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Alltagsdeutsch – Podcast

Versandhandel in Deutschland

Keine Zeit für den Einkauf neuer Bekleidung, Möbel oder Elektrogeräte? Früher wurde aus Katalogen von Versandhändlern bestellt, inzwischen über das Internet. Mancher deutschen Traditionsfirma wurde das zum Verhängnis.

Webseitendetail des Internethändlers amazon.de

Symbolbild Versandhandel im Internet

Sprecher:
Versandhandel hieß es früher, heute heißt es neudeutsch E-Commerce. Das Prinzip ist allerdings dasselbe: Man bestellt von zu Hause aus und erhält das Produkt dorthin geliefert. Statt einen Katalog durchzublättern, durchsucht man inzwischen das Internet und bestellt per Mausklick. Die Vorteile für den Kunden: In Sekunden kann er Preise von verschiedenen Anbietern vergleichen. Mit einem internetfähigen Mobiltelefon kann man sich einen Katalog sogar herunterladen. Traditionsreichen Unternehmen wie den deutschen Versandhändlern Quelle und Neckermann wurde diese Entwicklung zum Verhängnis. Weil sich die Unternehmen nicht rechtzeitig im Online-Geschäft engagiert hatten, musste Quelle 2009 und Neckermann im Herbst 2012 den Versandhandel einstellen, auch den über das Internet. Dabei lief es für den Internethandel von Neckermann.de vor der Insolvenz eigentlich noch ganz gut, wie die frühere Sprecherin, Anne Putz, sagte:

Anne Putz:
„Mittlerweile macht Neckermann.de macht 80 Prozent seines Umsatzes über den Online-Shop, und 90 Prozent unserer Neukunden sind Online-Kunden. Heute geht’s einfach nicht mehr ohne Internet, und insofern macht das absolut Sinn.“

Sprecher:
Anne Putz stellt fest, dass Unternehmen, die erfolgreich sein wollen, im Internet präsent sein müssen. Wie wichtig dies ist, macht sie durch die Verwendung des Adverbs absolut deutlich. Neckermann nützte die Umstellung auf den Internethandel allerdings nichts mehr. Der Eigentümer, ein US-Finanzinvestor, wollte zuletzt keine zusätzlichen Gelder mehr zur Verfügung stellen. Die Marken Neckermann und Quelle gibt es jedoch weiter, da der dritte traditionsreiche deutsche Versandhändler Otto die Markenrechte übernahm. Otto ist nach dem amerikanischen Anbieter Amazon inzwischen der zweitgrößte Versandhändler in Deutschland. Gleichzeitig drängen seit Jahren neue Konkurrenten auf den Markt. Allen voran: das Berliner Unternehmen Zalando. Mit einer aggressiven Werbestrategie hat sich der Schuh- und Kleidungsversand in kurzer Zeit im Markt etabliert. Ingmar Böckmann vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels findet jedoch, dass Zalando andere Voraussetzungen erfüllt als andere Unternehmen, die neu an den Markt kommen.

Ingmar Böckmann:
„Man muss dazu auch sehen, dass diejenigen, die Zalando ja gegründet haben, also die Samwer-Brüder mit ihrem Unternehmen ‚Rocket Internet’, einfach auch über die Erfahrung verfügen, so ein Unternehmen auch zu starten, sag ich mal, und auch so ein Unternehmen zu betreiben. Das verschafft ihnen natürlich auch die Möglichkeit, entsprechende Geldgeber dazu zu bewegen, dort in diese Ideen zu investieren. Zalando war eigentlich nie wirklich ein Start-Up. Sie sind von vornherein schon gleich in einer ganz anderen Liga gestartet, als heutzutage Start-Ups normalerweise starten.“

