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Wirtschaft

Verschleppt in Argentinien

Während der Militärdiktatur in Argentinien wurden 30.000 Menschen verschleppt und ermordet. Auch Konzerne wie Mercedes Benz Argentina waren darin verwickelt. Dort verschwanden 14 Betriebsräte.

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Mütter von Vermissten beklagen den Verlust ihrer Familienmitglieder

Die Militärdiktatur in Argentinien machte Ende der 1970-er Jahre vor niemandem halt - auch nicht vor Mitarbeitern aus dem Mercedes-Benz-Werk in Argentinien. Nach Recherchen und Berichten der Journalistin Gaby Weber sind dort insgesamt 14 Betriebsräte verschwunden. Waren sie zu unbequem für die Werksleitung? Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt in diesem Fall bereits seit zwei Jahren, so Oberstaatsanwalt Walter Grandpair, Ermittlungsführer im so genannten Argentinienverfahren, gegenüber DW-WORLD.

Der Fall Mercedes ist nur einer von vielen in Argentinien, in denen die bayerischen Justizbehörden wegen Beihilfe zum Mord, Totschlags und Mordes ermitteln. Insgesamt umfasst das Argentinienverfahren 39 Fälle, in denen die Opfer deutsche Staatsbürger oder Deutschstämmige waren, so der federführende Oberstaatsanwalt Grandpair. Bei Mercedes Benz Argentina verschwanden acht deutschstämmige Betriebsräte.

Der Fall Tasselkraut

Gegen den damaligen Produktionschef von Mercedes Benz Argentina, Juan Tasselkraut, ermittelt die Nürnberger Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord. Nach deutschem Gesetz ist sie dazu berechtigt, weil Tasselkraut Deutscher ist. "Am 28. September 2000 erging ein Rechtshilfeersuchen im Fall Tasselkraut an den argentinischen Staat", so Grandpair. Doch die argentinischen Behörden hätten das Rechtshilfeersuchen abgelehnt.

In Argentinien verhindern bis heute gültige Amnestiegesetze generell eine juristische Verfolgung von Tätern aus der Militärdiktatur. Zumindest das Schicksal der Verschwundenen soll durch ein vor drei Jahren gegründetes Wahrheitstribunal, nämlich El Juicio por la Verdad in La Plata, aufgeklärt werden. Eine schwere Aufgabe, denn während der Militärdiktatur (1976-1983) "verschwanden" 30.000 Menschen. Die meisten Leichen tauchten nie auf, schreibt die Journalistin Gaby Weber, die im Fall Mercedes recherchiert.

In diese Mordfälle, so die Journalistin, waren auch Konzerne involviert, die sich unbequemer Betriebsräte entledigen wollten. Ein Konzern davon sei Mercedes Benz Argentina, in dem 14 Betriebsräte zwischen 1976 und 1977 verschwanden. Der 61-jährige Tasselkraut bestritt vor dem Landgericht von La Plata, Adressen von Gewerkschaftern an die Militärs weitergegeben zu haben. Nebenbei erwähnte der ehemalige Produktionschef, dass die Produktivität wegen der Betriebsräte um 40 Prozent gesunken sei. Nach ihrer vermuteten Ermordung, so Tasselkraut, seien die Kapazitäten wieder ausgelastet gewesen.

Mercedes und die Militärs

Bei der Weitergabe von Adressen blieb es nicht. Die Firma spendete jährlich zwei Millionen Dollar an Folterzentren der Militärs, so der Justiziar Pablo Cueva, der im Auftrag des Unternehmens Adressen und Namen von den Betriebsräten an die "Politische Polizei" weitergegeben hatte. Darüber hinaus hätte das Unternehmen medizinische Geräte zur Behandlung von Frühgeburten an Kasernen geliefert. Dort wurden während der Diktatur Schwangere gefangen gehalten und die Geburt ihrer Babys künstlich eingeleitet. Die gespendeten Geräte könnten dort zum Einsatz gekommen sein. Hinterher wurden die Frauen gefoltert und ermordet, die Babys den Militärs übergeben.

Trotz dieser Aussagen ist es schwierig, die Verbrechen aufzuklären. Gegen die Firma Mercedes könne die Staatsanwaltschaft nicht vorgehen, nur gegen beschuldigte Einzelpersonen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Nürnberg, Dr. Bernhard Wankel, gegenüber DW-WORLD. Deswegen habe man auch keine öffentliche Stellungnahme vom Mutterkonzern Daimler Chrysler eingefordert.

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  • Datum 10.08.2002
  • Autorin/Autor Gina Pellarini
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Xfz
  • Datum 10.08.2002
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