandel wird die Fatah nie das Ansehen zurückerlangen, das sie einst genossen hatte, glaubt die linksliberale spanische Zeitung El País:

"Der Parteitag der Fatah ist der erste seit 20 Jahren. Warum findet er jetzt statt? Das Treffen ließ sich einfach nicht weiter hinausschieben. Die historischen Palästinenserführer Jassir Arafat und Faisal Husseini stehen offiziell noch immer an der Spitze des Zentralkomitees, obwohl sie schon vor Jahren gestorben sind. Das zeigt, wie verknöchert die Organisation ist. "

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschäftigt sich mit den dringend notwendigen inneren Reformen der Fatah:


"Darüber, dass die Fatah-Spitze jünger werden muss, scheinen sich die meisten in Bethlehem einig zu sein. Ein Generationswechsel, der diesen Namen verdient, ist aber praktisch ausgeschlossen. Seit Wochen ist zwar viel von einer ungeduldigen 'jungen Garde' die Rede. Aber 'jung' ist in der Fatah, deren Führungspersonal im Rentenalter ist, wessen vierzigster Geburtstag nicht allzu lang zurückliegt. Die Mehrheit der Parteitagsteilnehmer und Kandidaten ist erkennbar älter. Ein Umsturz ist von den Delegierten, deren Namenslisten die 'alte Garde' um die bisherige Führung unter Mahmud Abbas zusammengestellt hat, kaum zu erwarten."

Auch in Israel blickt man mit Interesse nach Bethlehem: "Es gibt nichts, was Israelis - egal welcher politischen Richtung sie auch anhängen mögen - lieber hören würden, als eine Botschaft der Versöhnung" schreibt die Jerusalem Post aus Israel:

"Nichts würde sie mehr freuen als ein Zeichen, dass sie echten Partnern gegenüberstehen, mit denen sie voller Vertrauen verhandeln können. Doch bis jetzt sind die Signale aus Bethlehem nicht geeignet, diese Hoffnungen zu nähren. Die Fatah ist in keiner guter Verfassung. Der Machtkampf mit der Hamas stärkt die radikalen Kräfte. Täglich sind die Palästinser anti-israelischer Propa-ganda ausgesetzt. Wer da mit der Bereitschaft für Kompromisse für sich werben will, tut sich schwer".

Und die arabische Zeitung Gulf News aus Dubai meint:


"Palästinenserpräsident Abbas kann es sich nicht leisten, die Spaltung zwischen seiner Partei und der Hamas einfach zu ignorieren. Diese Spaltung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Palästinenser und behinderte ihren Kampf um Gerechtigkeit. Dieser Kongress ist nun die perfekte Gelegenheit für die Fatah, einen neuen und hoffentlich erfolgreicheren Anlauf zu starten, die Palästinenser zu einen und die Differenzen mit der Hamas auszuräumen."

Zusammengestellt von Ina Rottscheidt

Redaktion: Sarah Mersch