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Kultur

Versöhnung der Schreibenden

Unverständnis - das empfinden die meisten, wenn es um den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geht. Ein Autoren-Treffen soll Verständnis wecken, zwischen den Konfliktparteien ebenso wie in Deutschland.

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Trennendes überwinden - Literaten machen's vor

Literatur ist ein Mittel gegen Sprachlosigkeit. Für Menschen, die normalerweise nicht miteinander reden. Genau das zeigt das Autorentreffen zwischen Deutschen, Israelis und Palästinensern, das die Landeszentrale für politische Bildung (LPB) in Rheinland Pfalz derzeit zum siebten Mal veranstaltet. Hier lesen Dichter und Schriftsteller aus ihren Werken und diskutieren darüber.

Auch wenn die zitierten Texte sich meistens nicht ausdrücklich mit dem Nahostkonflikt befassen: Die Literatur ist das Medium, um über die gesellschaftlichen Probleme zu reden. Das Motto: "Unverständnis abbauen - Schreiben in gewalttätiger Zeit".

Allmähliche Annäherung

Bei den vergangenen Treffen haben die israelischen und palästinensischen Autoren oft zum ersten Mal überhaupt Kontakt zur anderen Seite aufgenommen, berichtet der Veranstalter Hans-Georg Meyer von der LPB Rheinland-Pfalz. Zu Anfang, 1994, habe beispielsweise die israelische Schriftstellerin Ruth Almog zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Palästinenser gesprochen und ihm die Hand gegeben. Sie habe damals gesagt, "dass sie das noch nicht ganz versteht, dass sie damit erstmal klarkommen muss und dass das erst passiert, wenn sie wieder zuhause ist", erzählt Meyer. Mittlerweile habe Ruth Almog eine herausragende Rolle bei den Treffen.

Auch wenn palästinensische und israelische Schriftsteller in Landau miteinander reden - persönliche Kontakte in der Heimat gab es bisher so gut wie nie. Viele palästinensische Autoren dürfen nicht nach Israel zu reisen. Und den Israelis wiederum ist es in den Autonomiegebieten zu unsicher.

Versammlung auf neutralem Boden

Die Schriftsteller sind Teil zweier Gesellschaften, die nebeneinander herleben. Daran ändern die Zusammenkünfte in Deutschland nicht viel, sagt Meyer. Aber ein bisschen hätten die Autorentreffen schon erreicht, betont er: "Dass man schon mal miteinander telefoniert. Dass man sich schon mal im Ausland trifft und dass man froh ist, wieder nach Deutschland zu kommen und sich gemeinsam austauschen zu können."

Viele der Literaten sind Stammgäste, die jedoch immer wieder neue Kollegen mitbringen. Deutschland ist der neutrale Boden, dort können sich die Schriftsteller auf Augenhöhe begegnen. Zwei frühere Treffen in Israel und im Westjordanland scheiterten daran, dass eine Schriftstellergruppe sich unterlegen fühlte.

Gleichzeitig vermitteln die deutschen Autoren, wenn es zu Konflikten kommt. Gerade bei den ersten Treffen war das häufiger notwendig. Wegen der Anwesenheit der Presse arteten Diskussionen manchmal in politische Kampfansagen aus. "Jeder meinte, jetzt muss er seine Nation hochhalten", berichtet Meyer. Kritik vom einen führte sofort zu Protesten beim anderen. Der Organisator betont: "Das hat sich alles relativiert und etwas gelegt."

Neu entdeckte Selbstkritik

Der Erfolg der Autorentreffen zeigt sich vor allem auf der Ebene der Literatur. Zum Beispiel darin, dass ein palästinensischer Schriftsteller einen Text eines israelischen Kollegen übersetzt hat und somit eine palästinensische Öffentlichkeit für das Anliegen des Autors gewinnen konnte. Auch in der Wahl ihrer Stoffe haben die Treffen bei einigen Literaten teilweise radikale Änderungen bewirken können.

Für Meyer ist das ein deutlicher Schritt nach vorn. Wenn jemand sage: "'Das, was von der Regierung X oder Y gemacht wird in meinem Land, ist falsch' oder 'die Menschenrechte der Palästinenser werden nicht geachtet von meiner Regierung' - dann, meine ich, ist das ein großer Erfolg."

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