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Asien

Verschmutzung des Ganges stinkt weiter zum Himmel

Der Ganges ist den Hindus heilig, was aber seine starke Verschmutzung und Vergiftung bis jetzt nicht verhindert. Narendra Modis Projekt "Sauberer Ganges" kommt nicht voran.

Ein Prestigeprojekt des indischen Ministerpräsidenten  Narendra Modi ist die Sanierung des von den Hindus als heilig verehrten Flusses Ganges, auch "Mutter Ganga" genannt. Umgerechnet 3,06 Milliarden US-Dollar wurden 2015 von der Regierung bereit gestellt, um die Einleitung von ungeklärten Abwässern und anderen Umweltgiften in den stark verschmutzten Strom  zu beenden. Das Projekt "Sauberer Ganges" sollte bis 2020 abgeschlossen sein.

Jetzt hat allerdings die zuständige Behörde, die "National Mission for Clean Ganga", nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters eingestanden, dass die Sanierungsarbeiten stark in Verzug seien. Eine vom Minister für Wasserressourcen verkündete Frist, bis 2018 wesentliche Fortschritte bei der Reinigung des Flusses zu machen, sei "unmöglich einzuhalten", verlautete aus Kreisen der Behörde.

Ganges mit Ghats, stufen zum Wasser (Foto: picture-alliance/AP Images/A. Qadri)

Ghats, Stufen für die Pilger, säumen das Ufer in der heiligen Stadt Varanasi

Drei Viertel der Abwässer ungeklärt in den Ganges

Einige Zahlen verdeutlichen die gewaltigen Dimensionen des Problems: Täglich werden 4,8 Milliarden Liter Abwässer in den Ganges eingeleitet. Kapazitäten zur Wasseraufbereitung bestehen aber nur für etwas über eine Milliarde Liter. Drei Viertel der Abwässer aus den dicht besiedelten Städten und Dörfern in der nordindischen Tiefebene fließen ungeklärt in den 2500 Kilometer langen Ganges.

Die Regierung Modi hat zwar die Genehmigung für den Bau von neuen und die Modernisierung von alten Kläranlagen mit einer gesamten Kapazität von rund zwei Milliarden Litern erteilt. Davon wurden aber erst Anlagen mit einer Kapazität von insgesamt 160 Millionen Litern fertigstellt. Ob jene bereits in Betrieb sind, sei "unklar", heißt es aus der Behörde.

Karte Indien mit Ganges (Infografik: DW)

Der Flusslauf des Ganges vom Himalaya bis zur Bucht von Bengalen

 

Umsetzung stockt in den Bundesstaten

Als Gründe für die allzu langsame Umsetzung des Projekts "Clean Ganga" werden zum einen Schwierigkeiten der betroffenen indischen Bundesstaaten genannt, Land für den Bau neuer Kläranlagen zu finden. Zum anderen heißt es, umständliche Ausschreibungsprozeduren würden Investoren für neue  Projekte zur Säuberung des Ganges abschrecken. Von den umgerechnet 3,06 Milliarden US-Dollar seien zwischen April 2015 und März 2017 erst 205 Millionen ausgegeben worden.

Offenbar ist Modi von dem stockenden Fortgang  des Ganges-Projekts alarmiert. Schließlich will er 2019 wiedergewählt werden. Er hat seine Machtstellung durch den Erdrutschsieg in Uttar Pradesh, einem Haupteinzugsgebiet des Ganges, vor kurzem weiter gefestigt. Diesen Erfolg will er nicht durch das Scheitern des Ganges-Projekt in Gefahr bringen lassen. Seit vergangenem November sei Modis Bürochef und engster Berater Nripendra Misra jeden Monat bei der Clean-Ganga-Behörde aufgetaucht, um sich über Fortschritte informieren zu lassen. Jetzt wolle Modi persönlich die Sache in die Hand nehmen, berichtet Reuters unter Berufung auf Behördenmitarbeiter.

Junge am Ufer des Ganges in Kanpur (Foto: Reuters/D. Siddiqui)

Silberstreif am Horizont für "Mutter Ganga"?

Aktivisten desillusioniert

Erst im Februar hatte ein indisches Umwelttribunal, das per Parlamentsbeschluss eingesetzte "National Green Tribunal", festgestellt, dass noch "kein einziger Tropfen Gangeswasser" gereinigt worden sei. Das bisher ausgegebene Geld sei "verschwendet" worden. Und ein seit Jahrzehnten tätiger Umweltaktivist aus Kanpur  wird von Reuters mit den Worten zitiert, er habe keine Hoffnung mehr.  "Hier am Fluss hat sich nichts getan."

Kanpurs Lederindustrie  mit der Mehrzahl der über 456 Gerbereien in Uttar Pradesh ist ein besonders krasses Beispiel für die Verpestung des Flusses. Hier fließen die giftigen Abwässer durch die offenen Kanäle in den Slums in den Ganges. Eine weitere Aufgabe der Ganges-Sanierung, die noch lange nicht erledigt sein wird, ist die Säuberung und Modernisierung der sogenannten Ghats, der Treppen am Flussufer, wo sich gläubige Hindus zur rituellen Reinigung im Flusswasser versammeln. 182 solcher Ghats wurden für Renovierungsmaßnahmen ausersehen, bei 50 wurde mit der Arbeit begonnen. Ähnliches gilt für die Stätten zur Einäscherung Verstorbener: Von  118 solcher Stätten werden derzeit 15 renoviert. 

Abwasserkanal am Ganges (FRoto: Getty Images/AFP/P. Singh)

Milliarden Liter ungeklärte Abwässer fließen weiter in den Ganges

Wende durch neuen BJP-Chefminister?

Der neue Chefminister von Uttar Pradesh, Yogi Adityanath, hat vor kurzem bei der Besichtigung einer Wasserbau-Maßnahme zur beschleunigten Umsetzung des Ganges-Projekts ausgerufen. Adityanath von Modis BJP ist ein Hindu-Priester, der sich  seit langen für die Reinigung des Flusses stark macht. Auch bei der zentralen Behörde in Neu Delhi glaubt man, dass es jetzt aufwärts geht: "Man wird Verbesserungen sehen. Wir haben die Bundesstaaten zur Eile aufgefordert, Geld spielt keine Rolle", zitiert Reuters den Vize-Direktor der Clean-Ganga-Behörde.

Vielleicht hilft ja auch der jüngste Richterspruch des nördlichen Bundestaates Uttarakhand: Demnach werden Ganges und Yamuna in den rechtlichen Stand  von Personen versetzt: Sie sind fortan als "lebende Einheiten" zu betrachten , die bei Verletzung ihrer "Persönlichkeitsrechte" durch einen "Vormund" staatlichen Schutz fordern können.  Die Flüsse seien "für die Existenz der Hälfte der indischen Bevölkerung von zentraler Bedeutung", heißt es in dem Gerichtsbeschluss. Seit Urzeiten seien sie für alle Inder "physische und spirituelle Nahrungsquelle."

 

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