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Aktuell Europa

Versöhnung 70 Jahre nach "Todesmarsch" von Brünn

Das tschechische Brünn erinnert mit einem Gedenkmarsch an die Toten der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt nach dem 2. Weltkrieg. Der Stadtrat verabschiedet eine "Versöhnungserklärung".

Rund 300 Tschechen und Deutsche gingen in einer Wallfahrt der Versöhnung gemeinsam vom Ort eines Massengrabes von Sudentendeutschen in der Stadt Pohorelice ins 30 Kilometer entfernte Brünn (Brno). Beim sogenannten Todesmarsch von Brünn kamen vor genau 70 Jahren Schätzungen zufolge 2000 bis 5200 deutschsprachige Bürger der Stadt ums Leben.

20.000 Bürger vertrieben

Insgesamt waren Ende Mai 1945 waren mehr als 20.000 Einwohner Brünns ohne Wasser und Verpflegung auf einen mehr als 60 Kilometer langen Fußmarsch in Richtung Österreich getrieben worden.

Frauen, Kinder und alte Menschen starben an Erschöpfung. Den damaligen Leidensweg in umgekehrter Richtung nachzugehen, sei ein Zeichen der Versöhnung mit den Überlebenden und sich selbst, sagte der Organisator des Gedenkmarsches, Jaroslav Ostrcilik.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden bis zu drei Millionen Deutsche in der damaligen Tschechoslowakei gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Besonders bei den sogenannten wilden Vertreibungen kam es zu massiven Übergriffen auf die Sudetendeutschen - oftmals aus Rache für den Terror der Nazis während des Krieges.

In der kommunistischen Ära waren die Vertreibungen ein Tabuthema. Im heutigen Tschechien ändert sich dies. Der Stadtrat von Brünn beschloss aus Anlass des 70. Jahrestages des Todesmarsches eine Versöhnungs- und Zukunftserklärung.

Stadt drückt Bedauern aus

"Die Stadt Brünn bedauert aufrichtig die Ereignisse vom 30. Mai 1945 und der folgenden Tage, als Tausende Menschen zum Verlassen der Stadt gezwungen wurden", heißt es in dem Papier. "Wir machen uns bewusst, zu welchen menschlichen Tragödien sowie kulturellen und gesellschaftlichen Verlusten es damals gekommen ist", sagte Brünns Bürgermeister Petr Vokral. Er bitte um Vergebung für das frühere Unrecht, das die Zukunft nicht belasten dürfe.

Blick auf die Stadt Brno oder Brünn (Archiv: CTK/ dpa)

Blick auf die Stadt Brünn (Brno)

Kommunisten, Sozialdemokraten und ehemalige Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime kritisierten die Erklärung. "Politiker sollten die Vergangenheit nicht bewerten", sagte Südmährens Regionspräsident Michal Hasek. "Wer hat sich für (...) Abtransport und Ermordung der Juden und Roma aus Brünn entschuldigt"?, fragte der Sozialdemokrat. In einer Stellungnahme früherer Widerstandskämpfer hieß es: "Wir sehen keinen Grund, uns bei den Brünner Deutschen zu entschuldigen, die dem tschechischen Volk so viel Unrecht und Leid angetan haben."

wl/SC (dpa)