Sprecher:
Unter einem Start-up-Unternehmen versteht man üblicherweise eine kleine Firma, die mit einer neuen Idee auf den Markt kommt. Start-Ups, wie sie auch verkürzt genannt werden, fangen mit einem geringen Geldbetrag an. Sie verfügen über kein großes Startkapital. Bei Zalando traf das laut Ingmar Böckmann nicht zu. Denn die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer investierten in die Firma, die 2008 in Berlin gegründet wurde. Die Brüder besaßen schon Erfahrung, da sie ein eigenes Unternehmen hatten – anders als bei Jungunternehmern, die ganz neu starten. Um seine Ansicht zu verdeutlichen, überträgt Ingmar Böckmann eine Redewendung aus der Fußballsprache: Zalando startete in einer anderen Liga. Die Redewendung Jemand spielt in einer anderen Liga wird sehr oft in der Alltagssprache verwendet, wenn man ausdrücken will, dass jemand besser ist oder mehr hat als eine andere Person. Experten wie der Frankfurter Professor für E-Commerce, Bernd Skiera, waren 2010 noch skeptisch, ob Zalando sich dauerhaft am Markt hält.

Bernd Skiera:
„Da muss man allerdings sehen: [Die] haben sicherlich Beachtliches hinbekommen. Also die letzten Zahlen sagten doch um die 160 Millionen Euro Umsatz. Das allerdings auch bei ’nem Verlust von gut 20 Millionen. Also von daher, die Umsatzzahl ist beachtlich, der Verlust allerdings auch. Das muss erstmal ins Positive gedreht werden.“

Sprecher:
Bernd Skiera weist darauf hin, dass Zalando seit 2008 zwar einen beträchtlichen, beachtenswerten Umsatz machte, aber auch Verluste schrieb. Der Umsatz müsse deutlich erhöht und die Verluste müssten verringert werden, das Geschäft müsse ins Positive gedreht werden. Und das tat Zalando. Es dehnte sein Geschäft auf weitere europäische Länder aus und verdreifachte 2011 seinen Umsatz auf 510 Millionen Euro. Wie der Nettogewinn nach Abzug aller Kosten aussieht, gibt das Unternehmen jedoch nicht bekannt. Denn Zalando ermuntert seine Kunden zum Beispiel dazu, möglichst viele Waren – auch in unterschiedlichen Größen – zu bestellen. Diese können dann, wenn sie nicht passen oder gefallen, auf Kosten des Unternehmens wieder zurückgeschickt werden. Das zeigt die Herausforderungen, mit denen Internetversandhändler zu kämpfen haben: Ob ein Unternehmen wirtschaftlich, also rentabel arbeitet, liegt an verschiedenen Faktoren. Wichtig ist, ein Produkt möglichst schnell und preiswert zum Kunden zu bekommen. Inwieweit die traditionellen Versandhändler ihre Stellung im Internet bewahren werden, wird auch von ihren Strategien abhängen und davon, sich rechtzeitig an neue Entwicklungen anpassen zu können. Eines dürfte jedoch sicher sein: Dass Kunden aus einem Papierkatalog bestellen, wird es in Zukunft eher selten geben.






Fragen zum Text

Verkauft jemand sehr viel, dann …
1. macht jemand Umsatz.
2. ist der Versatz gut.
3. verläuft der Absatz schleppend.

Zalando wurde sehr schnell bekannt, weil es …
1. Kataloge an besonders prominente Kundinnen schickte, die weitere Kundinnen warben.
2. von Anfang an viel Geld in Werbung investierte.
3. die Kundendaten von Neckermann.de kaufte.

Kauft eine Firma den Produktnamen einer Pleite gegangenen Firma, dann …
1. übernimmt sie die Traditionsrechte.
2. bewirbt sie die Namensrechte.
3. erwirbt sie die Markenrechte.


Arbeitsauftrag
Lies den Text nochmals durch. Setze dann in den folgenden Sätzen die passenden Nomen und Präpositionen ein.

1. Quelle übernahm die ________ ____ Neckermann.de.
2. Ein Start-up-Unternehmen kommt ______ einer neuen Idee ______ den _______.
3. Zalando hat sich schnell ______ _______ etabliert.
4. E-Commerce-Unternehmen sind erfolgreich, wenn sie sich _____ neue ________ anpassen können.
5. Bernd Skiera war nicht sicher, ob sich Zalando _____ dem ______ halten kann.

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