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Vernehmliches Rieseln

Die stille Jahreszeit ist gar nicht so still, wenn man genau hinhört. Zwar rieselt der Schnee leise, aber es kann im Winter auch mal krachen: Wenn das Eis auf dem See knackt oder Silvesterböller in den Himmel fliegen.

Seit Eduard Ebel wissen wir, dass Schnee "leise rieselt". Das berühmte Weihnachtslied des deutschen Geistlichen um 1900 "Leise rieselt der Schnee" erinnert daran, dass es "lautes Rieseln" nicht gibt.

In Wald und Flur

Tatsächlich ist das Geräusch, wenn feuchte Schneeflocken auf trockene Blätter, Sträucher oder Autodächer fallen, kaum zu hören. Dennoch sind die Geräusche in der winterlichen Natur keineswegs alle leise. Aber sie sind anders. Der Wind zum Beispiel klingt im Laubwald hohl und je nach Stärke dröhnend und brausend. Es gibt keine Blätter, die ihn rauschen oder gar flüstern lassen. Das Reiben der Äste aneinander, dieses Knarzen und Klopfen ist nur im Winter so klar zu hören.

Wenn der See "still und starr ruht" sind die Geräusche im Röhricht, das Wispern der Blesshühner, das scharfe Flügelschlagen auffliegender Enten oder ihr aufgeregtes Schnattern deutlicher zu hören als in der warmen Jahreszeit. Die geradezu sprichwörtliche "klirrende Kälte" – alle wissen was gemeint ist, obwohl man klirrende Kälte nicht hören kann – lässt Geräusche, vor allem wenn Schnee über dem Land liegt, manchmal wie von weit her erscheinen. Das aggressive Rauschen der Autobahn ist einem tiefen Brummen gewichen. Die Schläge der Turmuhr klingen dünner, ferner.

In der Stadt

In den Städten hört sich der Winter anders an. Vor allem, wenn über Nacht Schnee gefallen ist. Die Motorengeräusche sind gedämpft, das Auf- und Zuschlagen der Türen wirkt satter und gleichzeitig weicher; und außerdem wird langsamer gefahren. Eines der typischsten Wintergeräusche ist das Eiskratzen. Scharfes, rhythmisches Scharren und Schaben, regelmäßig oder hektisch - bis die Windschutzscheibe eisfrei ist. Oder der lang orgelnde Anlasser, das immer langsamer werdende Leiern, bis schließlich nichts mehr geht – und der Autofahrer eben zu Fuß.

Nebenan hat der Nachbar schon zu schippen begonnen. Ratschend fährt die Metallschaufel unter den Schnee, schrammt über den Asphalt. Wenn es nicht sehr kalt ist, rutscht die weiße Pracht bald auf den Dächern zusammen und fällt mit einem hellen Klatschen auf die Bürgersteige. Laut wird’s, wenn jemand unter’m Dach stand. Längst sind die Krähen in die Stadt gekommen. Ihr heiseres, lautes Krächzen ist überall zu hören. Ohrenbetäubend, wenn sie in großer aufgeregter Schar auf Schulhöfen und Plätzen einfallen; überall dort wo es etwas aufzupicken, aufzuhacken gibt.

Im Warmen

Das Knacken und Knistern des Holzes im Kamin ist ein typisches Wintergeräusch. Kaminöfen oder gar offene Kamine haben seit geraumer Zeit Hochkonjunktur. Das prasselnde, knackende Kaminfeuer, das Sirren der Glut, das Knistern dünner Zweige lässt die Kälte und Dunkelheit draußen vergessen.

Nicht jeder hat eine hochmoderne und damit nahezu geräuschlose Heizung. Dann blubbert es in den Leitungen, ein Zischeln und Gluckern, als wären kleine geheimnisvolle Lebewesen am Werk, die dafür sorgen, dass wir es schön warm haben. Fließgeräusche sind im Winter deutlicher zu hören als im Sommer, und wer im Altbau wohnt weiß, dass in der kalten Jahreszeit die Holztüren besonders vernehmlich quietschen und knarren.

In der stillen Nacht

Dennoch: Der Winter ist eine stille Zeit. Da bleibt man auch gerne zu Hause und macht es sich im Warmen gemütlich. Dann kommt auch der summende Wasserkessel wieder zu Ehren. Tee wird aufgegossen. Und wer genau hinhört, vernimmt das Knistern und Splittern des Kandiszuckers in der Teetasse.

Fragen zum Text

Das Gegenteil von leise ist …

1. laut.

2. sehr leise.

3. geräuschlos.

Klirrende Kälte ist …

1. besonders warm.

2. sehr kalt.

3. sehr laut.

Das Knacken und Knistern des Holzes im Kamin ist …

1. ein typisches Wintergeräusch.

2. ein typisches Sommergeräusch.

3. ein typisches Frühlingsgeräusch.

Arbeitsauftrag

Leise rieselnder Schnee, das Blubbern der Heizung, das Knacken des Kandiszuckers im heißen Tee – all das sind typische Wintergeräusche. Aber was sind typische Frühlings-, Sommer- oder Herbstgeräusche? Schreiben Sie zu jeder der vier Jahreszeiten typische Geräusche auf.

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