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Verstärkte Zusammenarbeit mit Indonesien

Bundespräsident Wulff hat seine Asien-Reise mit dem Besuch Indonesiens beendet. Wulff sieht in dem riesigen Insel-Staat ein Vorbild für sein Leitmotiv "Einheit in Vielfalt".

Bundespräsident Christian Wulff und der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono am Donnerstag (01.12.11) im Präsidentenpalast in Jakarta(Foto: Clemens Bilan/dapd)

Wulff wird von seinem indonesischen Amtskollegen Yudhoyono in Jakarta begrüßt

Der Staatsbesuch von Bundespräsident Christian Wulff verlief noch offener und freundschaftlicher, als er gehofft hatte. Mit knapp 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertgrößte Land der Welt nach China, Indien und den USA. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Obwohl die schweren Unruhen im Osten des Inselreiches (Ambon), denen vor allem Christen zum Opfer fielen, erst zehn Jahre zurückliegen, gestaltet sich das Verhältnis der verschiedenen Religionen einigermaßen konfliktfrei. Das wurde Wulff bei seinem Besuch der nur 300 Meter voneinander entfernt stehenden gewaltigen Istiqlal- (Unabhängigkeits-) Moschee und der Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale in Jakarta von Imam und Priester bestätigt.

Bundespräsident Wulff lässt sich am Donnerstag (01.12.11) in Jakarta vom Gross-Imam Ali Mustafa Yaqub die Istiqlal-Moschee zeigen. (Foto: Clemens Bilan/dapd)

Wulff lässt sich die Istiqlal-Moschee in Jakarta zeigen

Wulff macht keinen Hehl daraus, dass er dieses harmonische Miteinander gern überall vorfände, auch auf die Gefahr hin, als sogenannter Gutmensch belächelt zu werden. Als Bundespräsident will er vor allem die Beziehungen zu denjenigen Ländern vertiefen, die Werte wie Menschenrechte, Demokratie und religiöse Toleranz teilen, wie beispielsweise Indonesien, um auf diese Weise radikalisierten Ländern etwas entgegenzusetzen. Bei der Pressekonferenz bat er den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, anderen islamischen Ländern verstärkt Angebote zu machen, diese auf dem Weg zur Demokratie zu begleiten.

Neue Mittelschicht mit neuen Bedürfnissen

Eingang zu einer Klinik in Jakarta an einer befahrenen Straße (Foto: DW/Ziphora Robina)

Indonesien wünscht sich Unterstützung auf dem Gesundheitssektor

Präsident Yudhoyono seinerseits betonte den Entwicklungsbedarf seines Landes. Er legte Wulff einen Katalog darüber vor, in welchen Bereichen sich Indonesien mehr Zusammenarbeit wünscht. Da ist zum einen der Gesundheitsbereich. Da in Indonesien die Mittelschicht stark wächst, werden von ihr andere Gesundheitsdienstleistungen gefordert als bisher. Dann wünscht sich Indonesien Hilfe und Kooperation bei der technischen Ausbildung. Da die Infrastruktur dringend ausgebaut werden muss, besteht großes Interesse an Projekten mit privater Unterstützung, sogenannte "Public-Private"-Partnerschaften. Ebenfalls großer Bedarf besteht an sauberen Energien. Indonesien sieht in Deutschland in diesem Bereich einen starken Partner.

Bundespräsident Wulff machte dem indonesischen Präsidenten Yudhoyono umgekehrt das Angebot einer Schuldenumwandlung zur Finanzierung des deutsch-indonesischen Stipendienprogramms. Die Bundesregierung erlässt dabei Indonesien Schulden von 18,8 Millionen Euro. Die etwa 240 indonesischen Studenten, die mit diesem Stipendium 2012 nach Deutschland kommen, sind gerade im Auswahlverfahren. Indonesien verpflichtet sich im Gegenzug, 9,3 Millionen Euro für Promotionsstipendien und Forschungsaufenthalte für indonesische Postgraduierte in Deutschland bereitzustellen. Ziel ist es, die Qualifikation von bis zu 240 indonesischen Hochschuldozenten zu verbessern.

In Sparsamkeit vereint

Ein Bankangestellter mit Bündeln von Rupien in der indonesischen Zentralbank (Foto: dpa)

Lob für Indonesiens sparsame Haushaltung

Natürlich kam auch die aktuelle Euro-Schuldenkrise zur Sprache, die auch Asien nicht gleichgültig lassen kann. In diesem Zusammenhang stellte Wulff als weitere Gemeinsamkeit zwischen beiden Ländern fest: "Deutschland ist sparsam und Indonesien konsolidiert". In seinem Gespräch mit dem indonesischen Präsidenten seien sich beide einig gewesen, dass sich die Finanzmärkte festen Regeln unterwerfen müssten. Indonesien, lobte Wulff, habe nur eine Staatsverschuldung von 26,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch hier stimmten beide überein, dass nicht auf Kosten der folgenden Generationen gelebt werden dürfe.

Zur weiteren Verbesserung der Beziehung wird jetzt ein sogenanntes Beratergremium eingesetzt. Experten aus Kultur, Wirtschaft und auch Medien aus beiden Ländern sollen die Regierungen beraten, in welchen Bereichen mehr Zusammenarbeit möglich wäre. Jede Seite benennt etwa 20 Experten. Die aus Deutschland möchte Wulff noch vor dem Besuch der Bundeskanzlerin in Indonesien im August nächsten Jahres bestimmen.

Beim Staatsbankett gewann man zunehmend den Eindruck: Dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Präsidenten Yudhoyono, der einst Musiker war, ließ ein von ihm komponiertes Lied vortragen. Als kleine Aufmerksamkeit hatte jeder Gast ein kleines Musikinstrument aus Plastik vor seinem Teller liegen. Bundespräsident Wulff zeigte, dass er auf diesen Saiten auch spielen kann. Als Gastgeschenk hatte er Yudhoyono eine Konzertgitarre mitgebracht, und zwar genau das Modell, das sich Ex-Beatle Paul McCartney als erstes gewünscht hatte.

Autorin: Bettina Stehkämper
Redaktion: Hans Spross

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