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Flüchtlinge

Vermutlich 100 Menschen vor Italien ertrunken

Neue Tragödie im Mittelmeer: Bei der Havarie eines Flüchtlingsboots im Kanal von Sizilien sind möglicherweise mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Nur 27 Insassen konnten gerettet werden.

Italien MSF Schiff Bourbon Argos mit Flüchtlingen bei Palermo (picture-alliance/ROPI)

Das Hilfsschiff "Bourbon Argos" der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" bei Palermo (Archivbild)

Wie die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" berichtet, befanden sich 130 Menschen an Bord des Schlauchboots, das von Libyen aus in Richtung Italien gestartet war. Man habe in der Nacht auf Donnerstag 27 Überlebende an Bord des eigenen Schiffs "Bourbon Argos" genommen und sieben Leichen geboren. Die übrigen Insassen gelten offiziell als vermisst. "Diese Tragödie ist unerträglich", erklärte die Hilfsorganisation.

Erst am Montag und Dienstag waren nach Berichten von Überlebenden bei zwei weiteren Bootsunglücken im Mittelmeer bis zu 240 Flüchtlinge ertrunken. Diese Darstellungen bestätigte inzwischen der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (OIM) in Italien, Flavio Di Giacomo. Er erklärte per Twitter, mit dem jüngsten Unglück seien allein in den vergangenen zwei Tagen mehr als 340 Migranten ums Leben gekommen.

Noch höhere Opferzahlen befüchtet 

Wenn man diese Zahl einrechnet, erhöht sich die Zahl der Menschen, die nach UN-Angaben seit Januar bei dem Versuch der Überfahrt nach Europa im Mittelmeer ertrunken oder verschollen sind, auf mehr als 4.500. Die private Hilfsorganisation Moas mit Sitz in Malta geht von deutlich höheren Zahlen aus, da sie befürchtet, dass viele verunglückte Boote gar nicht erst als vermisst gemeldet werden.

An den Küsten Italiens sind nach Angaben der EU-Grenzschutzbehörde Frontex im Oktober so viele Flüchtlinge wie nie zuvor in einem Monat angekommen. Fast 27.500 Menschen hätten das Land über das Mittelmeer erreicht. Das sei die bisher höchste Zahl in einem Monat im Zentralen Mittelmeer und doppelt so hoch wie im September, teilte Frontex mit.

Schmuggler offenbar besonders aktiv

Grund dafür sei das bessere Wetter, was Schmuggler dazu bewege, noch mehr Menschen auf seeuntüchtige Boote zu treiben. Das erkläre auch die hohe Zahl der Toten im Oktober. 127 Menschen seien im Oktober im Zentralen Mittelmeer tot geborgen worden, aber vermutlich seien wesentlich mehr Migranten gestorben, heißt es in der Mitteilung. Bislang seien in diesem Jahr 2016 fast 160 000 Migranten in Italien angekommen - 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die meisten seien im Oktober aus Nigeria und Eritrea gekommen.

kle/cr/hk (afp, dpa, kna)

 

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