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Verschleppung der Deutschen: Racheakt der PKK?

Die deutschen Behörden gehen davon aus, dass Rebellen der PKK die drei Touristen aus Bayern entführt haben, und zwar als Vergeltung für das Verbot des kurdischen Senders Roj-TV in Deutschland.

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Machen auch mit Geiselnahmen auf ihren Kampf für ein unabhängiges Kurdistan aufmerksam: Rebellen der PKK

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hielt sich mit Erklärungen über mögliche Hintergründe der Entführung der deutschen Bergsteiger im Osten der Türkei bewusst zurück. "Man bemühe sich intensiv um Aufklärung", so der Minister vor der Presse lapidar. Das Auswärtige Amt hatte bereits zuvor aus Sorge vor terroristischen Angriffen von Reisen in andere Provinzen, nämlich Hakkari, Sirnak und Mardin sowie in das Gebiet um Siirt dringend abgeraten.

Symbolbild Deutschland Nahost Frank-Walter Steinmeier

Über Krisenstab und Botschaft in Kontakt mit türkischen Stellen: Außenminister Steinmeier

Jetzt schlugen die Untergrundkämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei PKK am Berg Ararat in der Provinz Agri zu, und dies offensichtlich gezielt gegen Deutsche. Bei dem Überfall auf ein Zeltlager wurden aus der 13-köpfigen Gruppe drei Männer herausgegriffen und als Geiseln in die Berge verschleppt.

Der Gouverneur der Provinz, Mehmet Cetin, berichtete, die Kidnapper hätten ihr Vorgehen ausdrücklich mit den "jüngsten Aktionen" der Bundesregierung gegen die PKK begründet.

"Sprachrohr des Terrors"

Kurden aus Irak in Deutschland

Tausende Kurden mit ihren Familien leben als Flüchtlinge in Deutschland

Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass auch das am 19. Juni 2008 vom Bundesinnenministerium verhängte Verbot des kurdisch-sprachigen Fernsehsenders Roj-TV eine Rolle gespielt haben könnte. Der Sender ist in Dänemark ansässig und unterhält Büros in mehreren europäischen Staaten. Innenminister Wolfgang Schäuble hält ihn für ein Sprachrohr der verbotenen PKK und ihrer Anhänger.

Die PKK wird als Terrororganisation eingestuft. Unter den schätzungsweise 500.000 Kurden in Deutschland hat sie noch immer Sympathisanten. Der im Gefängnis sitzende Parteiführer Abdullah Öcalan wird weiterhin verehrt.

Hoffnungen auf baldige Freiheit

Auch mehrere Nahost-Experten halten einen Racheakt der kurdischen Separatisten für eine wahrscheinliche Erklärung für die Verschleppung. An diese Spur knüpfen sich derzeit auch die Hoffnungen der deutschen und türkischen Regierung. Gouverneur Cetin ließ durchblicken, die Entführer hätten eine baldige Freilassung ihrer Geiseln in Aussicht gestellt. Auch die Zeitung "Hürriyet" berichtet von entsprechenden Ankündigungen.

Man setzt darauf, dass es der PKK taktisch nur um eine aufsehenerregende Protestaktion geht und sie zu Verhandlungen bereit ist. Auch die Entführungen ausländischer Touristen Anfang der 90er-Jahre waren glimpflich ausgegangen. (ssch)

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