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Wirtschaft

Versicherung für Offshore-Windräder

Künftig sollen Windräder auf hoher See viel Energie liefern. An solchen Anlagen zerren aber starke Naturkräfte, was das Geschäft aufwendig und teuer macht. In Bremen können die Betreiber sich gegen Risiken absichern.

Baufeld Offshore Park Baltic One: Siemens-Turbinen auf der Ostsee (Foto: Dierk Jensen)

Auf hoher See sind Reparaturen teuer

Die 11-köpfige Besatzung des Offshore-Versorgerns „Emsstrom“ fährt hinaus zum Windpark alpha-ventus. 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum stehen die ersten zwölf Offshore-Windkraftanlagen in der 40 Meter tiefen deutschen Nordsee. An sechs Windrädern mussten die Getriebe ausgetauscht werden. Reparaturen an Windkraftanlagen, die im Meer stehen, sind aufwendig und teuer.

Über 20 Windparks sind in der deutschen Nordsee bislang genehmigt. Jeder einzelne Park kostet bis zu 1,5 Milliarden Euro. Für weitere 55 Offshore-Parks läuft der Bauantrag bereits. "Keiner würde eine oder 1,5 Milliarden Euro investieren, ohne den für ihn passenden Versicherungsschutz zu haben", sagt Thomas Haukje, Geschäftsführer von Lampe & Schwartze, mit 160 Mitarbeitern eines der größten maritimen Versicherungsunternehmen, das technische Risiken wie den Ausfall eines Getriebes oder eines Generators versichert. Haukje: "In fast jedem Windpark wurden in der Errichtungsphase Kabel beschädigt."

Regenerative offshore-Energie im Kommen

Ein kaputtes Getriebe eines Windrades (Foto: Offshore)

Besonders auf hoher See wird das Material stark beansprucht

Ein Viertel des deutschen Energiebedarfs soll bis 2020 aus regenerativen Energiequellen gewonnen werden. Ohne die Parks draußen auf hoher See ist das nicht zu schaffen. 350 Offshore-Windräder im In- wie im Ausland hat das Bremer Unternehmen versichert. Immer wieder kommt es zu Schäden an der Verbindung zwischen erstem Turmsegment und dem Offshore-Fundament.

Im Versuchsfeld Alpha Ventus, 45 Kilometer vor der deutschen Nordsee-Küste, kontrollieren die Techniker die neueingebauten Getriebe, bevor die Anlage wieder ans Netz geht.

Eine wichtige Rolle bei der Versicherung von offshore-Windkraftanlagen spiele dabei der skandinavische und aus langer Tradition heraus der englische Versicherungsmarkt, sagt Geschäftsführer Haukje. "Der deutsche Markt erwacht erst gerade." 40 Meter tief ist im Durchschnitt die deutsche Nordsee; vor den britischen Küsten sind es gerade einmal 10 bis 20 Meter. Da lässt sich ein Windrad leichter aufstellen; entsprechend aufwändiger und schwieriger ist es in deutschen Gewässern. Aber auch hier wird die Nordsee mehr und mehr zur Baustelle, freut sich Thomas Haukje. "Das entscheidende am Versicherungsgeschäft von offshore-Windenergieanlagen ist, die nautische mit der technischen Expertise zu verheiraten."

Am Anfang war das Überseekabel

Ausgebrannte Gondel eines Windrades (Foto: Offshore)

Auch die Gondeln können ausbrennen

Über 150 Jahre ist das Versicherungsunternehmen im Geschäft. Zunächst wurden Schiffe und Waren für den Export versichert. Seit 1905 arbeiten die Bremer mit den Norddeutschen Seekabelwerken zusammen, erläutert Patrick Wendisch, einer von vier geschäftsführenden Gesellschaftern. Damals war es ein transatlantisches Seekabel, heute sind es die Verkabelung innerhalb eines Windparks, die die Bremer versichern, und die Verbindung zum Festland-Netz. "Wegen der niedrigeren Strömungsgeschwindigkeiten ist das Risiko des Freispülens des Kabels in größeren Wassertiefen geringer als in flacheren Gebieten." Versichert wird daher nicht nach Wassertiefe, sondern nach Verlässlichkeit der eingesetzten Technik.

Im Offshore-Windpark Alpha-Ventus geht ein langer Arbeitstag zu Ende. Der Schlepper sammelt die Männer ein. Alle 12 Anlagen des Versuchsfelds drehen sich wieder im scharfen Wind der Nordsee. In 15 Jahren sollen sich 4.000 Windmühlen dort draußen auf hoher See in Betrieb sein. Auf die Bremer Versicherer wartet jede Menge Arbeit und ein lukratives Geschäft. Lampe & Schwartze-Geschäftsführer Thomas Haukje rechnet damit, dass künftig pro Jahr ein bis drei Parks ans Netz gehen werden.

Autor: Godehard Weyerer

Redaktion: Insa Wrede