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Afrika

Versöhnung statt Rache

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat am Montag seine diesjährige Weltethos-Rede gehalten. In der Tübinger Universität rief er die Religionen zu gegenseitiger Toleranz auf.

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Desmond Tutu bei seiner Rede in Tübingen

Desmond Tutu forderte von den Menschen mehr Bereitschaft zur Aussöhnung mit ihren Feinden. "Frieden kann es nur geben, wenn wir Brücken bauen, statt irgendwelche Rachegelüste zu haben", sagte der Alt-Erzbischof aus Kapstadt. Der anglikanische Geistliche sprach im Rahmen der Weltethosreden, die der katholische Theologe Hans Küng seit neuen Jahren organisiert.

Auf Rache verzichten

Nelson Mandela und Desmond Tutu

Kämpften gemeinsam für Versöhnung: Nelson Mandela und Desmond Tutu

Viele Unruhen in afrikanischen Ländern, aber auch Konflikte des Westens mit der islamischen Welt würden durch das Verlangen der Menschen nach Rache ausgelöst. "Sich zu rächen heißt immer, dass man gegen seine eigenen guten Interessen handelt", so Tutu. Dies sei ein großes Hindernis beim Streben nach Frieden. Als positives Beispiel führt der ehemalige Erzbischof die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika an. Bei der Aufarbeitung der Gräueltaten, die während der Apartheid passierten, sei es nicht um Rache, sondern um Aussöhnung gegangen. Nur weil es den Opfern gelungen sei, auf Rache zu verzichten, sei Südafrika inzwischen zu einer relativ friedlichen Demokratie geworden.

Den Islam respektieren

Betende Muslime in der Kölner DITIB-Moschee

Feindbild Islam: die Religion wird oft für Terrorismus verantworltich gemacht

Mit Blick auf den Kampf gegen Terrorismus warnte Tutu vor einer Dämonisierung des Islam. Nicht der Glaube sei das Problem, sondern das Verhalten der Gläubigen. Es gebe gute Muslime und schlechte Muslime, ebenso wie gute Christen und schlechte Christen. Der Anglikaner unterstrich, ein Mensch suche sich in der Regel seine Religion nicht selber aus, sie sei meistens ein zufälliges Produkt seiner Herkunft. Desmond Tutu ist in Südafrika neben dem ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela die zweite große Symbolfigur für den friedlichen Übergang vom Apartheid-System zur Demokratie. Der Anglikaner, der 1984 den Friedensnobelpreis erhielt, leitete den südafrikanischen Kirchenrat und die Allafrikanische Kirchenkonferenz. Von Mandela wurde er zum Vorsitzenden der "Wahrheits- und Versöhnungskommission" zur Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen im Apartheid-Staat ernannt.

og/kna/dpa