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Wirtschaft

Verstaatlichung verhindert Banken-Pleite

Die österreichische Tochter der Bayerischen Landesbank wird verstaatlicht. Nach langem Ringen hat sich die Bundesregierung in Wien bereiterklärt, die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) so vor der Insolvenz zu bewahren.

Die Zentrale der HGAA in Klagenfurt (Kärnten) (Foto: AP)

Die Zentrale der HGAA in Klagenfurt (Kärnten)

Durch die Übernahme werde die sechstgrößte Bank des Landes vor einem Zusammenbruch bewahrt, erklärte Österreichs Finanzminister Josef Pröll am Montag (14.12.2009). Kurz vor Öffnung der Filialen war die Rettung der Bankengruppe offiziell. Der deutsche Mutterkonzern, die BayernLB, willigte nach eigenen Angaben ein, seine Anteile zum symbolischen Preis von einem Euro an Österreich abzutreten. Die BayernLB war mit 67 Prozent größter Anteilseigner der Hypo Alpe Adria. Ebenfalls je einen symbolischen Euro bekommen die weiteren Eigentümer, die Versicherungsgesellschaft "Grazer Wechselseitige" und das Land Kärnten. Damit gehen die Anteile vollständig an den österreichischen Staat über.

Teurer Deal für bisherige Eigentümer

Die Großaktionäre tragen nach Worten des österreichischen Finanzministers durch den Abtritt ihrer Anteile mit mehr als einer Milliarde Euro zur Sanierung der HGAA bei. Die Bayerische Landesbank verzichtet nach eigenen Angaben auf bestehende Forderungen gegenüber der Hypo Alpe Adria in Höhe von 825 Millionen Euro. Mehrere österreichische Banken sagten zudem zu, der HGAA weitere 500 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

Fahrenschon: Systemrelevante Bank stabilisiert

Bayerns Finanzminister Fahrenschon (Archivfoto: AP)

Fahrenschon: Beitrag der BayernLB war notwendig

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon, der Verwaltungsratsvorsitzender der BayernLB ist, bezeichnete den Sanierungsbeitrag der deutschen Mutter als notwendig. "Damit ist es gelungen, gemeinsam mit der Republik Österreich und den übrigen Altaktionären eine für Österreich und Südosteuropa systemrelevante Bank zu stabilisieren", erklärte Fahrenschon laut einer Pressemitteilung. BayernLB-Chef Michael Kemmer bezeichnete die Trennung von der HGAA als schmerzhaften Schritt, der aber für alle richtig sei. Wenig später teilte Kemmer mit, seinen Posten an der Spitze der BayernLB zu räumen.

Alle beteiligten Parteien hatten am Wochenende bei einem Krisengipfel in Wien über die Zukunft der von der Insolvenz bedrohten Bank beraten. Am Ende soll sich auch der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, eingeschaltet haben. Die HGAA gilt als "systemrelevant", ihr Zusammenbruch hätte weitreichende Folgen gehabt.

Österreichische Nationalbank zufrieden mit Verstaatlichung

Die Österreichische Nationalbank begrüßte die Einigung. Dadurch sei eine massive Gefährdung für die Privatkunden wie auch die gesamte Wirtschaft Österreichs zu einem kritischen Zeitpunkt vermieden worden, teilte die Bank mit. "Diese Lösung ist zweifellos im Interesse aller Österreicherinnen und Österreicher, da eine Insolvenz mit deutlich höheren Kosten für den Steuerzahler verbunden gewesen wäre", sagte Nationalbankchef Ewald Nowotny.

Die Hypo Alpe Adria war unter anderem wegen ihres Geschäftes in Süd- und Südosteuropa in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Die selbst vom Freistaat Bayern gestützte BayernLB hatte die HGAA wegen ihres vermeintlich wachstumsstarken Balkan-Geschäfts 2007 gekauft. Insgesamt dürfte die Landesbank durch dieses Engagement nun aber rund vier Milliarden Euro versenkt haben.

Die Eigentümer der Hypo Alpe Adria hatten wochenlang über eine Lösung gestritten, die Einigung kam am Montagmorgen nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon kurz vor Öffnung der Schalter zustande. Es war ein Ansturm der Sparer auf ihre Konten befürchtet worden.

Autor: Frank Wörner (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Ulrike Quast

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