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Europa

Verschiebungen auf der europäischen Achse

Paris und London wollen eine neue Partnerschaft eingehen. Der deutsch-französische Motor allein könne die EU nicht mehr antreiben, erklärte Frankreichs Präsident Sarkozy während seines Staatsbesuchs in Großbritannien.

Mit feierlichen Würden wurde Frankreichs Präsident empfangen, AP

Mit feierlichen Würden wurde Frankreichs Präsident empfangen

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown haben die Freundschaft ihrer Länder beschworen. "Ich bin gekommen, um dem britischen Volk vorzuschlagen, zusammen ein neues Kapitel unserer gemeisamen Geschichte zu schreiben", sagte Sarkozy am Mittwoch (26.3.08) bei einer Rede vor beiden Kammern des britischen Parlaments in London. Brown sagte im Parlament, die historische Allianz zwischen beiden Länder stehe vor einer Erneuerung. Großbritannien und Frankreich würden sich gemeinsam für internationale Wirtschaftsreformen einsetzen.

Frankreich und Großbritannien könnten sehr viel mehr in der Welt erreichen, wenn sie zusammenarbeiteten, betonte Sarkozy. Dies gelte auch für Europa. Nach der Reform der Institutionen durch den Vertrag von Lissabon gehe es jetzt um konkrete Projekte, bei denen London und Paris vielfach ähnliche Positionen hätten, sagte Sarkozy, dessen Land im Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Er nannte unter anderem den Kampf gegen den Klimawandel und eine gemeinsame EU-Einwanderungspolitik. Sarkozy schlug auch eine enge Zusammenarbeit der Rüstungsindustrien beider Länder vor.

Deutsch-französischer Motor reicht nicht mehr aus

Frankreichs Präsident Sarkozy und der britische Premier Brown, AP

Verstehen sich gut: Frankreichs Präsident Sarkozy und der britische Premier Brown beim EU-Gipfel 2007

"Ich bin überzeugt, dass der deutsch-französische Motor im Europa von heute notwendig ist", fuhr Sarkozy fort. "Aber er reicht nicht mehr aus, damit Europa handeln und sein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen kann." Alle 27 EU-Staaten müssten an einem Strang ziehen und dafür sei "erst diese neue französisch-britische Entente nötig". Der britische Premierminister Gordon Brown sagte der Zeitung "Le Monde", er wolle mit Frankreich "Hand in Hand" arbeiten, insbesondere bei der Reform der UNO, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Sarkozys Staatsbesuch ist der erste eines französischen Präsidenten in Großbritannien seit zwölf Jahren. Der von ihm angestrebte neue Schulterschluss mit den Briten hat Experten zufolge seinen Grund auch darin, dass das Verhältnis des Franzosen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel als nicht besonders gut gilt. Traditionell gibt es ein sehr enges deutsch-französisches Verhältnis.

Empfang bei der Königin

Carla Bruni-Sarkozy und der englische Prinz Philip im Gespräch

Ganz und edel angezogen: Carla Bruni-Sarkozy im Gespräch mit dem britischen Prinz Philip

Die englische Queen empfing am Mittwoch das französische Präsidentenpaar mit allen Ehren der britischen Monarchie. Nach der Begrüßung fuhr Sarkozy neben der Königin in einer Kutsche und flankiert von den Reitern der königlichen Garde ins Schloss, gefolgt von einer weiteren mit seiner Frau und Prinz Philip. "Ehrlich gesagt bin ich hier, um die Frau des Präsidenten zu sehen, wie wahrscheinlich 90 Prozent der Leute hier", sagte der Rentner Mike Thorpe, der am Straßenrand stand. Die Tageszeitung "Daily Mail" druckte aus Anlass des Besuchs ganzseitig ein 15 Jahre altes Aktfoto, das aus Carla Bruni-Sarkozys Zeit als Topmodel stammt. Sarkozy hatte die 40-Jährige im Februar wenige Monate nach der Scheidung von seiner zweiten Frau geheiratet.

Mehr Truppen für Afghanistan

Sarkozy kommt am Donnerstag zu Gesprächen mit Brown zusammen. Vor dem Hindergrund der globalen Kreditmarktkrise will er mit Brown die Banken zu einer umfassenden Offenlegung ihrer Abschreibungen auffordern, wie Regierungsvertreter mitteilten. Beide wollen sich zudem für eine Reform des UN-Sicherheitsrats aussprechen. Auf der Agenda steht auch eine mögliche Beteiligung Frankreichs am Bau neuer britischer Atomkraftwerke. Wichtiges Thema ist auch die mögliche französische Truppenverstärkung in Afghanistan. Sarkozy sagte vor dem Parlament, Frankreich habe seinen Verbündeten eine Strategie vorgelegt, um "eine Zukunft des Friedens in Afghanistan aufzubauen". Werde dies akzeptiert, werde er beim NATO-Gipfel kommende Woche eine Verstärkung der Truppen vorschlagen. Die Zeitung "The Times" hatte am Wochenende berichtet, Paris wolle gut tausend Mann zusätzlich in den Afghanistan-Einsatz schicken. (tos)

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