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Sport

Verschwörungtheorien und Zirkus

Erwischt es in der Gruppe C heute den nächsten Favoriten? Italien muss gegen Bulgarien gewinnen - macht sich aber vor allem Sorgen um einen nordischen Solidarpakt.

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Italien will genau hingucken

Das Finale in der Gruppe C um den Einzug ins EM-Viertelfinale lädt geradezu zum Spekulieren ein: Italien muss auf jeden Fall gegen die schon ausgeschiedenen, punkt- und torlosen Bulgarien gewinnen - je höher desto besser. Schweden genügt in jedem Fall ein Unentschieden. Dänemark wäre bei einem 0:0 draußen, wenn Italien gewinnt und müsste bei einem 1:1 hoffen, dass der dreimalige Weltmeister nicht höher als mit einem Tor Unterschied gegen Bulgarien gewinnt. Wenn die beiden Konkurrenten Dänemark und Schweden (beide 4 Punkte) ihr Duell mit einem torreichen Remis (ab 2:2) beenden, können die Italiener gegen Bulgarien so hoch gewinnen wie sie wollen - sie müssten schon nach der Vorrunde nach hause fahren. Schreit das im 97. Duell der beiden Nachbarn nicht geradezu nach Mauschelei? Nach einem verschobenen Spiel, wie es Deutschland und Österreich bei der WM 1982 so unrühmlich wie offensichtlich durchexerzierten?

"Will 50 Kameras"

Dänische Fans, Euro2004, Gruppe C

Wenn da mal nicht gemauschelt wird...

In Italien erinnert das aufkommende Misstrauen an das umstrittene Ausscheiden bei der WM 2002, als man sich südlich der Alpen so sehr verschaukelt vorkam, dass sogar das Parlament über die Schiedsrichterleistung beriet. Nun befürchten Italiens Medien, dass die Azzuri wieder unredlich aus dem Turnier befördert werden. "Wir müssen ihnen vertrauen", jammert die tägliche Sportzeitung Gazzeta dello Sport. Das staatliche italienische Fernsehen RTI hat bereits angekündigt, die Partie der Skandinavier mit sieben eigenen Kameras zu beobachten, um mögliche Absprachen auf dem Platz zu dokumentieren. Zu wenig, meint Gennaro Gattuso, "Ich will 50 Kameras der UEFA bei diesem Spiel", fordert der Mittelfeldkämpfer - er wird sie nicht bekommen. Sogar der schwedische UEFA-Präsident Lennart Johanson stimmte in den skandinavischen Chor mit ein, der die Spekulationen über eine Absprache als ehrenrühriges Hirngespinst besang: "In der nordischen Kultur gibt es so etwas nicht", so Johanson. "Wir spielen, um uns zu vergnügen und um zu siegen". Und obwohl zumindest die Dänen keinen Hehl daraus machen, dass sie am liebsten gemeinsam mit Schweden in die nächste Runde einziehen wollen, widersprechen auch die Trainer energisch jedweder Verschwörungstheorie. "Das ist doch lächerlich", sagte Dänemarks Coach Morten Olsen. "Wir sind ehrliche Menschen und gehen raus um zu gewinnen". Auch Schwedens Trainer Lars Lagerbäck bestritt vehement eine möglich Absprache, ohne sich allerdings einen Seitenhieb verkneifen zu können: "Das wäre doch genauso falsch und unsportlich wie das Spucken von Totti."

"Zirkus Italia"

Die Unsportlichkeit des italienischen Superstars im Spiel gegen die Dänen war aber nur eine Nummer des "Zirkus Italia", der bisher eine zweiwöchige Vorstellung "des Wahnsinns" gab, wie die "La Repubblica" spottete: Nach nicht enden wollenden Eitelkeiten, Personal- und Taktikdebatten, der Sperre Tottis und massiver Kritik an "Zirkusdirektor" Giovanni Trapattoni, heizte nun Stürmer Christian Vieri die Stimmung mit einem furiosen Wutausbruch gegen die Presse zusätzlich an: "Ihr massakriert uns", schimpfte der Stürmer, nachdem Italiens Reporter über einen seiner Meinung nach "frei erfundenen" Streit zwischen ihm und Torwart Gianluigi Buffon berichtet hatten. "Ihr habt kein Gewissen", wütete der Inter-Mailand-Star, der "wegen der persönlichen Angriffe mit keinem Reporter mehr sprechen" wird. Auch Buffon bestritt den Krach mit Vieri. "Ihr tut alles, damit wir nicht siegen", schob der Juve-Torwart Vieris Presseschelte nach.

Trap muss umstellen

Das neue Drama im "Casa Azzurri" lässt das Spiel gegen Bulgarien völlig in den Hintergrund rücken - dabei muss Trapattoni muss sein gegen Schweden anfangs grandioses Team umstellen. Fabio Cannavaro und Gennaro Gattuso sind gesperrt. Gattuso-Ersatz Christian Zanetti ist mit Leistenproblemen angeschlagen. Für den von Knieproblemen geplagten Vieri, stünden neben dem bislang einzigen Torschützen Antonio Cassano und Juve-Star Del Piero Lazios Bernardo Corradi im Sturm bereit. Für Cannavaro wird Marco Materazzi erwartet.

Bulgarien muss auf die gesperrten Rosen Kirilow und Spielmacher Stiljan Petrow verzichten, für die in der Abwehr Pedrag Pasin und im Mittelfeld Milen Petkow kommen. Während die Dänen bis auf den leicht angeschlagenen Dennis Rommedahl alle Mann an Bord haben, muss Schweden auf den gelb-gesperrten Defensivspezialisten Tobias Linderoth verzichten. (sams)

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  • Datum 22.06.2004
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