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Kultur

Verschließe keine Türen!

Der deutsche Film "Science Fiction" von Franz Müller hat erfolgreich an internationalen Filmfestivals teilgenommen. Müller hatte eine gute Idee und setzte sie innovativ um. Nur in Deutschland tut sich der Film schwer.

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Science Fiction in Deutschland

Der Film "Science Fiction" ist gar kein Science Fiction. Ein genre-üblicher Film könnte so einfach nicht beginnnen. Wir sehen den ostdeutschen Kleinunternehmer Jörg Karsunke vor einer weißen Wand. Karsunke trägt ein unförmiges Sakko, erzählt aus seinem Leben und schwitzt. Karsunke ist Teilnehmer des skurrilen Motivationsseminars "Mental Syntax". Er weiß noch nicht, dass hinter der Tür zum Seminarraum ein Paralleluniversum wartet. "Science Fiction" ist also doch ein Science Fiction - irgendwie zumindest.

International erfolgreich

Regisseur Franz Müller ist mit einer bestechend schlichten Idee ein charmanter deutscher Film geglückt. Die Idee? Verlierer Karsunke (Arved Birnbaum) und sein aalglatter, zynischer Motivationstrainer Marius (Jan Henrik Stahlberg) fallen beim gemeinsamen Gang durch die Tür aus der Realität und verlieren ihre Vergangenheit. Die Welt, in der sie sich nun bewegen, scheint der normalen - deutschen -Wirklichkeit zu gleichen. Sobald die beiden

Science Fiction der Film

Nicole Marischka als Anja

allerdings eine Tür schließen, erinnert sich kein Mensch dahinter mehr an das ungleiche Duo. Myriaden von Möglichkeiten tun sich auf. Und dann gibt es da auch noch die traurige Hotel-Rezeptionistin Anja (Nicole Marischka).

Müllers Abschlussfilm an der Kunsthochschule für Medien in Köln findet seit der Erstaufführung bei der Berlinale 2003 international Gefallen. "Science Fiction" läuft bei Filmfestivals von Neu Delhi über Buenos Aires bis Großbritannien. Begeisterte E-Mails erreichen Müller aus Kanada und Ungarn. "Ich glaube der Grund, warum der Film international funktioniert, liegt auf der Hand. Es ist ein deutscher Film, denn ich wollte etwas über mein Land erzählen. Das ist allemal spannender als ein auf Krampf internationalisierter Film", sagt Regisseur Müller im Gespräch mit DW-WORLD. Eine Erfolgsgeschichte?

Finanzielles Fiasko

"Bedauerlicherweise ist der Film in Deutschland definitiv nicht erfolgreich", erzählt Müller. Ohne großen Verleih und angemessenen Werbe-Etat droht "Science Fiction" gar ein finanzielles Desaster. "Die Fördersituation für kleinere Projekte ist in Deutschland einfach schwierig", sagt Müller. Und erzählt von zuhauf abgelehnten Anträgen auf Produktions- und Verleihförderung. "Ohne bekannte Schauspieler heißt es gleich: nicht vermarktbar. Mir wurde lediglich die Überspielung des Videomaterials auf Film bezahlt, allerdings auch erst als ich die Einladung zur Berlinale hatte", erzählt der Regisseur, der den größten Teil des Budgets privat aufbrachte.

Science Fiction der Film

Szene aus Science Fiction

Trotz Minimalbudget gelingt Müller eine klug strukturierte Reflexion über den Selbst- und Weltverlust, über Liebe, Moral und die Möglichkeiten von Freiheit. Die Geschichte des Films wurde gemeinsam mit den Schauspielern entwickelt. Statt eines strikten Drehbuchs gab es lediglich einen 20-seitigen Entwurf. "Wir haben chronologisch gedreht und die Dialoge improvisiert", erzählt Müller:" Der Film sollte lebendig und schnell werden." Nach nur einem Monat Drehzeit wurde geschnitten. Und als das Geld für den Cutter ausging, setzte sich Müller eben selbst in den Schneideraum.

Amerikanisches Remake?

"Wenn mehr Geld dagewesen wäre, hätte der Film jetzt definitiv eine bessere visuelle und akustische Qualität", erklärt Müller. Und wahrscheinlich hätte er dann auch nicht persönlich die Kinobesitzer anrufen müssen, um von seinem Film zu erzählen. Im Moment erwägt Müller gar den Film ganz aus den deutschen Kinos zu nehmen. Denn: "Ohne Vertriebsförderung gibt es da kaum eine Chance den Film in

Science Fiction der Film

Regisseur Franz Müller

den Kinos zu halten", sagt er. Auf seinem Schreibtisch liegen übrigens sechs Remake-Anfragen aus den USA. "Die Amerikaner sind immer auf der Suche nach guten und unkonventionellen Ideen", sagt Müller:" Und für gute Ideen geben sie auch Geld aus."

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