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Deutschland

Verrückt nach Gartenzwergen

Als Gartenschmuck Nr. 1 gelten heute Gabionen, mit Steinen gefüllte Drahtkörbe. Früher war das anders, da dominierte: der Gartenzwerg. Dem Mann mit der Zipfelmütze hält ein junger Saarländer die Treue wie kein zweiter.

Sven Berrar ist ein leidenschaftlicher Sammler. Schon seit mehr als 20 Jahren sammelt er Gartenzwerge. Stolze 3000 Stück zählt nun sein Schatz. Inzwischen erfüllte sich der junge Zwergenliebhaber aus dem Saarland einen Traum: ein kleines privates Museum hinter seinem Wohnhaus in Ludweiler. Dort gibt es auf zwei Etagen, auf Regalen entlang der Wände, nichts anderes: überall stehen die Männchen mit den roten Zipfelmützen.

Mit 30 Jahren 3000 Zwerge

Neben klassischen Modellen wie den Zwergen, die einen Spaten, eine Gießkanne oder Laterne in der Hand halten oder der Musikantengruppe, finden sich in der Sammlung auch ausgefallene Stücke. So etwa der "Thüringer Tarzan", der mit getigertem Lendenschurz an einer Liane hängt. Die meisten seiner Figuren stammen aus den 1950er und 1960er Jahren - "der Blütezeit des deutschen Gartenzwerges," wie Berrar sagt. Die Ältesten sind sogar von 1890.

Berrars Sammlung gehört schon heute zu den größten in Deutschland. Doch seine Leidenschaft treibt ihn weiter. "Ich kann nicht aufhören, zu sammeln", sagt der gelernte Gärtnermeister. Seine Sammler-Story begann fast schon im Kinderwagen. Er war zwei Jahre alt, als er seinen ersten Zwerg bekam. Mit 16 Jahren besaß er bereits 1000 Stück. Heute ist er 30 Jahre alt und besitzt 3000 Zwerge.

Gartenzwerge gelten ähnlich wie die Kuckucksuhr oder die Lederhose als typisch deutsch. Die Hose stammt aus Bayern, die Uhr aus dem Schwarzwald. Aber die Zwerge? Die ersten wurden in den 1870er Jahren in einer Terracotta-Manufaktur in Thüringen hergestellt. Auch Sven Berrar fährt regelmäßig dorthin - nach Gräfenroda. Im "Geburtsort der Gartenzwerge" sucht er den Kontakt zu Zeitzeugen der Zwergproduktion, weil er auch über die Ursprünge und die alten Herstellungsmethoden alles wissen will. Warum tut ein junger Mann so etwas?

Sven Berrars Eltern fanden sein Verhalten früher auch "bedenklich", wie er sagt. "Sie dachten, ich müsse in Behandlung." Wenn sich ein Teenager nicht für Fußball, Motorräder oder Mädels, sondern ausschließlich und mit großer Hingabe für alte Gartenzwerge interessiert - dann denke man schon darüber nach, ob mit dem Jungen alles in Ordnung sei. "Ich dachte damals, er wäre reif für die Couch", räumt seine Mutter ein. Doch inzwischen sei klar: Sven ist gesund und hinter seiner Sammelleidenschaft steckt einfach nur Liebe. Eine große Liebe zu den Gartenzwergen.

Zuerst geliebt, später gehasst

In Deutschland gab es den größten Gartenzwerge-Boom nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wollten viele Deutsche die schreckliche Zeit so schnell wie möglich vergessen und das Grauen des Krieges verdrängen. In den 1950er und 1960er Jahren war es "in", einen Schrebergarten zu haben, wo man Obst und Gemüse anbauen und sich erholen konnte. In den Kleingärten wurde eine heile Welt geschaffen, zu der auch Gartenzwerge gehörten.

Später war natürlich alles anders. In den 1980er Jahren fielen die Gartenzwerge tief in Ungnade - nun galten sie als Inbegriff des Spießbürgertums, als Zeichen des schlechten Geschmacks und gutes Beispiel für Kitsch. Man müsste sich für so etwas schämen. So ändern sich die Zeiten.

Sven Berrar sind die Trends in Sachen Gartenschmuck völlig egal. Er liebt seine Zwerge und denkt sogar über einen Anbau für sein Museum nach. Denn: der Platz ist knapp, die zwei Etagen des Zwergen-Häuschens sind schon jetzt voll. Draußen will er seine Liebsten nicht aufstellen. Weil die meisten noch "echte" Gartenzwerge aus gebranntem Ton sind. Und die müsse man vor Sonne und Regen schützen.

Im Garten darf nur eines seiner Exemplare stehen: der Zwerg-O-Mat. Ja, es gab auch Zeiten, in denen man sich einen Zwerg - ähnlich wie Zigaretten - aus einem Automaten ziehen konnte.