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Afrika

Vermintes Feld - Räumung von Landminen im Sudan

Im Sudan arbeiten staatliche Behörden sowie lokale und internationale Organisationen daran, das Land von Landminen zu befreien. Bei noch immer andauernden Kämpfen - eine schier endlose Aufgabe.

Der Sudan zählt zu den Ländern in der Welt, die am meisten mit Landminen verseucht sind, schätzt die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL). 20 Jahre Bürgerkrieg und noch immer andauernde Konflikte haben das Land gezeichnet. 10 der 17 sudanesischen Bundesstaaten sind minenverseucht. Die Provinzen Blue Nile und Süd-Kordofan haben die höchste Konzentration an Sprengkörpern wie Streubomben oder Antipersonenminen.

Gewonnenes Terrain

Eine Ratte wird an einer Leine von einer Frau gehalten und sucht auf einer Wiese nach Landminen (Foto: Jeroen van Loon)

Erfolge in der Minenräumung: Eine Ratte sucht nach Landminen in Tansania

Die meisten Sudanesen verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Landwirtschaft. Für sie sind die überall verstreuten Landminen ein tägliches Hindernis, eine tägliche Gefahr. "In ländlichen Gebieten hindern die Minen sowohl die Menschen als auch ihre Viehherden daran, sich frei zu bewegen und das Land überhaupt zu nutzen", erklärt Salah Bashasha, Direktor des Nationalen Minenzentrums (NMAC) in Khartum. "Das hat die ökonomische Entwicklung Sudans enorm behindert." Die Behörde NMAC koordiniert alle Initiativen zur Minenräumung im Sudan. In Togan, im Westen des Sudan, habe man bereits große Erfolge erzielt, so Bashasha.
"Dort haben wir erst kürzlich eine große Räumaktion beendet und das Land den Gemeinden zurückgegeben. Das ist ein großer Erfolg für die Bewohner, nicht nur in ökonomischer Hinsicht, sondern auch auf psycho-sozialer Ebene." Die Menschen kehrten in ihre Dörfer zurück, sie fühlten sich jetzt sicherer und könnten zu ihren traditionellen Anbaumethoden in der Landwirtschaft zurückkehren, beschreibt Bashasha die Situation in Togan.

Minenräumung aufgeschoben

Beinprotesen in der sudanesichen Vergabestelle für Orthopädie (Foto: DW/Y. Castro)

Für die Opfer essentiell: Beinprotesen in der sudanesischen Vergabestelle für Orthopädie

Das NMAC arbeitet eng mit lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und den Vereinten Nationen zusammen. In den vergangenen zwölf Jahren konnten mit Hilfe der zuständigen UN-Agentur UNMAS 9000 Hektar Land von Minen und anderen Sprengköpern befreit werden. Doch noch immer sind 3500 Hektar Land nicht zu betreten. Der Sudan ist der Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen im Jahr 2004 beigetreten. Zehn Jahre später, also bis zum 1. April 2014, sollte das Land alle Minen beseitigt haben. Doch die andauernden Kämpfe in den Provinzen Süd-Kordofan und Blue Nile machten das Ziel unerreichbar. Die Vereinten Nationen haben dem Sudan daher einen Aufschub bis 2019 gewährt.

Trotz der Verzögerung ist Javed Habibulhaq, Technischer Berater von UNMAS, optimistisch: "2013 war ein erfolgreiches Jahr für die Minenräumung im Sudan. Seit dem Start des Programms im Jahr 2002 konnten 73 Prozent der verminten Gesamtfläche gereinigt werden." Die Konzentration liegt nun auf den östlichen Bundesstaaten. "Dafür brauchen wir nochmals etwa anderthalb Jahre, bis das Land dort von Minen bereinigt ist", schätzt Habibulhaq.

Eine andere Organisation, die sich vor allem mit den Minenopfern beschäftigt ist das Jasmar-Zentrum für Menschliche Sicherheit. Es konzentrieren sich auf die soziale Einbindung von ehemaligen Kämpfern und auch von Opfern von Minenexplosionen. "Minenopfer leiden stark unter einer sozialen Kluft", sagt der Direktor des Zentrums, Sami Ibrahim. "Daher ist es umso wichtiger, sie in einkommensschaffende Maßnahmen einzubinden."

Eine unvollendete Aufgabe

Das staatliche NMAC führt Buch über die Opferzahlen von Landminen im Sudan. Seit Anfang 2011 hat es 262 Verletzte in seine Datenbank aufgenommen. 69 Menschen seien durch Minen getötet worden. "Aber die Zahlen liegen weitaus höher", kritisiert Sami Ibrahim. "Die Behörde ist sehr ungenau in ihrer Datensammlung. Es gibt Vorfälle, die nie dokumentiert wurden." Das mag mit dem Budget zusammenhängen, das seit 2011 sowohl von sudanesischer Seite als auch von internationalen Gebern stark reduziert wurde. "Mit der Staatsgründung des Südsudan richteten plötzlich alle ihre Aufmerksamkeit dorthin, auch was finanzielle Mittel angeht", bestätigt UNMAS-Berater Javed Habibulhaq. Von diesem Zeitpunkt an war die sudanesische Behörde NMAC somit auf sich selbst gestellt.

Die Sicherheitssituation im Sudan bleibt mit den Konflikten in Darfur, Süd-Kordofan und Blue-Nile weiterhin angespannt. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung, brechen offene Kämpfe aus. An eine Minenräumung ist in dieser Situation nicht zu denken.

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