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Kultur

Verständigung mit Händen und Füßen

Mit über zwei Millionen sind die Türken die größte ausländische Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Die meisten Familien kamen in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter - meist ohne die Absicht, für immer zu bleiben.

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Fühlen sich in Deutschland wohl: türkische Einwanderer

"Es kamen arbeitssuchende Menschen hierher, die enthusiastisch waren und Visionen hatten. Es ging darum, für kurze Zeit hier zu arbeiten, Geld zu erwirtschaften und dann in der Heimat mit dem Geld etwas zu kaufen und seine Existenz weiter zu sichern." Diese Sätze von Murat Güngör, Mitarbeiter des Dokumentationszentrums und Museums über die Migration aus der Türkei (DOMIT), sind charakteristisch für die ersten Gastarbeiter aus der Türkei.

So wie viele wollte auch Yilmaz Kinali nur ein paar Jahre hier bleiben, ein wenig Geld verdienen und dann zurück in die Heimat - mit dem verdienten Geld ein Auto kaufen. Nach der Gesundheitsprüfung in der deutschen Verbindungsstelle in Istanbul begann im April 1964 für ihn die Reise nach München. Die Anreise mit der Eisenbahn aus Istanbul dauerte damals drei Tage. Der hygienische Zustand der Zugabteile und sanitären Anlagen war oft katastrophal, und der Komfort war sehr eingeschränkt.

Verständigung mit Händen und Füßen

In München bekamen die Gastarbeiter, bevor sie in ihre Städte verteilt wurden, erst einmal etwas zu Essen. In der Zielstadt Köln angekommen, begann Yilmaz Kinali mit der Arbeit beim Autohersteller Ford. In den ersten Wochen und Monaten hatten es die türkischen Gastarbeiter nicht leicht. Kaum einer konnte die Sprache, deshalb verständigten sie sich oft mit Händen und Füßen. "Um beim Metzger ein bisschen Rindfleisch zu kaufen, gab ich 'Muh'-Laute wie eine Kuh von mir. Solche Momente hatten wir oft", erinnert sich Kinali.

Türken in Deutschland Tanz

Ihre Kultur können türkische Einwanderer auch in Deutschland ausleben

Rückkehrabsichten in die Heimat hatte Yilmaz Kinali nur in den ersten Monaten und Jahren. Mittlerweile ist der 68-jährige Rentner schon seit 42 Jahren in Deutschland, seine vier Kinder sind alle hier geboren und hier aufgewachsen. Seine Eltern in Istanbul sind gestorben und eine Rückkehr in die Heimat komme für ihn nicht in Frage, erklärt Kinali weinend. "Die Türkei ist natürlich mein Heimatland. Doch wenn Deutschland etwas passieren würde, dann wäre ich der erste, der nach einer Waffe greifen würde. Die Deutschen wollen uns vielleicht nicht, aber ich würde für dieses Land sterben."

Die meisten blieben

So wie Yilmaz Kinali sind die meisten in Deutschland geblieben - nicht zuletzt auf Bitten der deutschen Industrie, die es schnell leid wurde, alle zwei Jahre neue Gastarbeiter anlernen zu müssen. Das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit und die Anwerbung von Gastarbeitern hatte 1973 mit der weltweiten Ölkrise ein Ende. "Das hat dazu geführt, dass die damalige Regierung sich dazu entschlossen hatte, die Arbeitsmigration nach Deutschland zu beenden und mit den hiesigen Arbeitskräften dieses Potential zu gewährleisten", erklärt Murat Güngör von DOMIT.

Die Rechnung der Regierung ging aber nicht auf. Im Gegenteil: Viele türkische Gastarbeiter holten ihre in der Heimat gebliebenen Familien nach Deutschland. Auch ein zweiter Versuch im Jahr 1984, die Zahl der Einwanderer zu stoppen und sogar zur Rückkehr zu bewegen, schlug fehl.

Für die Urlaubszeit perfekt

Mittlerweile leben mehr als zwei Millionen Türken in Deutschland. Besonders die Jugendlichen kennen Deutschland und die deutsche Sprache besser als die Türkei und die türkische Sprache. So auch die 22-jährige Rabiye Yigit: "Für die Urlaubszeit ist die Türkei auf jeden Fall perfekt, aber für immer dort leben möchte ich, glaube ich, nicht. Vielleicht auch wegen der Sprache - ich bin zwar auch selbst Türkin, aber beherrsche die Sprache nicht so gut." So wie Rabia denken viele türkische Jugendliche, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Für sie ist die Türkei ein fremdes Land. Ihre Heimat ist Deutschland.

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