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Politik

Vernunft gegen Emotion

Kerry will der emotionsgeladenen Politik Bushs vor allem eines entgegensetzen: Vernunft. Das sagt der Historiker Norbert Finzsch im DW-WORLD-Interview. Ansonsten sei ihre Politik recht ähnlich.

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DW-WORLD: In den vergangenen Monaten haben viele Amerikaner John Kerry, dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, eher nicht zugetraut, das Rennen um das Präsidentenamt für sich zu entscheiden. Dennoch hieß es immer, man müsse den Parteikongress Ende Juli abwarten. Der hat nun stattgefunden. Was hat sich dadurch verändert?

Prof. Norbert Finzsch: Verändert hat sich dadurch, dass Kerry nun stärker konturiert mit einer Mannschaft antritt. Sein Vizepräsidentschaftskandidat John Edwards ist eine medienwirksame Persönlichkeit. Er bringt Kerry genau das, was ihm bisher gefehlt hat: die Fähigkeit, Menschen zu begeistern.

Das größte Manko der Demokraten schien immer ihre innere Zerstrittenheit. Beim Konvent in Boston zeigten sie sich aber erstaunlich vereint. Woran lag das?

Ich glaube den Demokraten ist klar geworden, dass bei dieser Wahl die historische Chance besteht, einen republikanischen Präsidenten abzuwählen. Das wäre ja etwas Neues. Wenn man davon ausgeht, dass sich die Vereinigten Staaten tatsächlich im Krieg befinden, im Krieg gegen den Terror. Das ist bisher nicht passiert, dass ein Präsident in Zeiten des Krieges abgewählt worden ist. Die gemeinsame Linie der Demokraten hat mit Sicherheit Auswirkungen auf das Wahlergebnis.

Der Bostoner Parteitag hat auch gezeigt, dass sich die Demokraten von dem Image der "unpatriotischen Partei" lösen wollen. Dort war oft von "Patriotismus" und von "christlichen Werten" die Rede - die Demokraten bewegten sich auffällend häufig auf der rhetorischen Ebene von George W. Bush. Was bedeutet dieses neue Auftreten?

Den Ruf unpatriotisch zu sein haben die Demokraten seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Die Demokraten müssen diesen Vorwurf immer wieder neu bekämpfen. Das hat auch etwas mit der Wählerschaft der Demokraten zu tun, die in der Vergangenheit vor allem Einwanderer umfasst hat. Ich glaube, dass die Demokraten verstanden haben, dass es sich bei einer Wählerschaft, die sich zu über 60 Prozent als konservative Protestanten versteht, nicht auszahlt, gegen die christliche Recht zu polemisieren.

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