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Deutschland

Verstärkter Schutz an deutschen Küsten

Noch immer sind sich Wissenschaftler uneins über die Auswirkungen des Klimawandels auf die deutschen Küsten. Dennoch wappnet man sich an Nord- und Oststee bereits gegen Überflutungen, Uferrückgang und Landverluste.

Eine Frau joggt auf dem Deich an der Flensburger Förde. (Foto: AP)

Deich an der Flensburger Förde

Hohe Wellen klatschen an die Küsten, spülen Sand weg und greifen nach den Deichen – jede Sturmflut an Nord- und Ostsee bedroht die Küsten und lässt ihre Inseln schrumpfen. Zusätzlich steigt der Meeresspiegel. Wissenschaftler vermuten, dass sich der Anstieg beschleunigen könnte. "Wenn sich das Wasser aufgrund der Erwärmung der Meere stärker ausdehnt, steigt der Meeresspiegel in den nächsten 100 Jahren um etwa einen halben Meter an", erklärt Ralf Kaiser von der Niedersächsischen Küstenschutzbehörde. Die Bundesländer, die an Nord- und Ostsee grenzen, bauen deshalb Schutzmaßnahmen verstärkt aus.

Deiche und Dünen

Die wohl bekannteste Methode sind Deiche. Die künstlich aufgeschütteten Dämme verlaufen längs des Meeresufers und schützen vor Überschwemmungen und Sturmfluten. "In Niedersachsen bauen wir die Deiche 50 Zentimeter höher als bisher", sagt Küstenexperte Kaiser. Einen natürlichen Küstenschutz verfolgen Forscher mit den Dünen, die sich durch Sandablagerungen bilden. Denn den geben sie teilweise an den Strand ab und machen ihn dadurch breiter und höher.

"In manchen Fällen greifen wir in die Natur ein und erhöhen die Dünen zusätzlich, indem wir an der Binnenseite Sand aufschütten", sagt Kaiser. Damit werde verhindert, dass die Dünen bei Sturmfluten durchbrechen. Allerdings zeigen wissenschaftliche Studien, dass es durch den Klimawandel bisher nicht mehr Sturmfluten gibt. In Schleswig-Holstein bereitet man sich dennoch auf mögliche negative Folgen vor. Das Land gibt 2010 für den Küstenschutz etwa 60 Millionen Euro aus.

Betonsteine helfen nicht

Die Tetrapoden werden am Strand von Westerland auf Sylt nebeneinander gereiht (Foto: AP)

Tetrapoden am Strand von Westerland auf Sylt

Die Insel Sylt leidet besonders unter den Sturmfluten. Jedes Jahr wird die größte nordfriesische Insel um ein bis zwei Meter kleiner. Küstenschutz war auf Sylt deshalb schon immer nötig, der Klimawandel könnte die Lage aber noch verschärfen. In den 1960er Jahren versuchte man, den ständigen Sandverlust mit festen Bauwerken zu verhindern. Forscher reihten sechs Tonnen schwere Betonsteine, so genannte Tetrapoden, an der Küstenlinie aneinander oder schichteten sie aufeinander. Sie dienen als Wellenbrecher und mindern die Kraft der Wellen, die gegen das Ufer schlagen. Helfen konnten die Tetrapoden allerdings nicht. Sie brechen zwar Wellen, können aber keinen Sand halten. Manchmal werden sie sogar unterspült, versinken im Sand - und beschleunigen damit den Landverlust.

Deshalb greift man auf Sandvorspülungen zurück. Dabei saugt ein Schiff etwa zehn Kilometer vor der Küste Sand vom Meeresboden auf und pumpt ihn über Rohre auf den Strand. Mit über einer Million Kubikmeter Sand füllen Küstenschützer die Sanddepots der Sylter Strände dieses Jahr auf. Die Sandvorspülungen kosten das Land Schleswig-Holstein, zu dem Sylt gehört, etwa sechs Millionen Euro im Jahr. Die Methode verhindert bislang erfolgreich, dass die Küste abbricht, schützt vor Überflutungen und sichert damit über 20.000 Einwohner.

Buhnen an der Ostsee

Spaziergänger laufen zwischen den Buhnen am Strand von Hohwacht an der Ostsee (Foto: AP)

Buhnen am Strand von Hohwacht an der Ostsee

An der Ostsee kommt es zwar seltener zu Sturmfluten, dennoch beugt man auch hier Extremereignissen und dem erwarteten Meeresspiegelanstieg vor. Die Forscher vertrauen neben den Dünen auf so genannte Buhnen. Diese Pfähle aus Holz, Stein oder Beton werden im rechten Winkel zum Strand aufgereiht. "Durch die Buhnen brechen die Wellen vor der Küste und verhindern damit, dass der Strand verkleinert wird", erklärt Birger Gurwell vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg. Auch an der Ostsee verbreitern Küstenschützer die Dünen mit Sand, wenn sie zu schmal sind.

Forscher warnen jedoch vor einer Panikmache. Sturmfluten kommen bisher nicht häufiger vor und die tatsächlichen Auswirkungen des Klimawandels können nur prognostiziert werden. Dennoch: Viele Orte an der Nord- und Ostsee liegen unter einem Meter über dem mittleren Meeresspiegel und sind deshalb überflutungsgefährdet. "Ein verstärkter Küstenschutz sichert die Küstenregionen und ihre Bewohner, wenn es tatsächlich zu dem erwarteten Anstieg des Pegels kommt", blickt Birger Gurwell zuversichtlich in die Zukunft.

Autorin: Anja Schaub

Redaktion: Klaudia Prevezanos

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